TTC Eastside

Alles neu im Tischtennis: Berlin ist plötzlich Favorit

TTC Eastside peilt ersten Meistertitel seit 1938 an

Irgend so ein Dorfverein war den Frauen des TTC Eastside oder ihren Vorgängerinnen von 3B Berlin und Berliner TSC immer im Weg. Zuletzt wurde der FSV Kroppach sechsmal in Folge deutscher Mannschaftsmeister im Tischtennis; davor war der TTC Langweid Ligakrösus. Doch jetzt ist alles anders. Weil nach Langweid auch Kroppach sein Erstligateam zurückgezogen hat, haben die Berliner plötzlich Oberwasser. Und so sagte Präsident Alexander Teichmann vor dem Start in Bundesliga, Champions League und dem wieder ins Leben gerufenen deutschen Pokalwettbewerb: „Zwei Titel sind ein Muss.“

Dafür hat sich Eastside personell enorm verstärkt. Aus der Konkursmasse des FSV Kroppach kamen die Deutsche Meisterin Shan Xiaona und Kristin Silbereisen, Meisterin von 2010, nach Berlin. Über ihre Spielstärke gibt am meisten Auskunft, dass sie gleich die Positionen eins und zwei in der Mannschaft übernehmen; die Ungarin Georgina Pota und die dritte deutsche Nationalspielerin Irene Ivancan rutschten auf die Ränge drei und vier. Es ist das stärkste Quartett, das je für Berlin an die Platte trat.

So ist der Titelanspruch alles andere als fehl am Platze. Trainerin Irina Palina, seit 15 Jahren im Klub und viel zu oft vergeblich angerannt, fände es jetzt „bequem, so Meister zu werden“. Letzter gesamtdeutscher Champion war eine Mannschaft aus der Hauptstadt übrigens 1938: die BSG Osram Berlin. Es wäre also durchaus an der Zeit, das mal zu ändern.

Viel Geld nur bei Erfolg

Und etwas Neues. So wie vieles neu erscheint beim TTC. Die erwähnte neue Mannschaft ist in einer neuen Rolle. Die Bundesliga hat nur noch acht Teams, die ihren Meister am Ende der Saison in einer Platzierungsrunde ermitteln. Dort ist am Sonntag (14 Uhr, Fritz-Reuter-Schule, Prendener Straße) die TTG Bingen/Münster-Sarnsheim erster Kontrahent. Die Champions League, in der Eastside am Sonnabend (18 Uhr, Paul-Heyse-Straße) Metz TT empfängt, wurde ebenfalls reformiert. Was zur Folge hat, dass die Berlinerinnen in der Gruppe mit den Französinnen, Fenerbahce Istanbul und SVS Ströck aus Österreich eher Außenseiterinnen als Favoritinnen sind.

Wenn Teichmann von zwei Titeln spricht, meint er neben der Deutschen Meisterschaft den nationalen Pokalsieg. Dort hat sich Eastside am vergangenen Wochenende bereits für das Final Four am 5. Januar in Schönmünzach im Schwarzwald qualifiziert: durch 3:0-Siege gegen TSV Schwabhausen und die Leutzscher Füchse. Dabei gaben die Berlinerinnen nur einen einzigen Satz ab.

Sie waren also hellwach, Grund dafür könnte ein weiteres Novum sein. Der Verein hat seinen Etat nicht erhöht und trotzdem Stars verpflichtet. Die Spielerinnen erhalten nun ein überschaubares Grundgehalt, aber Erfolgsprämien, wenn sie folgende Ziele erreichen: Meisterschaft, Pokalsieg, Einzug ins Finale der Champions League, Gewinn der Champions League. Diese werden von den Sponsoren des Vereins ausgeschüttet; wie die Spielerinnen sie aufteilen, ist ihnen überlassen. Der TTC hat sich etwas einfallen lassen, die Erfüllung seines ewigen Traums zu beschleunigen. Wie das aber immer noch am besten funktioniert, hat Irina Palina formuliert: „Ich erwarte am Wochenende zwei Siege.“