Nominierung

Für Ribéry soll sich ein Traum erfüllen

Laut Hoeneß könnten nur politische Gründe die Wahl zu Europas Fußballer des Jahres verhindern

Es sind aufregende Tage für den FC Bayern München und besonders für Franck Ribéry. Heute Abend (18 Uhr/Eurosport) wird in Monte Carlo Europas Fußballer des Jahres gekürt, und der kleine, große Franzose ist neben Lionel Messi und Cristiano Ronaldo einer von nur noch drei Kickern, die zur (Aus-)Wahl stehen. Zugleich werden im Fürstentum die Gruppen für die Champions League ausgelost. Und schließlich wollen die Münchner am Freitagabend (20.45 Uhr, ZDF) in Prag im Finale um den europäischen Supercup endlich Revanche am FC Chelsea nehmen für eine der schwärzesten Stunden ihrer Klub-Historie, die Niederlage nach Elfmeterschießen im Champions-League-Endspiel von 2012. Im eigenen Stadion.

Es ist anzunehmen, dass Bayerns Trainer Pep Guardiola in Prag nicht erneut darauf verzichten wird, Ribéry in die Startformation zu stellen. So wie der Spanier es am Dienstag im Bundesligaspiel beim SC Freiburg tat, das mit einem für die Münchner vielleicht etwas unglücklichen, aber in jedem Fall ärgerlichen 1:1 endete. Guardiolas Freude an der Rotation hat ihm sogar den Vorwurf der Arroganz eingebracht, die wackeren Breisgauer nicht ernst genug genommen zu haben. Seinen derzeit besten Mann hatte er erst in der 79. Minute für den angeschlagenen Bastian Schweinsteiger eingewechselt. Mit dem französischen Wirbelwind hätten die Bayern zu dem Zeitpunkt möglicherweise längst höher geführt als 1:0.

So aber gelang dem SC vier Minuten vor Schluss noch das schmeichelhafte 1:1 durch Nicolas Höfler. Trotzig kommentierte der Münchner Trainer: „Meiner Meinung nach haben wir heute einen guten Schritt nach vorne gemacht mit unserer Spielweise.“ Von der Kritik, sich mit der Aufstellung verzockt zu haben, indem er sieben Stammspieler pausieren ließ, wollte Guardiola nichts hören. Er sei kein Hellseher. „Ich bin Trainer. Diese Kapazität habe ich nicht. Tut mir leid, Entschuldigung.“

Zuletzt gewann Sammer 1996

Hellseherei fällt auch schwer vor der heutigen Wahl in Monte Carlo. Schafft es Ribéry, sich gegen die Weltstars Messi (FC Barcelona) und Ronaldo (Real Madrid) durchzusetzen? „Es wäre ein Traum für mich. Ich habe alles getan, individuell und mit der Mannschafft“, macht sich der Franzose Hoffnung. Er hat mit den Bayern in der vergangenen Saison Champions League, Deutsche Meisterschaft und DFB-Pokal gewonnen. Seine Konkurrenten können dem nur Spanische Meisterschaft (Messi) und spanischen Supercup (Ronaldo) entgegenhalten. Messi war oft verletzt, Ronaldo hatte oft schlechte Laune. Ribéry hingegen war bei den Bayern die bestimmende Persönlichkeit, hat sich im Vergleich zu den Vorjahren nochmals deutlich gesteigert.

Der 30-Jährige flog mit Karl-Heinz Rummenigge nach Monte Carlo. „Franck stellt Extraklasse dar“, sagte Münchens Vorstandschef , „es wäre schön, wenn das nicht mehr nur deutschlandweit, sondern auch europaweit so gesehen würde.“ Was für Ronaldo, was für Messi sprechen würde, wurde er gefragt und antwortete so spitz wie treffend mit einer Gegenfrage: „Was spricht gegen Ribéry?“

Eigentlich wenig, außer die Tatsache, dass Bundesligaspieler in der jüngeren Vergangenheit stets chancenlos waren. 2002 schaffte es Oliver Kahn zuletzt in die Finalrunde der besten Drei und blieb am Ende Dritter. Letzter deutscher Sieger war 1996 Matthias Sammer, damals Europameister und Kapitän von Borussia Dortmund, heute Münchner Sportvorstand.

Ribéry könnte sein Nachfolger werden. Er mag nicht so torgefährlich sein wie seine Konkurrenten, doch er war und ist die (stil-)prägende Figur des Münchner Heldenfußballs. Außerdem spricht seine Uneigennützigkeit für ihn: „Ich mag es mehr, Tore vorzubereiten, als Tore zu schießen“, sagt Ribéry – und beweist es auf dem Platz. Er ist darin besser als Messi und Ronaldo, das zeigt auch die Statistik. „Es ist überhaupt keine Frage, dass Franck das dieses Jahr verdient hat. Es kann nur ihn als Sieger geben“, sagte Bayern-Präsident Uli Hoeneß der „Sport-Bild“ und verstieg sich sogar zu der Aussage: „Sportlich gibt es überhaupt keine Gründe, Franck nicht zu wählen – wenn, dann können das nur politische sein.“