Trainer

Logan will Alba den Weg zurück nach oben zeigen

Der Amerikaner besitzt die Lizenz zum Werfen und hat das Zeug zum neuen Anführer

Es gibt viele Arten, ein Chef zu sein. Manche werden bestimmt, andere denken, sie sollten längst einer sein, und es gibt welche, die es sind und besser nicht sein sollten. Bei David Logan verhält es sich verhältnismäßig unkompliziert. Alba Berlin hat den 30-jährigen Amerikaner verpflichtet, um das völlig neu zusammengesetzte Team zu führen. Er selbst erweckt den Eindruck, dass er keinerlei Zweifel daran hat, diese Rolle auch ausfüllen zu können. Logan weiß nach fünf Jahren in den absoluten Topklubs Europas wie Panathinaikos Athen, Caja Laboral Vitoria oder zuletzt Maccabi Tel Aviv und 102 Spielen in der Euroleague, was er kann.

„Wir sind eine sehr junge Mannschaft, und es wird wohl bis in die ersten Wochen der Saison dauern, bis wir uns gefunden haben und uns gut kennen werden“, sagt der 1,85 Meter große Guard, der eher drahtig und fast schon schmächtig wirkt. „Wir werden ein schnelles, athletisches und aggressives Team sein. Ich werde es führen und den jungen Spielern helfen. Ich habe in den ersten Tagen gesehen, dass sie alle besser werden wollen. Das ist eine viel bessere Grundlage, als müssten sie angetrieben werden.“

Das Selbstvertrauen, mit dem Logan seine Rolle bei Alba in Angriff nimmt, speist sich nicht nur aus der Ansammlung allererster europäischer Basketball-Adressen, für die er tätig war, sondern viel mehr daraus, wie er tätig wurde. Er ist ein außergewöhnlicher Distanzschütze, traf in der vergangenen Saison für Tel Aviv 43,4 Prozent seiner Dreier. Und zwar nicht nur bei dreieinhalb Versuchen. 129 Mal nahm er von der Dreier-Linie Maß, 56 Mal mit Erfolg. Logan ist einer, für den Spielsysteme ausgetüftelt werden, einer, den die Kollegen in Position bringen wollen – er ist einer mit der Lizenz zum Werfen.

Als „offensiv äußerst schwer zu stoppen“ beschreibt Albas Coach Sasa Obradovic seinen neuen Chef auf dem Feld und als „sehr ambitionierten Spieler“. Von Logan ist zu diesem Thema zu hören, dass das eine ohne das andere nicht zu erreichen ist. „Mein Wurf ist Produkt konsequenter Wiederholungen. Ich werfe jeden Tag noch nach dem Training, wenn die Beine müde sind“, erzählt der Dreier-Spezialist, der sich bezüglich der Anzahl der Würfe und der Trefferquote in der vergangenen Europaliga-Saison nur hinter Barcelonas Superstar Juan-Carlos Navarro einordnen musste. „Auch gegen Ende der Spiele, im vierten Viertel, sind die Beine müde, und genau dann kommt es darauf an. Ich habe in der vergangenen Saison viele Würfe im allerletzten Moment getroffen. Das werde ich wohl auch wieder tun. Sasa hat großes Vertrauen in mich. Deswegen hat er mich nach Berlin geholt.“

Jetzt nach fünf erfolgreichen Jahren in der Europaliga (2012 stand er mit Panathinaikos beispielsweise im Final Four) nur noch eine Etage tiefer im Eurocup zu spielen, sieht Logan nicht als Rückschritt an. „Basketball ist Basketball, und auch der Eurocup ist eine gute Liga“, sagt er. „Ich glaube, dass wir dort eine gute Rolle spielen können. Unter die letzten Acht zu kommen, ist für mich ein realistisches Ziel.“

Bezüglich der Bundesliga (ab 6. Oktober) scheut sich Logan, ähnlich konkret zu werden. Sein Freund Jason Gardner, der in Oldenburg spielte, habe ihm „viel Gutes über die Liga erzählt“, zudem habe er „auch schon in der Europaliga gegen Alba, Oldenburg oder Bamberg gespielt. Das waren alles enge Partien“, erinnert sich Logan. Er wisse auch, dass einige sehr starke Mannschaften in der Bundesliga spielen. Er geht mit Respekt in die Saison und hofft zu allererst, dass er mit Alba gut startet.

Im besten Basketballalter

Nach acht Profi-Jahren in Italien, Polen, Spanien und Israel und „im besten Basketballalter“, wie Coach Obradovic findet, sieht sich Logan jetzt als gereiften Spieler. „Ich habe das Spiel mehr unter Kontrolle und gehe weniger Risiken ein als früher. Ich fühle mich verantwortlich. Deswegen habe ich wahrscheinlich in den letzten Jahren bei den ganz großen Klubs gespielt“, sagt er, wissend, dass Alba nicht nur die Punkte aus der Distanz und ein beherztes Auftreten in der Verteidigung von ihm erwartet, sondern auch ein Wirken ins Team hinein. Erfahrung, Reife, Können - keine schlechten Voraussetzungen, um Chef zu sein.

Einer, der bislang Jahr für Jahr von einem Land zum anderen zog, denkt natürlich darüber nach, mal sesshafter zu werden. Zumal nun auch das Wohl einer Verlobten und der zweieinhalbjährigen Tochter, die beide im Oktober nach Berlin kommen, bedacht werden will. Alba und Berlin böten sich schon an, bis zum Karriereende eine Heimat zu bieten, erzählt Logan. Er weiß aber auch: Bevor es darum gehen könnte, muss er sich erst als Chef beweisen.