Bundesliga

Unbeliebt, unerwünscht – und dennoch immer da

Die Bundesliga steht in dieser Saison vor einem unschönen Jubiläum: 998-mal gab es bisher Spiele ohne Torjubel

Bei der Deutschen Fußball Liga halten sie sich bedeckt. Nein, es gibt nichts zu sagen zu einer Feier, die nicht stattfinden wird. Dabei feiern sie sich und ihre Bundesliga nur allzu gern. Jetzt aber haben sie ausgefeiert, und wir können sogar verstehen, dass das große Jubiläum, das den Fußballfans nun bevorsteht, ignoriert wird. Denn Zeit und Ort des Ereignisses sind völlig ungewiss, und das ist das Problem bei diesem Jubiläum. Es kann praktisch immer und überall passieren – wie schon 998 Mal seit dem Bundesligastart am 24. August 1963.

Das 0:0, das unbeliebteste aller Fußballergebnisse, begeht ein Jubiläum: 1000-mal kein Torjubel! Es ist nur eine Frage von Tagen oder Wochen. Grund genug, der Nullnummer genauer auf den Grund zu gehen.

Das Ergebnis, das jeder Verein und vor allem jeder Fußballanhänger verschmäht, steht am häufigsten auf der Anzeigetafel – denn jede Partie beginnt nun mal bei 0:0. 22 Spieler versuchen dann in 90 Minuten, es zu vertreiben. Mit wechselndem Erfolg.

In den ewigen Ergebnislisten der Liga steht der Torverzicht auf dem fünften Platz, und nur das 1:1 kommt als Remis häufiger vor. An den allerersten sechs Spieltagen der Liga kamen die Klubs ihrer Unterhaltungspflicht noch nach, dann ereignete sich im Waldstadion der Frankfurter Eintracht der Sündenfall – 0:0 gegen den VfB Stuttgart. Seit diesem Oktober-Tag 1963 nullen sie ungeniert, der gute Ruf war schließlich ruiniert.

20 Mal pro Saison finden solche Spiele statt. Mögen Fachleute auch gern mal von „einem 0:0 der besseren Sorte“ schwärmen. Aus dem Mund eines Stehplatzbesuchers war so etwas garantiert noch nie zu hören. Der kommt, um den Ball in die Maschen fliegen zu sehen und Tore zu bejubeln. Dann lieber ein 3:4! Ein 0:0 ist kein Beitrag, das sei unseren kickenden Millionären, die dafür auch noch eine Punktprämie kriegen, ruhig ans Herz gelegt. Weshalb die Stimmung am 27. Februar 1999 unterirdisch gewesen sein muss – da gab es gleich fünf 0:0!

Werder Bremen – jawohl – hat die längste Zeit für Hurra-Fußball gestanden angesichts dieser Fakten: 115 Nullnummern stehen in den Annalen, da kommt kein anderen Verein im deutschen Oberhaus mit. Es folgt der Hamburger SV (111), der schon immer in der Bundesliga dabei war. Rekordmeister FC Bayern (88) hält sich aus diesem Titelrennen ausnahmsweise heraus. Letztmals hat er seinen Fans im April 2012 ein 0:0 (gegen Mainz 05) angetan – vor 38 Spielen.

Noch ein Mythos gerät ins Wanken. Von Generation zu Generation wird weitergegeben, dass die Gladbacher Borussen stürmen, wo sie auch hinkamen, weshalb sie „Die Fohlen“ heißen. Aber ihr zweithäufigstes Resultat war natürlich ein – 0:0 (98 Mal!). Skandalös, dass dieser Etikettenschwindel bisher nicht bemerkt wurde. Die meisten Catenaccio-Kicks fielen allerdings in die Neuzeit. In der Saison 1972/1973 etwa gab es insgesamt nur elf Nullnummern. Der Tiefpunkt, ein gefühlter Höhepunkt, fiel kurioserweise ins Jahr, als die wenigsten Zuschauer in die Bundesligastadien strömten.

Und wann gab es die meisten? 1989/1990 wurden die Zuschauer 33 Mal auf Nulldiät gesetzt. Dann kam die Ost-Erweiterung der Bundesliga, da waren es 1991/1992 sogar 35 – dabei muss aber berücksichtigt werden, dass es auch fast 80 Spiele mehr gab. Relativ gesehen, bleibt die Spielzeit 1989/1990 mit 10,8 Prozent Nullnummern die Saison, die sich am meisten schämen muss. An deren Ende wurde Deutschland übrigens zum letzten Mal Fußball-Weltmeister. Jetzt bloß nichts Falsches daraus schließen.