Segeln

Betrugsskandal beim America’s Cup

Kurz vor dem Start des Segelklassikers wird Titelverteidiger USA hart bestraft

Kurz vor Beginn des 34. Duells um den America’s Cup am Sonnabend ist der amerikanische Cupverteidiger Team Oracle USA wegen Manipulationen bestraft worden. Die Internationale Jury griff wegen regelwidriger Veränderungen am Boot hart durch. „Ich bin überrascht, begrüße es aber sehr, dass die Jury hier ein Exempel statuiert“, sagte der zweimalige Cup-Sieger Jochen Schümann aus Berlin.

„Da ziehen ein paar Leute den Sport durch den Dreck. Das Schlimmste ist das schlechte Bild, das der Cup seit zwei Jahren abgibt“, führte der dreimalige Olympiasieger aus: „Das ist bitter.“ Software-Milliardär Larry Ellison, dem das US-Team gehört und der als Titelverteidiger traditionell ja auch Bootsklasse, Regelwerk und Austragungsort festlegen durfte, könne sich eigentlich nicht mehr wohlfühlen.

Drei Mitglieder von Ellisons Segelrennstall wurden von der Jury für den Rest des diesjährigen Wettbewerbs gesperrt, weitere erhielten Verwarnungen oder eine Teilsperre. Betrogen und gelogen hat laut Jury unter anderen der niederländische Trimmer Dirk de Ridder, den sein Team nun im Finale gegen Neuseeland ersetzen muss.

Darüber hinaus wurde das US-Team von dem fünfköpfigen Schiedsgericht unter Vorsitz des Australiers David Tillett für schuldig befunden, dem Ansehen des America’s Cup geschadet zu haben. Dafür müssen sie 250.000 Dollar zahlen.

Außerdem müssen die Segler um Steuermann James Spithill am Sonnabend vor San Francisco mit zwei Minuspunkten in die Best-of-17-Serie gegen Herausforderer Team New Zealand starten. Sie benötigen damit nicht nur neun, sondern elf Siege zur Cupverteidigung. „Die zwei Strafpunkte stören aber nicht, denn eines der Teams wird dem anderen ohnehin deutlich überlegen sein. Das Duell geht so oder so klar aus“, meinte Schümann dazu.

Bei der nun geahndeten Manipulation ging es um regelwidrige Veränderungen der beiden AC-45-Katamarane während der Weltserie 2012 und 2013. Die modernen Boote wurden mit jeweils regelwidrigen Bleigewichten von etwa 2,2 Kilogramm schwerer gemacht. Als Konsequenz hatte das US-Team seine Boote bereits vor Wochen in Eigeninitiative nachträglich von vier Vorregatten zum America’s Cup zurückgezogen und seine gewonnenen Titel zurückgegeben. Beim Cup selbst wird nun mit noch größeren AC-72-Katamaranen gesegelt, die über 85 Stundenkilometer schnell, aber nur ganz schwer zu beherrschen sind. Ingesamt hatten sich wegen der hohen Kosten nur vier Teams gemeldet, von denen nur die beiden Finalisten wettbewerbsfähig erscheinen. Bei Artemis (Schweden) führte ein Trainingsunfall sogar zu einem Todesopfer.