Bundesliga

Münchner Oktoberfest auf Schalke

Bayern feiern zum Wiesn-Start ein 4:0 in Gelsenkirchen und schließen zu Borussia Dortmund auf

Die Resultate der Konkurrenz hatten die Münchner im Bus auf dem Weg zum Schalker Stadion vernommen. Insbesondere das aus Nürnberg dürfte sie interessiert haben. „Wir haben es registriert“, sagte Bayerns Sportdirektor Matthias Sammer, was ein wenig zu beiläufig klang für jenes 1:1, den ersten Punktverlust der Dortmunder in dieser Saison. Natürlich wussten die Münchner um die Chance, die sich ihnen dadurch am Sonnabendabend bot – und die sie sich nicht entgehen ließen.

4:0 (2:0) gewann der FC Bayern beim FC Schalke 04. Es war das 31. ungeschlagene Ligaspiel nacheinander für die Münchner, die sich auch zum Wiesn-Start im Trachten-Outfit präsentierten. Es war ein auch in der Höhe verdienter Sieg. Nur noch aufgrund der weniger geschossenen Tore sind sie hinter Tabellenführer Dortmund platziert. „Ich bin sehr zufrieden. Wir haben das Spiel komplett dominiert. Wir haben das sehr gut gemacht“, lobte Trainer Pep Guardiola, der sich im zehnten Pflichtspiel für die neunte unterschiedliche Aufstellung entschied. Diesmal saß Thomas Müller auf der Bank, stattdessen stand der genesene Bastian Schweinsteiger wieder in der Startelf. Auch Schalkes Trainer Jens Keller hatte seine Mannschaft auf einer Position umgestellt und mit der Hereinnahme von Jermaine Jones gleich gezeigt, dass es ihm um Robustheit in der Zentrale ging.

Die Schalker jedenfalls kamen etwas besser ins Spiel, mit dem ersten Achtungszeichen von Kevin-Prince Boateng, der aus 25 Metern einfach abzog, aber Münchens Torwart Manuel Neuer nicht wirklich in Bedrängnis brachte (6.).

Jerome besiegt Kevin Boateng

Überhaupt Boateng: Das im Vorfeld so hoch gejazzte Bruderduell war lediglich eine Randgeschichte des Spiels. Bayerns Verteidiger Jerome Boateng gegen Schalkes Offensivmann Kevin-Prince Boateng. Seine Verpflichtung vor drei Wochen schien einem ganzen Klub das abhandengekommene Selbstbewusstsein wiederzugeben. Gegen die Bayern aber konnte auch Boateng herzlich wenig ausrichten, letztlich waren die Schalker chancenlos. Dabei gehörte ihnen die erste Tormöglichkeit. In der 17. Minute war Jefferson Farfan schneller als Bayern-Verteidiger Dante, er flankte präzise in den Fünfer. Dort aber kam Adam Szalai nicht entscheidend zum Abschluss.

Bis dahin lief es gut für die Schalker, es war ein intensives Spiel, ein Duell auf Augenhöhe. Doch die Euphorie der Gastgeber verflog innerhalb von nur zwei Minuten. Eine Ecke von Arjen Robben segelte perfekt in den Strafraum, Jones ließ Schweinsteiger viel zu viel Platz. Der deutsche Nationalspieler sagte Danke und köpfte zu seinem ersten Saisontor ein (21.). Eine Sequenz später war dann die Schalker Abwehr gänzlich überfordert. Es war ein hübsch vorgetragener Angriff der Münchner, initiiert von Franck Ribery, der David Alaba schickte. Der Österreicher flankte in die Mitte. Dort war Mario Mandzukic zur Stelle, auch weil ihm Schalkes Innenverteidiger Joel Matip alle Zeit der Welt ließ. Torhüter Timo Hildebrand flog am Ball vorbei, Kapitän Benedikt Höwedes konnte auf der Linie auch nicht retten – 2:0 (22.).

Die beiden Treffer waren der Knackpunkt der Partie. „Von diesem Doppelschlag hat sich die Mannschaft nicht mehr erholt“, sagte Trainer Jens Keller. Die Schalker waren danach völlig von der Rolle. Kaum mehr ein vernünftig vorgetragener Angriff, stattdessen Verunsicherung und Fehlpässe. Die Bayern dominierten nach Belieben, hatten zur Halbzeit 70 Prozent Ballbesitz - und das bei einem Auswärtsspiel. Und Schalke? Die Brüder Boateng tauschten zur Pause das Trikot, das war noch die auffälligste Szene von Kevin-Prince vor der Pause. Von Jungstar Julian Draxler war so gut wie gar nichts zu sehen. So machten die Bayern nach der Pause da weiter, wo sie nach 45 Minuten aufgehört hatten.

Höwedes sieht Klassenunterschied

Schalke mühte sich zwar. Allein mehr als ein Kopfball und ein Schuss von Boateng (60., 70.) und eine Flanke von Farfan (66.) waren nicht nennenswert. „Heute war der Klassenunterschied vor allem in der zweiten Halbzeit einfach zu groß“, sagte Kapitän Höwedes. In der 75. Minute schob Ribery zum 3:0 ein. Neun Minuten später traf der eingewechselte Claudio Pizarro nach Pass des ebenfalls eingewechselten Müller zum Endstand.

„Wir steigern uns von Spiel zu Spiel, hatten viel Ballbesitz und haben den Ball sehr gut laufen lassen“, sagte Jerome Boateng. Ob er seinen Bruder trösten müsse, wurde er noch gefragt. „Nein, nein“, antwortete Boateng. Trösten müsse er ihn nicht. Und in den nun kommenden Spielen „darf Schalke auch gerne wieder gewinnen“.