WM-Qualifikation

Auf dem Sprung nach Brasilien

Das deutsche Nationalteam hat das WM-Ticket nach glanzlosem Sieg auf den Färöern fast sicher

Pflicht erfüllt – mehr nicht. Die deutsche Nationalmannschaft hat beim Fußballzwerg Färöer ein glanzloses 3:0 (1:0) erreicht und geht mit fünf Punkten Vorsprung in die abschließenden zwei WM-Qualifikationsspiele gegen Irland und Schweden. Beim 175. der Weltrangliste investierten Mesut Özil und Co. nur so viel wie nötig, um mit dem siebten Sieg in der Qualifikation nach Hause fliegen zu können. Per Mertesacker brachte die drückend überlegene DFB-Elf in der 22. Minute in Führung. Mesut Özil erhöhte in der 74. Minute per Foulelfmeter. Atli Gregersen sah zuvor nach einer Notbremse gegen Thomas Müller vor 4814 Zuschauern im ausverkauften Stadion von Tórshavn die Rote Karte. Müller erhöhte sechs Minuten vor Schluss zum Endstand.

Schweden verbleibt als einziger Kontrahent um die direkte WM-Fahrkarte zum Zuckerhut. Die Skandinavier verhinderten mit ihrem 1:0 in Kasachstan die deutsche WM-Qualifikation schon am Dienstagabend.

„Es war klar, dass es zäh wird. Die Färöer sind nicht San Marino. Sie können gut verteidigen. Sie stehen mit zehn Mann um den 16er rum. Da ist es nicht einfach durchzukommen“, sagte Joachim Löw. In der zweiten Halbzeit fehlten dem Bundestrainer allerdings die schnellen Kombinationen: „Im finalen Pass können wir uns verbessern.“

Löw hatte sein Team nur auf einer Position umgebaut. Julian Draxler kam für den an einem Magen-Darm-Virus erkranken Marco Reus im linken Mittelfeld in die Starformation und zeigte ohne Eingewöhnungsprobleme auf dem Kunstrasen seine technischen Fähigkeiten. „Ich habe versucht, Wirbel zu machen. Gegen zehn Spieler mit je zwei Beinen ist es schwer durchzukommen“, sagte der Schalker.

Wind und Wetter hatte Löw noch am meisten gefürchtet. Für die Schafsinseln ungewöhnlich milde elf Grad und ein vergleichsweise laues Lüftchen machten es dem DFB-Team aber nicht unnötig schwer. Wachsamkeit war dennoch gefragt. Nach nur 35 Sekunden bot sich Frodi Benjaminsen eine Schusschance. Jérôme Boateng konnte den Versuch gerade noch blocken. Dann wurde die Partie schnell zu der erwarteten einseitigen Angelegenheit. Angetrieben von Özil übernahm die Löw-Auswahl die Kontrolle. In der sechsten Minute krachte ein Abwehrversuch von Suni Olsen an die Latte der Färöer. Als Johann Troest Davidsen Özil umrempelte, hätte Schiedsrichter Gediminas Mazeika (Litauen) auf Elfmeter entscheiden müssen.

Färöer-Torwart Gunnar Nielsen, der schon beim deutschen 3:0 im Hinspiel geglänzt hatte, vereitelte gleich mehrere Großchancen. Müller (20.) scheiterte mit einem abgefälschten Schuss an ihm. Miroslav Klose (10./30.) tat dies gleich mehrfach beim Versuch, sein Rekordtor Nummer 69 zu erzielen. In der 22. Minute rettete der Pfosten für Nielsen bei einem Klose-Schuss. Bei der anschließenden Ecke bewies das Innenverteidiger-Duo Boateng/Mertesacker, dass es auch Offensivqualitäten hat. Eine Kopfballverlängerung des Münchners drückte Mertesacker im 93. Länderspiel zu seinem dritten DFB-Tor über die Linie.

Die Färinger betrieben läuferisch hohen Aufwand. Belohnt wurde dies von den Zuschauern, die gerade in den Anfangsminuten jeden gewonnenen Zweikampf feierten – auch auf dem grünen Hügel oberhalb der Arena, wo sich zahlreiche Fans zum abendlichen Fußballgenuss niedergelassen hatten.

Nach der Pause waren große Dynamik und Zielstrebigkeit beim deutschen Team aber nicht mehr zu erkennen. Auch dem so gut gestarteten Draxler misslangen nun einige Aktionen. Die wackeren Gastgeber mussten alle Kräfte zum Verteidigen aufwenden. Der Angriffsversuch von Christian Holst (64.), der Marcel Schmelzer ausspielte und Manuel Neuer mit einem Schuss prüfte, war ein singuläres Ereignis. Kurz darauf wäre Sami Khedira fast per Kopfball das zweite Tor geglückt. Rogvi Baldvinsson rettete auf der Linie.

Als Müller allein aufs Tor zulief, kreuzte Gregersen dessen Laufweg. Müller fiel, und der Schiedsrichter entschied auf Platzverweis und Strafstoß. Özil verwandelte auch seinen vierten Elfmeter im DFB-Trikot sicher. In der Schlussphase erhöhte Müller in Überzahl.