Eishockey

Eisbären eröffnen Stadion des alten Dynamo-Rivalen

EHC-Torhüter Elwing ist Weißwasser stark verbunden

Für den ganz großen Auftritt im Stadionheft hat es nicht gereicht, den schnappte ihm Hartmut Nickel weg. Und ganz ehrlich, der kann auch ein bisschen mehr erzählen. Zumindest über die gute alte Zeit. Die kennt Sebastian Elwing mehr aus Erzählungen, diese Tage, als Eishockey in der DDR immer Dynamo gegen Dynamo war. Berlin gegen Weißwasser und Weißwasser gegen Berlin. Immerfort hin und her, nur diese beiden. Nickel war fast immer dabei.

Darüber musste der 68-Jährige nun in der neusten Ausgabe des Weißwasseraner Stadionheftes ein bisschen plaudern. Weil es wieder soweit ist, weil das Duell auflebt. Wobei Dynamo Berlin jetzt der EHC Eisbären und Rekordmeister der DEL ist und Dynamo Weißwasser als Lausitzer Füchse in der Zweiten Liga firmiert. Zusammen auf dem Eis stehen sie, weil am Freitag in Weißwasser die nagelneue Arena eröffnet wird.

„Ich freue mich, dass es für dieses Spiel mit den Eisbären als Gegner geklappt hat“, sagt Sebastian Elwing. Er wird im Tor des EHC stehen und neben Co-Trainer Nickel der bekannteste Berliner in Weißwasser sein. Nickel wurde dort geboren, lernte den Sport in Weißwasser und ging mit 19 Jahren nach Berlin. Elwing wurde in Berlin geboren, lernte den Sport bei den Eisbären und ging dann nach Weißwasser. Nach schweren Schicksalsschlägen fand er dort eine neue Heimat und Familie.

Ein Freibier ist ihm sicher

Dem besonderen Status, dem Flair, des Eishockeys in der Oberlausitz, dem kann sich dort kaum jemand entziehen. „Die Tradition bekommt jeder dort früher oder später mit“, erzählt der 33-jährige Torhüter. Vier Jahre spielte für die Füchse, lernte seine Frau dort kennen. Deren Familie betreibt seit 1990 den Fuchsbau, die Stadiongaststätte. Auch in der neuen Arena übernehmen Elwings Schwiegereltern die Bewirtung. Der Goalie bekommt also nach dem Spiel der Eisbären auf jeden Fall einen ausgegeben.

Die Halle ist seit langem ausverkauft. Knapp 3000 Besucher passen rein, die Hälfte davon kann sitzen. Modern und hell ist die Halle, und endlich nicht mehr provisorisch. Das war der Vorgänger seit der Wende. In eine Eisschnelllauf-Trainingshalle wurden damals ein paar Stehplatztribünen eingebaut. Weil das alte Freiluftstadion nebenan ohne Dach den Bestimmungen für die Bundesliga nicht mehr entsprach. Historie hin oder her. 25 DDR-Meisterschaften wurden dort gefeiert, oft vor über 10.000 Zuschauern. Erst in einer Achter-Liga, später in der kleinsten Liga der Welt, der Dynamo-Liga, die ihrem Verbleib nur Erich Mielke zu verdanken hatte, dem Chef der Staatssicherheit. Er ließ die Mini-Liga bestehen, der Rest des finanzintensiven Sports fiel ab 1970 dem Streben nach Medaillen zum Opfer.

In der Zweier-Liga setzten sich meist die Eisbären durch, 15 DDR-Titel gewannen die Berliner. Nach der Wende wurden die Treffen seltener, 1996 trennten sich die Wege in den Ligen ganz, 2005 gab es noch einmal ein Pokalduell, da spielte Elwing für Weißwasser. Es war seine letzte Saison dort, es gab sogar eine Pressekonferenz, als er nach Kassel wechselte. „Damals habe ich gesagt, dass ich erst wiederkomme, wenn es ein neues Stadion gibt. Das Versprechen habe ich gehalten“, erzählt er. Ehrlicherweise war er vorvergangene Saison schon einmal leihweise für zwei Partien als Spieler ins Team der Füchse zurückgekehrt.

Die neue Halle befindet sich auf historischem Grund, der Bullypunkt ist genau da, wo er früher in der Freiluftarena war. Elwing hofft, dass er nicht wieder da anfängt, wo er vergangene Saison bei den Eisbären aufgehört hat. Kein Ersatz-Torhüter kam in den sechs Jahren unter Trainer Don Jackson so selten zum Einsatz wie er. „Ist mir egal, ich schaue nach vorn“, sagt er. Der Trainer ist neu, vielleicht gibt Jeff Tomlinson ihm mehr Chancen. Aber: „Rob Zepp ist die Nummer eins, das ist klar“, sagt der Trainer. Deshalb wird er wohl auch in den European-Trophy-Spielen am Sonnabend in Pilsen und am Sonntag in Brünn spielen.

Am Freitag aber, da hat Sebastian Elwing seinen Auftritt. Wenn auch nicht im Stadionheft. Weil er oft in Weißwasser ist, durfte er in den vergangenen Wochen allerdings schon reichlich in den Medien über die neue Eishalle reden. Um seinen Status in der Oberlausitz muss sich also niemand sorgen.