Motorsport

Rossis kleiner Bruder stürzt beim WM-Debüt nach 13 Sekunden

Nur die Sonnenbrille verbarg die Enttäuschung.

Valentino Rossi, mit neun WM-Titeln und 106 Siegen in Weltmeisterschaftsrennen der erfolgreichste aktive Motorrad-Profi, durfte sich exakt 13 Sekunden lang an der WM-Premiere seines Halbbruders Luca Marini erfreuen. Dann stürzte der 16 Jahre alte Debütant – ausgerechnet beim Heim-Grand-Prix in Misano, eine halbe Stunde entfernt von Tavullia. Kleiner Trost: Ein gelbes Fahnenmeer inmitten der fast 60.000 Zuschauer zeigte dem „Kleinen“, als der sich dann wieder aufgerappelt hatte, die Sympathie der Tifosi.

In der 4500-Seelen-Gemeinde bei Urbino schlägt das Herz der Rossis/Marinis. Valentino, mittlerweile 34 Jahre alt und Sohn des ewigen „Enfant terrible“ Graziano Rossi, der 1979 selbst drei WM-Rennen gewinnen konnte, hat sich dort nicht nur eine schmucke Villa sondern auch eine Motocross-Trainingsstrecke gebaut. Dort kümmerte er sich in den letzten sechs Monaten geradezu rührend um seinen Halbbruder. Luca ist der Sohn von Valentinos Mutter Stefania und dem römischen Psychologen Massimo Marini, ihrem zweiten Mann.

Fußball als Leidenschaft

„Es war klar, dass Luca sich qualifizieren musste. Ich glaube schon, dass ich auch ein bisschen Druck auf ihn ausgeübt habe“, ließ Rossi mit vielsagendem Lächeln wissen, als nach einem Sieg in der italienischen Meisterschaft in Mugello feststand, dass Luca eine Wildcard für den WM-Auftritt in Misano erhalten würde. „Die Jungs sind ein wenig verrückt“, beschrieb Stefania Marini das Treiben bis zur WM-Premiere ihres jüngeren Sohnes. Und Luca?

„Valentino hat mir zuletzt sehr geholfen. Wir hatten immer guten Kontakt. Aber erst jetzt, wo ich älter bin, können wir auch etwas zusammen unternehmen. Wir können auch gut miteinander reden. Nur nicht über Fußball. Er liebt Inter (Inter Mailand) und ich die Roma (AS Rom)“, lacht der 16-Jährige. Dabei ist Luca Marini nach Aussage seines Teamchefs Alessio Aldrovandi, 28, eher ein ruhiger, analytischer Zeitgenosse: „Valentino ist wie sein Vater Graziano, Luca ist einer, der sich bei einem verregneten Testtag in seine Physikbücher vertiefen kann.“ Ingenieur steht momentan als Berufswunsch bei „Rossi II“ auch noch vor Profi-Rennfahrer. Sollte Valentino Rossi aber doch noch ein eigenes WM-Team gründen, könnte sich daran noch einiges ändern. Immerhin ist Luca Marini in der stark besetzten Moto3-Klasse der italienischen Meisterschaft Zweiter – mit durchaus intakten Titelchancen.

Titelchancen in der Königsklasse MotoGP hat Valentino Rossi nicht mehr, die Fans in Misano feierten seinen vierten Platz beim Heimrennen dennoch frenetisch. Ungeachtet der Tatsache, dass sich mit dem spanischen Sieger Jorge Lorenzio (wie Rossi auf einer Yamaha) und dem spanischen Honda-Duo Marc Marquez und Dani Pedrosa drei Protagonisten im Starterfeld aufhalten, die Rossis Glanzzeiten beendet haben. Hinter den großen Vier war Stefan Bradl als Fünfter auf seiner Honda der beste Privatfahrer.

„Ich wollte eigentlich aufs Podest klettern, aber die Jungs waren zu schnell. Für Luca tut es mir leid, aber wir werden trotzdem zu Hause ein schönes Fest feiern“, lenkte Rossi die Stimmung in Richtung gute Laune.

Davon konnte bei Jonas Folger gar keine Rede sein. Der 20-jährige Wahl-Spanier, von Startplatz eins aus ins Rennen gegangen, brach sich bei einem Sturz in der dritten Runde das linke Sprunggelenk. Zudem erlitt der KTM-Pilot, der am Montag in Barcelona operiert werden soll, durch den harten Aufprall eine schmerzhafte Schulterblessur. Hinter seinem Start in 14 Tagen in Aragon/Spanien steht ein Fragezeichen.

Nicht ganz so folgenschwer erwischte es Sandro Cortese. Der in die Moto2 aufgestiegene Moto3-Weltmeister aus Berkheim, der sich erst vor drei Wochen den rechten Arm gebrochen hatte, rutschte in der neunten Runde von der Strecke. Glück im Unglück: Der 23-jährige Schwabe blieb zwar punktelos, aber wenigstens unverletzt.