Motorsport

Formel 1: Mercedes schielt doch noch auf den WM-Titel

Wie groß die Sorgen beim Formel-1-Team von Mercedes vor dem Großen Preis von Belgien am Sonntag (14 Uhr) sind, lässt sich am besten an einem kleinen Fellknäuel ablesen.

„Roscoe“, Lewis Hamiltons Hund, laboriert an einer Lungenentzündung. Für eine englische Bulldogge ist das eine durchaus ernsthafte Erkrankung, Tierärzte raten dringend zur Medikamentierung. „Betet für ihn“, flehte Hamilton daher seine Fans an, der kleine Vierbeiner ist ihm im vergangenen halben Jahr spürbar ans Herz gewachsen.

Das war es dann aber auch mit der Problemliste beim Sterne-Team. So kurz wie derzeit war sie seit dem Wiedereinstieg in die Formel 1 2010 noch nie. Der Rennstall, der in den vergangenen drei Jahren von Enttäuschung zu Enttäuschung fuhr, erlebt mit drei Saisonsiegen und zuletzt fünf Polepositions in Folge zurzeit den steilsten Aufschwung aller Formel-1-Teams. „In der ersten Saisonhälfte haben wir die Erwartungen übertroffen. Wir haben ein starkes Allroundpaket und sind von unserem Sieg in Ungarn beflügelt“, sagt Motorsportchef Toto Wolff zuversichtlich: „Auf dem Papier sollte die Strecke in Spa unserem Auto liegen. Nico (Rosberg – d.R.) und Lewis werden auf einer echten Fahrerstrecke in ihrem Element sein.“

Während die Dienstreise in die Ardennen im Vorjahr noch überlagert wurde von den Feierlichkeiten anlässlich Michael Schumachers 300. Rennen, dominiert diesmal die Aussicht auf wenigstens einen Weltmeistertitel. Zwar wiegelt Niki Lauda, der Vorsitzende des Aufsichtsgremiums beim Formel-1-Team ab: Auf dem Papier sei eine Chance auf den Konstrukteurstitel vorhanden, „in der Realität wird es jedoch sehr schwierig“. Mit 69 Punkten Vorsprung scheint Red Bull der Konkurrenz auch in diesem Jahr enteilt. Die nächsten beiden Rennen in Belgien und Italien mit ihren langen Hochgeschwindigkeitspassagen kämen den aerodynamisch modifizierten Silberpfeilen jedoch entgegen. „Diese Rennen werden entscheidend sein“, glaubt Lauda. „Wir stehen auf dem Gas“, gab Wolff den Mitarbeitern mit auf den Weg. Vettel darf das getrost als Kampfansage verstehen.