Serie A

Inter Mailand vor Verkauf an Investor aus Indonesien

Massimo Moratti tritt nach 18 Jahren als Präsident zurück

Inter Mailand stellt am Wochenende mit dem 2700. Spiel in der italienischen Serie A einen Rekord auf – doch nur die wenigsten Tifosi haben das bislang wahrgenommen. Der bevorstehende Verkauf der Mehrheitsanteile an einen indonesischen Medienmagnaten und der damit verbundene Rücktritt des langjährigen Klub-Präsidenten Massimo Moratti bestimmten in den vergangenen Tagen die Schlagzeilen.

Im Verein sieht man die Übernahme durch den finanzkräftigen Ausländer Erick Thohir als unumgänglich an, will der ehemalige Champions-League-Sieger auch weiter im Konzert der Großen mitspielen. Selbst viele Fans nehmen die Entscheidung pragmatisch hin, auch wenn sie in Moratti den größten noch verbliebenen Identifikationsfaktor verlieren würden. Sie sind nichts anderes gewohnt, im aktuellen Kader stehen nur noch drei italienische Profis.

„Wir haben Spieler, die 100 Millionen Euro kosten. Wir müssen uns rüsten, damit Inter auf einem bestimmten Niveau bleibt“, sagte Moratti und verteidigte seinen Deal mit Thohir, der in den kommenden Wochen endgültig unter Dach und Fach gebracht werden soll. Nach der Vertragsunterschrift werde er von seinem Amt zurücktreten, verriet Moratti, der 18 Jahre an der Spitze des 18-maligen Meisters stand. Seine Familienmitglieder mit einem Sitz im Klubvorstand könnten diesen jedoch behalten.

Angebot über 280 Millionen Euro

Thohir, der aus einer der reichsten Familien Indonesiens stammt, wird 70 Prozent der Klub-Anteile übernehmen. Über den endgültigen Preis ist offiziell noch nichts bekannt. Zu Beginn der langen Verhandlungen hatte Thohir als Kopf einer milliardenschweren Investoren-Gruppe angeblich 280 Millionen Euro für sämtliche Aktien sowie die Übernahme der gut 400 Millionen Euro Verbindlichkeiten geboten.

Von dem Mega-Deal erhofft sich Moratti frisches Geld für den Bau eines neuen Stadions, das Inter im internationalen Vergleich wirtschaftlich wieder konkurrenzfähig machen soll. Seit dem Gewinn der Champions League 2010 mit Startrainer José Mourinho befinden sich die Schwarz-Blauen sportlich auf dem absteigenden Ast, was auch an Morattis Sparkurs liegt.

Die Spekulationen über die Übernahme überschatteten die Vorbereitung auf das Ligaspiel am Sonntag bei Aufsteiger Sassuolo Calcio. „In den vergangenen Tagen ist wenig über Fußball gesprochen worden. Am Sonntag haben wir ein wichtiges Spiel, nur das zählt im Moment“, sagte Moratti.

Italienische Fußballfans sind es gewohnt, dass ihre Klubs vom Wohlwollen reicher Magnaten abhängen. Angesichts der Wirtschaftskrise sind die italienischen Eigner aber zunehmend gewillt, Anteile an ausländische Interessenten abzugeben. Erst der AS Rom, jetzt Inter Mailand, und beim AC Mailand kursieren seit Monaten die Gerüchte, Silvio Berlusconi werde bald Anteile an Arabische Investoren verkaufen.