Eishockey

Unberechenbarkeit als Trumpf

Gegen Ingolstadt startet Titelverteidiger EHC Eisbären heute in die neue DEL-Saison

Pucks einsammeln ist was für Anfänger. Überall. Wer als junger Spieler neu dazukommt, weiß, dass das erst mal zu seinen zentralen Aufgaben zählt. Jeden Tag. Der Mann, der beim Abschlusstraining des Titelverteidigers der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) den Eimer mit den Spielgeräten vom Eis trug, war aber weder jung noch neu, sondern siebenmaliger Meister. Florian Busch, Stürmer des EHC Eisbären, nimmt es nicht so genau mit Konventionen. Da kann schon mal eine Rolle vertauscht werden.

Wenn am Freitag die Saison in der DEL mit dem Spiel beim ERC Ingolstadt für den Meister beginnt (19.30 Uhr, ServusTV), werden viele Profis beim EHC ihre Wandlungsfähigkeit zeigen müssen. Der alte Erfolgstrainer ist weg, Don Jacksons Nachfolger will ein paar Dinge anders machen. „Ich würde das Feintuning nennen“, sagt Kapitän André Rankel zu dem, was Trainer Jeff Tomlinson vorhat. Der Stil soll sich nicht grundsätzlich verändern. „Wir werden weiter den Puck jagen“, so Tomlinson. Nur soll es in der Abwehr nicht mehr so großzügig zugehen wie bisher.

Das verlangt den Spielern viel ab, die Vorbereitung lief schlecht. Und schon unken sie in der Liga. Wolfsburgs Trainer Pavel Gross sieht einen „Machtwechsel“ kommen: „Der beste Trainer der vergangenen fünf Jahre, Don Jackson, hat die DEL verlassen. Berlin holt den Titel nicht. Köln, Mannheim oder Hamburg sind dran.“ Auf jeden Fall ist eine Ära in Berlin zu Ende gegangen mit Jacksons Wechsel nach Salzburg, wohin der Weg der Eisbären nun führt, wird eine der spannendsten Fragen der Saison.

Mit der Mannschaft blieb sich Manager Peter John Lee treu, er tauschte nur wenige Spieler aus, die Zugänge sollten gerade in der Abwehr die Abgänge qualitativ mehr als aufwiegen. Der zwischenzeitliche Rückzug von Constantin Braun (Depression) schmerzt jedoch. Zudem wurde im Angriff vor allem auf Nachwuchsspieler gesetzt, um die drei Abgänge zu kompensieren. Junge Spieler wieder mehr einzubinden als Jackson, ist ja Tomlinsons erklärtes Ziel. Deren Qualität aber, das zeigte die European Trophy, reicht noch nicht, um voll in der DEL eingesetzt zu werden. Daher wurde mit dem Deutsch-Kanadier Kris Sparre, 26, kurzfristig noch erfahrener Ersatz eingekauft.

Komplett handlungsfähig sind die Berliner trotzdem nicht, Matt Foy (sechs Wochen Pause wegen eines Syndesmoseband-Risses), Mads Christensen (Schultereckgelenksprengung) und Casey Borer (Rückenprellung) fehlen. Die Gewöhnungsphase an Tomlinsons Feinheiten ist ebenso noch in vollem Gange. „Das ist wie ein Puzzle, das man zusammensetzen muss“, sagt Verteidiger Jens Baxmann und glaubt, dass alle das unter Jackson Bewährte zurücklassen sollten: „Jeder muss aus der Routine rauskommen und sich öffnen für etwas Neues.“

Er und Rankel sehen Potenzial darin, was der Trainer anstrebt mit seiner größeren Verantwortung für die Defensive. „Wir wollen uns als Mannschaft weiterentwickeln und nicht immer dasselbe machen“, erzählt der Kapitän. Wenn sich erst einmal alle mit den Neuerungen arrangiert haben, „klappt unser Spiel vielleicht sogar noch besser“, sagt Baxmann. Außerdem hätten sich alle in der Liga längst eingestellt auf das alte Spiel der Berliner, weshalb es zuletzt immer schwieriger geworden sei zu gewinnen. Insofern sind die Neuerungen bei den Eisbären nicht nur einer Herausforderung für die eigenen Spieler, sondern auch für die des Gegners.