Supercup

Neuer beendet Bayerns Chelsea-Trauma

Münchner gewinnen Supercup nach Elfmeterkrimi. Nationalkeeper hält entscheidenden Schuss

Wieder Chelsea, wieder Elfmeterschießen – aber diesmal ein gutes Ende: Bayern München hat nach einem echten Fußball-Krimi seine Siegesserie in Europa auch unter Pep Guardiola fortgesetzt und seine Titelsammlung mit dem Supercup komplettiert. Der Fußball-Rekordmeister bezwang den FC Chelsea in Prag in einer hochklassigen und hart umkämpften Begegnung mit 5:4 im Elfmeterschießen und nahm damit 15 Monate nach dem „Drama dahoam“ im Finale der Champions League erfolgreich Revanche gegen den englischen Topklub. Nach 120 Minuten hatte es 2:2 (1:1, 0:1) gestanden. Für die Bayern, die den Cup als erster deutscher Verein gewannen, war es nach Niederlagen 1975, 1976 und 2001 im vierten Anlauf der erste Triumph.

„Zum Glück konnten wir das Elfmeterschießen für uns entscheiden, das war sehr wichtig für die Psyche“, sagte Bayern Torwart Manuel Neuer, der im Elfmeterschießen zum Helden wurde und den zehnten Schuss gegen Romelu Lukaku parierte. Alle fünf Bayern-Schützen hatten die Nerven behalten und getroffen. Vor 17.686 Zuschauern in der ausverkauften Eden Aréna erzwang 40-Millionen-Mann Javi Martínez mit seinem Tor fünf Sekunden vor Ende der Nachspielzeit der Verlängerung das Elfmeterschießen, das 2012 auch im Champions-League-Finale die Entscheidung bringen musste.

Fernando Torres hatte den Europa-League-Sieger nach Flanke des früheren Leverkuseners André Schürrle zunächst in Führung (8.) gebracht. Der nach verhaltenem Beginn immer stärker aufspielende Franck Ribéry glich aus (47.), sprintete danach demonstrativ zu Guardiola und küsste dem Trainer auf die Glatze. Eden Hazard (93.) brachte Chelsea – in Unterzahl nach der Gelb-Roten Karte (85.) gegen Ramires – in Führung, seinen haltbaren Schuss ließ Neuer passieren. Doch dann kam Martínez.

Die Bayern brauchten lange, um richtig Zugriff auf das Spiel zu bekommen und vermissten ihren Vize-Kapitän Bastian Schweinsteiger schmerzlich. Der Nationalspieler musste wegen einer Verletzung im rechten Knöchel passen. Toni Kroos übernahm zunächst seinen Platz vor der Abwehr, für Kroos in die offensive Mittelfeldreihe rückte Kapitän Philipp Lahm. Doch Guardiola beendete das Experiment nach nur 30 Minuten, Lahm und Kroos tauschten die Rollen.

Im unter Guardiola gewohnten 4-1-4-1-System hatten die Münchner wie immer mehr Ballbesitz. Doch wieder fehlte vielen Angriffen zu Beginn das Ziel oder eine zündende Idee. Wie so oft war es ein Geniestreich von Ribéry, der die Bayern zurückbrachte. Nach Zuspiel von Kroos nahm der kleine, große Franzose Fahrt auf und drosch den Ball aus 22 Metern in die Maschen.

Der 30-Jährige war 26 Stunden nach seiner Ehrung zu Europas Fußballer des Jahres langsam in Schwung gekommen. Nach guter Vorarbeit von Thomas Müller kam er in der siebten Minute frei zum Schuss, traf den Ball aber nicht richtig. Wie es schnell und geradlinig in Richtung Tor geht, machte Chelsea beim 0:1 vor. Hazard dribbelte gleich zwei Münchner aus und schob den Ball rechts raus auf Schürrle, der aus vollem Lauf auf Torres flankte. Dieser schoss den Ball per Direktabnahme an Neuer vorbei.

Nun drehte Ribery auf. Seinen Schuss in die rechte untere Ecke parierte Petr Cech (22.), weitere Versuche (29., 35.) strichen vorbei. Chelsea beschränkte sich auf gelegentliche Konter, in der 31. Minute verzog Torres nach erneuter Vorarbeit Schürrles.

Die zweite Hälfte begann mit einem Paukenschlag, als Ribéry traf. Und die Bayern blieben dran. Wieder Ribéry (49.), dann Arjen Robben (55.) vergaben Chancen. Dann stellte Guardiola mit der Hereinnahme von Javi Martínez (56. für Rafinha) erneut um. Der Spanier ging auf die „Sechs“, Kroos vor, Lahm nach rechts hinten.

Martínez sollte das Spiel der Bayern stabilisieren, doch die fingen sich den nächsten Konter. Nach Ballverlust von Dante passte Schürrle auf Oscar, doch Neuer rettete (64.). Anschließend hatte München Glück, als ein Kopfball von Branislav Ivanovic an der Latte (78.) und ein Versuch von David Luiz am Pfosten (85.) landete.

In der Verlängerung brachte Hazard die Londoner erneut in Führung. Der Belgier zog an Robben vorbei, der zuvor in der Pause behandelt worden war und direkt nach der Aktion ausgewechselt wurde. Schlussmann Neuer sah bei dem Treffer alles andere als gut aus. Besser machte es sein Gegenüber Cech, der gefährliche Kopfbälle von Mandzukic (108.) und Martinez (109.), einen Schuss von Mario Götze (115.) und einen Freistoß von Ribéry (118.) in Weltklassemanier parierte.