Eishockey

Der frechere Bruder gewinnt

Beim turbulenten 7:5-Erfolg der Eisbären gegen Iserlohn kommt es zum Wiedersehen zwischen Travis James und Tyson Mulock

Doug Mason sah entspannt aus. Er lächelte, er scherzte, er erzählte viel, obwohl er noch gar nicht musste – so kennt man den sympathischen Holland-Kanadier. Oft versteckt der Eishockeytrainer dahinter auch seinen Frust über eine Niederlage, und da er die Iserlohn Roosters betreut, sind Misserfolge häufiger als Siege. Auch diesmal, im zweiten Saisonspiel in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) beim EHC Eisbären, unterlag Mason. Doch er wirkte noch fröhlicher als sonst, und diese Fröhlichkeit schien noch mehr von Herzen zu kommen als sonst. „Ich habe dieses Spiel genossen“, sagte er nach dem 7:5 (3:4, 2:0, 2:1) der Berliner.

Natürlich war er nicht zufrieden mit den vielen Gegentoren, hauptsächlich freute er sich jedoch darüber, dass er endlich über eine Mannschaft verfügt, die selbst viele Tore schießen kann. In Iserlohn ist das nicht selbstverständlich. In Berlin dagegen schon, die Eisbären treffen immer viel. Sie bekommen auch viele Gegentore, insofern unterscheidet sich das erste Wochenende unter dem neuen Trainer Jeff Tomlinson noch nicht allzu sehr von früheren unter Don Jackson. Obwohl das Senken der Gegentorquote ein wichtiges Ziel ist. „Wir sind noch nicht da, wo wir sein wollen“, bilanzierte Tomlinson die ersten beiden Partien. Immerhin wurden beide gewonnen, und sechs Punkte zum Ligaauftakt gab es zuletzt 2008. Der Start des neuen Mannes an der Bande ist also geglückt. Mit dem Sieg vor 13.100 Zuschauern beim Heimdebüt gelang zudem ein später Ausgleich. Allerdings in einem Duell privater Natur. Zum ersten Mal seit zehn Jahren standen sich Travis James Mulock und Tyson Mulock in einem Punktspiel gegenüber. Irgendwo in der kanadischen Provinz war das damals, als die beiden Brüder noch in Nachwuchsmannschaften darum kämpften, später einmal professionelle Sportler zu werden.

Alle beide haben es geschafft, ihr Weg führte beide auch nach Berlin zum EHC Eisbären. Die vergangenen vier Jahre spielten sie gemeinsam hier, wurden zuletzt dreimal Deutscher Meister. Im Sommer wechselte Tyson dann nach Iserlohn. „Das war für mich jetzt schon das heißeste Spiel des Jahres“, sagte Travis. Dass er die Niederlage von einst jetzt mit den Eisbären gutmachen konnte, lag in gewisser Weise auch an seinem Bruder Tyson.

Travis folgte Tyson nach Berlin

Der ist ins Sauerland gegangen, um dort die Position eines Führungsspielers zu bekleiden. Jemand, der insgesamt fünf Titel mit dem EHC gewann, scheint dafür prädestiniert. Allerdings war der 30-Jährige in Berlin nie jemand, der den Ton angab. Tyson füllte eine Nebenrolle aus, zeigte seine Qualitäten im Überzahlspiel und hatte jedes Jahr im Play-off einen dieser Treffer parat, die Spiele drehen oder vorentscheiden. Deshalb durfte er trotz seiner technischen Limitiertheit sechs Jahre in der Hauptstadt bleiben, wobei die Verlängerung der Verträge zuletzt immer eine wacklige Angelegenheit war.

Aber ihm hatten es die Eisbären eben ein Stück weit zu verdanken, dass Travis zwei Jahre nach Tyson ebenfalls nach Berlin wechselte. Genau wie sein Bruder tingelte auch der 28-Jährige zuvor über die Dörfer, fing erst in der Dritten Liga an, schaffte dann den Sprung in die Zweite, um schließlich in der DEL zu landen. Dabei war der jüngere immer der begabtere der beiden Deutsch-Kanadier, wurde zu einer wichtigen Stütze im EHC-Spiel und entwickelte sich sogar zum Nationalspieler sowie Olympiateilnehmer. Gerissener ist er obendrein.

Travis grinste schelmisch, als er nach dem Spiel schwitzend vor der Kabine stand. „Ich fühle mich ein bisschen schlecht deswegen“, sagte er. Mit einem Tor führten die Berliner in einer Partie, in der es anfangs drunter und drüber ging. Ein Treffer folgte auf den anderen, weil die Defensivaufgaben völlig ungenügend erledigt wurden. Sieben Tore im ersten Drittel fallen nicht oft im Eishockey. „Danach sind wir besser in die Zweikämpfe gekommen und haben bessere Entscheidungen getroffen“, so Tomlinson. Eine davon war, dass Travis in Überzahl bei einem Zweikampf listig am Stock seines Bruders zog. „Ich bin dann auf Travis gefallen und die Schiedsrichter haben mich auf die Strafbank geschickt. Das war blöd“, sagte Tyson. Plötzlich spielten die Berliner mit zwei Mann mehr. „Das hat uns geholfen, dass Spiel zu gewinnen“, so Travis. Denn Florian Busch erzielte das 6:4 (42.) für die Eisbären, bei denen Darin Olver (1.), Jens Baxmann (5.), André Rankel (13.), Daniel Weiß (23.), Julian Talbot (35.) und Laurin Braun (60.) die weiteren Tore schossen. Auch Iserlohns Trainer Mason fand, dass die Situation spielentscheidend war. „Travis hat sich anschließend entschuldigt. So was passiert“, erzählte Tyson und versuchte zu lächeln. In den Familienarchiven wird diese Episode sicher noch lange zu den Favoriten gehören.