Sicherheit

Kein Polizeischutz auf Schalke

Der Bundesligist soll künftig selbst für die Sicherheit der Fans sorgen. Die Entscheidung sorgt für Empörung

Der Streit um den harten Polizei-Einsatz im Fanblock beim Europacup-Spiel des FC Schalke gegen PAOK Saloniki eskaliert. Die Polizei will sich aus der Arena des Fußball-Bundesligisten zurückziehen und die Ordnungskräfte des Vereins künftig nur noch auf Anforderung unterstützen. Das kündigte Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger in einer Sitzung des Landtags-Innenausschusses in Düsseldorf an. Es sei in Zukunft allein Sache des Vereins, für Sicherheit zu sorgen. Die Polizei werde außerhalb des Stadions in ausreichender Stärke bereitstehen, um in Notsituationen eingreifen zu können, teilte Jäger mit. Der Vorstoß des SPD-Politikers ist eine brisante Reaktion auf die scharfe Kritik der Vereinsführung nach dem Einsatz der Polizei vom 21. August.

Schalkes Sportdirektor Horst Heldt reagierte überrascht auf Jägers Ankündigung. „Ich habe davon offiziell noch nichts erfahren, ich kann es mir aber auch nicht vorstellen“, sagte er während der Pressekonferenz vor dem Liga-Spiel beim FSV Mainz (Sonnabend/15.30 Uhr). Jan-Henrik Gruszecki, der Sprecher der Fan-Initiative „12:12“, kritisierte den Innenminister von NRW. „Jäger war doch ziemlich unsouverän, hat sich vom Polit-Hooligan zum Kleinkind verwandelt, dem man offenbar seine Schippe weggenommen hat“, sagte Gruszecki „Sport1“.

Tagesordnungspunkt Nummer 13 der Innenausschuss-Sitzung waren die Ereignisse des 21. August, an dem Beamte während des Hinspiels des Play-off zur Champions League gegen Saloniki (1:1) mit Schlagstöcken und unter Einsatz von Pfefferspray in den Schalker Block eingedrungen waren. 80 Personen mussten sich anschließend in ärztliche Behandlung begeben. Zur Begründung hatte die Polizei erklärt, die Anhänger des griechischen Vize-Meisters hätten sich durch eine mazedonische Fahne im Schalke-Block „als Volksgruppe beleidigt und erheblich verunglimpft“ gefühlt. Vereinsvertreter bezeichneten den Einsatz als „völlig unverhältnismäßig“.

Laut offiziellem Polizeibericht, der den Mitgliedern des Innenausschusses auf FDP-Anfrage übersendet wurde, sind bei dem Vorfall vor drei Wochen auch „Helfer und friedliche Fans durch den Polizeieinsatz gegen Gewalttäter von dem eingesetzten Pfefferspray getroffen“ worden, was das Ministerium für Inneres „sehr bedauert“. Die Deutsche Polizeigewerkschaft begrüßt Jägers Vorstoß. „Das ist die logische und richtige Konsequenz aus dem Verhalten der Schalker Verantwortlichen“, sagte der DPolG-Bundesvorsitzende Rainer Wendt. „Die Polizei wird natürlich weiter ihren gesetzlichen Auftrag erfüllen, erwartet aber von Schalke 04 höhere Anstrengungen, um die Sicherheit selbst zu gewährleisten.“ Der Mainzer Manager Christian Heidel dagegen kann sich „nicht vorstellen“, dass ein Rückzug der Polizeikräfte überhaupt möglich ist. „Ich bin mir auch sicher, dass es nicht so kommen wird. Es ist der Auftrag der Polizei, bei Großveranstaltungen vor Ort zu sein. Dafür zahlen die Vereine auch sehr viele Steuern.“

Weder der Deutsche Fußball-Bund (DFB) noch die Deutsche Fußball Liga (DFL) wollten die Ankündigung kommentieren, das Schalker Stadion zukünftig als eine Art rechtsfreien Raum auszurufen. DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock will das Thema aber heute auf der Sportministerkonferenz in Wiesbaden zur Sprache bringen.