Golf

Traumrunde bei der Champions Trophy

Nicholas Inderthal, Paola Süßbier und der Golfclub Gatow gewinnen beim alljährlichen Golfturnier der Berliner Morgenpost

Golf, das sagen zumindest die Kenner, sei vornehmlich ein Spiel gegen sich selbst. Der Kopf entscheide, ob das über unzählige Stunden Eingeübte in den wichtigen Momenten abrufbar sei. Und da helfe es eben, wenn man ganz locker aufspielt – cool und deshalb erfolgreich.

Vor diesem Hintergrund ist die erstaunliche Leistung von Nicholas Inderthal bei der Champions Trophy der Berliner Morgenpost, die am Montag zum neunten Mal im A-Rosa-Resort in Bad Saarow am Scharmützelsee stattfand, ein bisschen erklärbarer. Denn eines ist dieser junge Mann bestimmt: cool. Der erst 20-Jährige vom Golf- und Countryclub Seddiner See beendete die 18 Löcher auf dem schwierigsten Golfplatz der Republik, dem Nick-Faldo-Platz, mit nur 72 Schlägen, schaffte damit die Schlagvorgabe (Par) und unterbot die Konkurrenz um vier Schläge. Nur einmal in der noch jungen Geschichte der Champions Trophy gelang einem Spieler eine noch bessere Runde: 2005 schaffte Nils Bühring vom Golfclub Wannsee den Faldo-Platz mit 70 Schlägen. Für emotionale Ausbrüche aber sah Inderthal am Montag wenig Anlass: „Für die schwierigen Wetterbedingungen war das eine ordentliche Runde von mir.“ Dann grinste der Plushandicaper (+2,8), denn er wusste: Ordentlich ist anders. Selbst Profis wie Martin Kaymer oder Bernhard Langer bekommen eine solche Runde nicht jeden Tag hin.

Stechen um Platz zwei

Windig, kühl und bisweilen regnerisch war es, als die 19 Golfklubs der Region ihre besten männlichen und weiblichen Spieler an den Start schickten. Gesponsort wurde das Turnier wie in den Jahren zuvor von Axel Lange (Generali Versicherungen). Gespielt wurde beim traditionellen Turnier zum Saisonabschluss im Einzel- und im Mannschaftswettbewerb. Im Einzel setzte sich Marco Nowottnick vom Berliner Golfclub Gatow erst im Stechen gegen Inderthals Teamkollegen Federico Paez Weinbaum auf Platz zwei durch. Beide benötigten 76 Schläge, und Nowottnick lag nur vorn, weil er an den schwereren Löchern den besseren Score hatte.

Gegen Inderthal hatten sie an diesem Tag aber keine Chance. Der hatte Ende Juli bei der „Faldo-Series“ im A-Rosa-Resort schon einmal eine 72er-Runde gespielt, war bei der Champions Trophy aber zum ersten Mal angetreten: „Der Faldo ist einer meiner Lieblingsplätze. Irgendwie liegt er mir wohl“, sagte Inderthal, der sein Golfspiel zuletzt ein Jahr lang durch ein Stipendium an einer Universität im US-Bundesstaat Louisiana verbesserte. „Dass es beim ersten Mal gleich so gut klappt, ist toll. Ich kann mich nur bei der Berliner Morgenpost bedanken“, sagte Inderthal, der auch den Wettbewerb für den weitesten Abschlag (Longest Drive) mit 277 Metern an Loch 10 für sich entschied. Ob er den großen Sprung zu den Profis anstrebe, wie der dreimalige Sieger bei der Champions Trophy, Timo Konieczka, ließ er noch offen. Erst einmal beginnt Inderthal im Oktober ein BWL-Studium in München.

Ein bisschen knapper als bei den Herren verlief der Wettkampf bei den Damen. Da setzte sich Paola Süßbier vom Berliner Golf- und Countryclub Motzener See mit 76 Schlägen knapp vor Eva Mayr vom Golfclub Gatow durch (77). Dritte wurde Linda Sophie Trockel vom Golfklub Wannsee (80). Süßbier, die 24 Jahre alte Zahnmedizinstudentin mit Handicap 4,1, ärgerte sich jedoch über einen Fauxpas am letzten Loch. Da spielte sie einen Doppelbogey (zwei Schläge über Par). „Das war unglücklich. Aber ich freue mich natürlich riesig über den Sieg“, sagte Süßbier.

Im Einzel nur Zweite jubelten Eva Mayr und Marco Nowottnick im Teamwettbewerb allerdings über den allerersten Sieg bei der Champions Trophy: Der Golfclub Gatow gewann mit 232 Schlägen vor Inderthals Seddiner See Golfclub (238) und dem sechsmaligen Sieger Wannsee (242). Vorjahresgewinner Kallin kam nur auf Platz zwölf (272).

Während auf dem Faldo-Platz die Leistungssportler aufspielten, durften nebenan auf dem Arnold-Palmer-Platz beim parallel stattfindenden Präsidenten-Cup auch mal ein paar Bälle im Bunker landen. Die Präsidenten der Golfklubs flankiert von prominenten ehemalige Sportlern wie Ex-Hertha-Profi Stefan Beinlich und Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft wie Walter Müller, Direktor von Mercedes Benz in Berlin, spielten den Sieger im „Bestball“ aus(zwei Spieler im Team, der beste Wert pro Loch wird gezählt). Zehnkampf-Olympiasieger Christian Schenk und der ehemalige Hallenweltmeister im Siebenkampf André Niklaus belegten Platz drei. „Diesmal lief es besser als jemals zuvor“, schwärmte Niklaus. „Ein tolles Turnier, das jedes Mal wieder schön ist.“ Axel Schulz dagegen war weniger zufrieden mit sich. „Es hat wieder einmal sehr viel Spaß gemacht. Nur mein Spiel, das macht keinen Spaß“, sagte der ehemalige Boxprofi, grinste und genoss ein Getränk auf der Terrasse des Klubhauses. Er hatte Platz 15 belegt. Im nächsten Jahr will er wieder besser abschneiden.