Wassersport

Groß hat das Pech einfach über Bord geworfen

Berliner Kanute startet als Favorit bei der Heim-WM in Duisburg

Dieses Bild verfolgt ihn auch ein Jahr später noch. Gerade fuhr der deutsche Kajakvierer über die Ziellinie, da verlor Marcus Groß die Fassung. Er nahm sein Paddel, schlug es auf die Knie und zerbrach es. Wie groß der Frust ausfiel bei ihm nach dem vierten Platz bei den Olympischen Spielen, lässt sich gut daran ablesen, dass so ein Paddel aus Karbon besteht und nur schwer bricht.

Nun steht der nächste große Wettkampf bevor, in Duisburg beginnt am Donnerstag die Heim-WM der Rennkanuten. Und es hat sich einiges verändert seit London. „Ich bin wesentlich entspannter geworden“, erzählt Groß. Außerdem sitzt der Berliner nicht mehr im Vierer, sondern im Zweier. Das hat viel zur Entspannung beigetragen. Jedes Rennen in dieser Saison gewann der 23-Jährige vom RKV mit dem Essener Max Rendschmidt (19). Sie wurden Europameister über 500 und 1000 Meter.

„Es ist natürlich schwierig, dass wir uns eine Favoritenrolle erarbeitet haben“, erzählt Groß. Die Zweifel sind aber schnell wieder verflogen, die anderen sollen ruhig wissen, wie gut diese Kombination harmoniert, sagt sich der Berliner. Dass alles so kommen würde, damit hatte er gar nicht gerechnet. Aber mit der Unbekümmertheit des Neulings Rendschmidt und seiner Erfahrung lief es von Beginn an prächtig. Und mit jedem Rennen besser. „Es gibt keine Abstimmungsschwierigkeiten. Wir setzen uns einfach ins Boot und wissen, dass es funktioniert. Das ist echt beruhigend“, sagt Groß. Ihrem Selbstbewusstsein tut das gut.

Der erste WM-Titel, den sich Groß schon lange wünscht, scheint nun greifbar. Bislang hatte er das Glück nicht immer auf seiner Seite, obwohl er oft kurz vor der Krönung stand. 2010 wurde er mit dem K4 als Favorit Vierter. Ein Jahr später erkrankte er am Finaltag – und den anderen gelang mit einem Ersatzmann der WM-Sieg. Bei Olympia musste das Paddel dran glauben. „Ich mache mir keinen Druck deshalb. Ich freue mich, mit einem Top-Boot an den Start gehen zu können“, sagt er. Zwei Chancen stehen ihm offen, über 1000 und die nicht olympischen 500 Meter greift der nach dem WM-Titel.

Dabei schaut Groß auch immer auf den Vierer. Weil er selbst drei Jahre drin saß, und weil nun zwei Klubkollegen vom RKV dabei sind. Kostja Stroinski (21) und Robert Gleinert (24) haben es in das neu formierte Boot geschafft. Gleinert ist sogar schon Weltmeister, war 2011 dabei, als Groß im Finale nur zuschauen konnte. Stroinski fährt zum ersten Mal in einer olympischen Bootsklasse bei einer WM.

Er profitiert vom Generationswechsel, der oft nach Olympia eingeläutet wird. Jüngere Sportler erhalten jetzt eher eine Chance. Gleinert steht schon länger an der Schwelle zu den Besten, zeigte aber nicht die Konstanz. Insofern will auch er die Gunst der Stunde nutzen. „Mein Hauptziel ist es, eine feste Hausnummer zu werden“, sagt Gleinert.

Vierer mit neuer Besatzung

Bei der EM reichte es mit Platz fünf noch nicht zu einem angestrebten Medaillenplatz, seither gab es jedoch Fortschritte. „Wir können das Potenzial des Vierers immer besser ausschöpfen und die Frequenzen besser umsetzen“, erzählt Stroinski. Gut für das neue Boot ist, dass sie mehr zusammen trainieren können als der Vierer im Vorjahr. Da paddelte Max Hoff zudem im Einer, was die gemeinsame Zeit im Vierer beschränkte. „Wir können uns mehr auf uns konzentrieren, keiner ist mit seinen Gedanken bei einem anderen Rennen“, sagt Gleinert. Gerade für ein komplett neues Team kann sich das auszahlen.