Liebesgrüße an die Lederhose

Der Deutsche Fußball-Bund bewirbt sich mit München für die EM 2020. Vier Jahre später könnte dann Berlin dran sein

München also. Und nicht Berlin. Die Delegierten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) haben am gestrigen Freitagmittag entschieden, sich mit der bayerischen Landeshauptstadt um Spiele der Europameisterschaft 2020 zu bewerben. In sieben Jahren wird die Uefa bekanntlich die Kontinentalmeisterschaften erstmals in 13 verschiedenen Ländern stattfinden lassen. Vordergründig, um das 60-jährige Jubiläum des Turniers zu feiern. Inoffiziell, weil es heute kaum noch einem Land möglich ist, bei einem aufgeblähten Teilnehmerfeld von 24 Mannschaften eine ganze EM selbst zu stemmen.

Mit Berlin und München hatten sich zwei absolute Sportmetropolen als Austragungsorte beworben. Hier Berlin mit seinem altehrwürdigen Olympiastadion und den Bildern von der Fanmeile 2006 im Portfolio. Derzeit eines der beliebtesten Reiseziele in Europa sowieso. Dort München, gediegen, bürgerlich, garantiert gut organisiert – und Fußballhauptstadt. Heimat des FC Bayern, der weltweit momentan alles überstrahlt. Zwei Städte, die die Vorgaben der Uefa hinsichtlich Stadionkapazität und Infrastruktur erfüllten. So konnte Dortmund wegen seines mangelnden Hotelangebots nicht mithalten.

Faire Verlierer in der Hauptstadt

Die Entscheidung für München ist gleichzeitig eine Entscheidung gegen Berlin. In einer geheimen, schriftlichen Abstimmung votierten die 15 Präsidiumsmitglieder, die genaue Stimmenverteilung ist nicht bekannt. Für das Ergebnis maßgeblich mitverantwortlich ist wohl auch eben jenes Münchner Aushängeschild FC Bayern. Denn die vier Vertreter der Deutschen Fußball Liga (DFL) stimmten offenbar geschlossen für die bayerische Landeshauptstadt, damit die Einnahmen durch das vereinseigene Stadion im Finanzkreislauf des Fußballs verbleiben. Deshalb war die Stadt schon vorher als Favorit ins Rennen gegangen. In Berlin wären die Einnahmen dem Land zugeflossen, das Eigentümer des Olympiastadions ist. „Die Vermutung, dass die vier Liga-Vertreter und die Vertreter der Verbände aus den südlichen Bundesländern am Ende entscheidend sind, ist dann doch eingetroffen. Aber das ist bei demokratischen Abstimmungen so, da sollte man nicht nachkarten und das Ergebnis akzeptieren“, sagte Berlins Fußball-Präsident Bernd Schultz. Wie es sich gehört, präsentierten sich die Berliner Verantwortlichen als faire Verlierer. Man wünsche München viel Erfolg, hieß es von allen Seiten.

Eine kleine Träne wurde dem verpassten Zuschlag dann doch hinterhergeweint. Die Bewerbungsunterlagen, die Berlin eingereicht habe, seien exzellent gewesen. Man könne niemandem einen Vorwurf machen. Und „die Stimmung bei der WM 2006 war in Berlin wesentlich besser“, so Schultz. Man freue sich nun auf das Champions-League-Endspiel 2015, sagte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit.

„Es war für uns keine einfache Entscheidung, weil wir mit München und Berlin zwei starke Bewerber hatten, die schon mehrfach nachgewiesen haben, dass sie solche Großereignisse bewältigen können“, sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach nach der Wahl. Er sei sich aber sicher, mit München als Spielort bei der Uefa sehr gute Chancen zu haben, ein Spielepaket der Europameisterschaft 2020 zu erhalten. Für den DFB geht es entweder um die Spiele einer kompletten Vorrundengruppe mit deutscher Beteiligung plus die Austragung eines K.o.-Spiels. Oder um die Austragung des Endspiels plus der beiden Halbfinals.

Worum sich der deutsche Fußball bewerben wird, hängt maßgeblich damit zusammen, ob die Türkei am 7. September vom Internationalen Olympischen Komitee den Zuschlag für die Olympischen Spiele 2020 erhält. Ist dem nicht so, werden aller Voraussicht nach die beiden Halbfinals und das Endspiel in Istanbul stattfinden, weil die Türkei sich schon mehrfach vergeblich um die Austragung einer EM beworben hat. Bekommt die Türkei allerdings die Sommerspiele, ist „das Finale unser Favorit“, hat Niersbach bereits angekündigt.

Sollte die Türkei von der Europäischen Fußball-Union tatsächlich den Zuschlag für das Final-Paket bekommen, könnte sich Deutschland um die gesamte EM 2024 bewerben, hatte Niersbach zudem angedeutet. Das zauberte ein kleines Lächeln auf das Gesicht von Berlins Innensenator Frank Henkel: „Die heutige Absage öffnet das Tor für einen neuen Anlauf: Sollte sich der DFB für die EM 2024 bewerben, wollen wir dabei sein.“

In München wurde unterdessen gefeiert. Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) könne versprechen, dass die bayerische Landeshauptstadt „wieder ein sympathischer, weltoffener Gastgeber“ sein werde.