Eishockey

Auf die harte Tour

In Nürnberg hat Eisbären-Trainer Tomlinson vergangene Saison trotz seines Rauswurfs viel gelernt

Eine ganze Saison in Nürnberg war offenbar nicht genug, um Casey Borer zu einem sicheren Führer zu machen. Zumindest hat er in dieser Zeit den Bahnhof offenbar nicht besonders häufig gesehen, denn seinen neuen Kollegen vom EHC Eisbären konnte er den Weg von den Gleisen zur Bushaltestelle nicht zeigen.

Schlimm war das nicht, schließlich steckt im Titelverteidiger der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) noch viel mehr Nürnberg als nur die Erfahrung des US-amerikanischen Verteidigers. Christoph Kabitzky etwa wurde in der Franken-Metropole geboren. Er gehört zu den jungen Spielern, die unter dem neuen Trainer Jeff Tomlinson verstärkt Einsatzchancen bekommen. „Ihm war deutlich anzusehen, wie sehr er sich gefreut hat, als ich ihm gesagt habe, dass er am Wochenende mit uns unterwegs ist und in Nürnberg spielen wird“, sagt Tomlinson über den 19-jährigen Stürmer. Auch Angreifer Daniel Weiß verbrachte den Großteil der Vorsaison als Leihgabe bei den Ice Tigers. Auf Betreiben von Tomlinson übrigens, der die vorangegangene Spielzeit dort als Cheftrainer begann – jedoch nicht beendete.

Sein Start war damals gut in Nürnberg, Tomlinsons Beginn in Berlin ist es auch. Obwohl es am Freitag im dritten Spiel die erste Niederlage gab, beim Tabellenführer Krefeld unterlag der EHC 0:2. „Wir haben zu viele individuelle Fehler gemacht“, so Tomlinson: „Wir müssen mehr laufen und mehr für unser Spiel tun.“ Für Borer war es die erste DEL-Partie im EHC-Trikot, wegen Rückenproblemen fehlte er zuvor.

Borer muss sich eingewöhnen

Ganz unzufrieden war er nicht mit seinem Debüt. „Aber wir müssen noch an kleinen Dingen arbeiten“, sagt er. In Krefeld brachten die Berliner nicht genügend Tempo in ihr Spiel. An das muss sich der 28-Jährige ohnehin noch gewöhnen. „Ich muss mich an alles anpassen und mich einspielen in dieser Mannschaft“, sagt Borer. In Nürnberg gelang ihm das bei seiner ersten Saison in der DEL auf Anhieb. Er wurde mit 29 Punkten (11 Tore/18 Vorlagen) drittbester Verteidiger der Liga. Beim EHC hätte er die interne Punkteliste der Defensivabteilung damit angeführt. In Berlin soll der Profi, der 16-mal in der nordamerikanischen NHL für die Carolina Hurricanes aufgelaufen ist, nun für mehr Gefahr von der Blauen Linie sorgen.

In Krefeld wurde die generell vermisst. In Nürnberg sollte sich das ändern, denn die Ice Tigers sind neben den Pinguinen die einzige noch ungeschlagene Mannschaft in der DEL. Für Tomlinson war Nürnberg die zweite Cheftrainer-Station, nachdem er zuvor für zwei Jahre in Düsseldorf gearbeitet hatte. Dort lief alles gut, Nürnberg aber hielt ganz andere Erfahrungen bereit. „Da spielen die Emotionen eine zu große Rolle“, sagt Tomlinson. Nach Siegen herrschte Euphorie, nach Niederlagen wurde der Ton seitens der Klubspitze sehr rau. Vor allem gegenüber dem Trainer. Aber Jeff Tomlinson hat das alles hinter sich gelassen, es ist kein Problem mehr für den 43-jährigen Deutsch-Kanadier.

Für die Entwicklung eines Coaches muss so etwas ja nicht hinderlich sein. „Ich habe auch Fehler gemacht, insgesamt konnte ich viel lernen“, sagt Tomlinson. Sein Engagement bei den Eisbären hat er nicht als jemand angetreten, der bislang nicht viel erlebt hat. Insofern kann gerade Nürnberg eine gute Vorbereitung sein für die Aufgabe beim Serienmeister, bei dem alles in viel größerem Maße und viel eher hinterfragt wird als bei anderen Klubs. Auf dass er länger durchhält als nur bis Dezember, so wie vergangenes Jahr bei den Ice Tigers.