Hertha BSC

Luhukay lässt Ronny zappeln

Herthas Trainer muss einen neuen Spielmacher benennen, zögert aber noch mit einem Bekenntnis zum Brasilianer

Die Übung gehört nicht zu den Favoriten von Ronny. Doch eingerahmt von Adrian Ramos auf der rechten Seite und Ben Sahar auf der linken sprintete Herthas Brasilianer ein ums andere Mal den Trainingsplatz herunter und wieder hinauf. 90 Meter in 15 Sekunden lautete die Aufgabe, Co-Trainer Markus Gellhaus stand in der Mitte und zählte unerbittlich die Zeit herunter. Kondition bolzen für den nächsten Spieltag.

Eine gute halbe Stunde später lag der Schenckendorff-Platz verlassen da. Die meisten Profis hatten nach dem Duschen längst das Trainingsgelände in ihren Wagen verlassen. Nur einer dribbelte über den Platz und schoss aus 20, 25 Metern aufs leere Tor. Wieder und wieder. Es dauerte knapp 40 Minuten, bis Tolga Cigerci das Ballnetz schulterte und seine Zusatzschicht beendete.

Hertha schaut auf Ronny und Cigerci, den Last-Minute-Leihspieler vom VfL Wolfsburg. Und beide ziehen derzeit voll durch. Am Freitag, wenn es ab 20.30 Uhr im Olympiastadion gegen den VfB Stuttgart geht, muss Alexander Baumjohann ersetzt werden. Der Spielmacher wird heute in Augsburg am gerissenen Kreuzband operiert. Als Nachrücker kommen fünf, sechs Profis in Frage. Doch gestern legte sich Trainer Jos Luhukay fest: „Die Baumjohann-Position übernimmt Ronny oder Cigerci.“

Aus dem Rennen sind damit Änis Ben-Hatira, Sandro Wagner und Sami Allagui. „Ja, sie hätten Alternativen sein können“, sagte Luhukay, legte sich jedoch auf Ronny und Cigerci fest. Der Ex-Wolfsburger begründete sein Extratraining damit, „dass es immer etwas zu verbessern gibt“. Cigerci trainiert seit gut einer Woche bei Hertha mit. „Jetzt sind auch die meisten Nationalspieler zurückgekommen“, sagte Cigerci, „so kurz, wie ich dabei bin, kann noch nicht alles zu 100 Prozent funktionieren.“ Bei der Frage, ob er am Freitag in der Startelf steht, hielt sich Cigerci zurück: „Ich würde mich natürlich freuen. Aber das entscheidet der Trainer.“ Der lobte lobte seinen neuen Mittelfeldspieler: „Tolga ist ballsicher und ruhig“, sagte Luhukay. „Er hat eine gute Übersicht.“

All das sind Qualitäten, die ein Spielmacher braucht. Und der Trainer nannte Eigenschaften, die auch Herthas Sorgenkind Ronny in der vergangenen Saison mehrfach gezeigt hat. Doch der Topscorer der Zweiten Liga (18 Tore und 14 Vorlagen) ist immer noch nicht recht in der ersten Liga angekommen. In den ersten vier Saisonpartien war Ronny nur der Mann für die letzten 25 Minuten, wenn der Gegner müde war.

Wegen der Baumjohann-Verletzung benötigt Hertha einen Offensivspieler, der von der ersten Minute an präsent ist, Dynamik und Kondition für mindestens 60 Minuten hat. Nach der Kritik von Trainer Luhukay in der Vorbereitung, der die mangelnde Fitness von Ronny gerügt hatte, hat sich der Brasilianer reingehängt. Dennoch bleiben Zweifel. „In der Bundesliga muss man auch mental präsent sein und sofort auf Defensive umschalten, wenn man den Ball verloren hat“, erläutert Luhukay. Ronny hat eine feine Technik, einen guten Blick für den Mitspieler und eine herausragende Schusstechnik. Aber es mangelt an der Wucht, an der Aggressivität und auch der Konzentration, die Baumjohann auf der Position vorgelebt hat.

Andererseits hat Hertha erst im April den Vertrag mit Ronny zu stattlich verbesserten Konditionen bis 2017 verlängert. Was kann er, was kann er nicht? „Das können wir nur herausfinden, wenn ich Ronny aufstelle“, sagte Trainer Jos Luhukay. Andererseits weiß niemand besser als der Übungsleiter um die Gesamtsituation. Hertha ist mit bisher sieben Punkten ordentlich in die Bundesliga gestartet. Aber die Zeiten der Zweiten Liga seien vorbei, sagt Luhukay. Da habe Hertha auch mal gewonnen, obwohl die Mannschaft ein oder zwei Spieler mit durchziehen musste. „Das geht in der Bundesliga nicht mehr“, sagt Luhukay. „Wir sind Aufsteiger. Wenn wir gewinnen wollen, muss bei uns alles passen.“

Blitzheilung bei Langkamp

Insofern wird es der Trainer mit Wohlwollen sehen, dass Sebastian Langkamp schneller fit wird als erwartet. Nach einem Muskelfaserriss vor elf Tagen in Wolfsburg (0:2) flog Langkamp vergangene Woche zweimal nach München und ließ sich bei Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt Spritzen setzen. Gestern machte Langkamp das gesamte Trainingsprogramm mit und sage: „Es sieht ganz gut aus.“