Motorsport

Wie Schulden die Formel 1 gefährden

Nur ein Rennstall finanziert sich aus eigener Kraft. Der Rest hängt am Tropf der Geldgeber

Der Formel-1-Zirkus ist ein Riesengeschäft. Manchmal geht es dort zu wie auf einem Basar. So soll der russische Nachwuchsfahrer Sergej Sirotkin bei Peter Sauber in Zürich vorstellig geworden sein, um einen Vertrag bei dessen Rennstall zu unterschreiben. Der 17-Jährige will unbedingt in die Formel 1, Saubers Team braucht dringend Geld. Der Schweizer forderte für die PS-Ehe eine Mitgift von 22 Millionen Euro. Sirotkin hatte aber nur drei Millionen dabei. Die restlichen 19 Millionen sollte der russische Technologiekonzern Niat zuschießen, dessen Geschäftsführer Sirotkin senior ist. Doch der Niat-Vorstand lehnte ab. Also platzte der Deal.

Vettel Trainingsschnellster

Die finanzielle Dauerkrise bei Sauber kratzt nachhaltig an der Reputation des Rennstalls. Und die Schweizer sind längst nicht die einzigen, die mit hohen Verbindlichkeiten kämpfen. Da ist etwa das traditionsreiche McLaren-Team, das mit 500 Millionen Dollar in der Kreide stehen soll. Lotus drückt ebenfalls ein massiver Schuldenberg. Auch die Belegschaft soll hier immer unruhiger werden, weil angeblich Gehälter überhaupt nicht oder nur teilweise gezahlt werden. „Sicher gibt es da ein Problem. Wir hatten es vergangenes Jahr, und wir haben es jetzt wieder. Das ist nicht ideal, aber ich bin sicher, dass sie das klären werden“, hatte Star-Pilot Kimi Räikkönen die schwierige Lage unlängst bestätigt.

Viele Teams hängen am Tropf steinreicher Mäzene, wie Vijay Mallya bei Force India oder Andrej Cheglakow, Miteigentümer des Marussia-Rennstalls. Sechs von zwölf Formel-1-Teams sind abhängig von solventen Einzelpersonen, fünf brauchen Sponsoren. Einzig Ferrari fährt finanziell aus eigener Kraft. Die roten Renner sind integraler Bestandteil des Autobauers, flitzen sozusagen als Showcase des Konzerns über die Rennstrecken der Welt. Da bleiben die Millioneninvestitionen in der Familie.

Für die anderen ist die Formel 1 ein Zuschussgeschäft, auch für Red Bull, dessen Weltmeister Sebastian Vettel gestern beim Großen Preis von Belgien in Spa-Francorchamps im freien Training die schnellste Zeit fuhr. Und dieses Geschäft wird nicht billiger, die Einführung des neuen Turbomotors bedeutet für die Teams mindestens eine Verdreifachung ihres Entwicklungsbudgets. Die Rennställe würden gern darauf verzichten, aber der Weltverband Fia hat das Novum in seinem technischen Reglement für 2014 so beschlossen. Fia-Präsident Jean Todt ist nicht bereit, darüber zu reden.

Nun fragt sich mancher, wo das ganze Geld hingeht, dass die Formel 1 verdient. Geschätzte 1,5 Milliarden nimmt die Rennserie über ihren Vermarkter Bernie Ecclestone pro Jahr ein. Bis zu 600 Millionen davon erhalten die Teams. 50 Prozent bekommen die Branchenführer Ferrari, Mercedes und Red Bull. Die anderen neun Rennställe müssen sich mit dem Rest des Kuchens begnügen. Der Verteilungsschlüssel erinnert ein bisschen an die spanische Fußballliga, wo es ähnlich ungerecht zugeht.

Zudem geben die Teams im Kampf um wertvolle WM-Punkte ihr Geld auch mit vollen Händen aus, was den ehemaligen Fia-Präsidenten Max Mosley zu der Bemerkung veranlasste: „Wenn es uns nicht gelingt, eine Budgetobergrenze einzuführen, ist die ganze Formel 1 bedroht.“ Als andere Möglichkeit gilt ein Ressourcen-Restriktions-Abkommen (RRA), nach dem der Mitteleinsatz von Geld, Technik und Manpower reglementiert wird. Bisher existiert es nur auf freiwilliger Basis, weil vor allem Red Bull und dessen Juniorteam Toro Rosso sich sträuben. Weil es für die Formel 1 auch auf den neuen Märkten in Asien, Amerika und Russland noch nicht wie gewünscht läuft, braucht es eine konzertierte Aktion von Fia, Ecclestone und den Teams. Sonst hält sich die Rennserie nicht mehr lange auf ihren tönernen Füßen. Dann zerbricht sie an den Schulden.