Sport

US-Dopingjäger kritisiert Kontrollen in Deutschland

Auch der Fußball war und ist nicht so sauber wie behauptet

Bernd Schuster hat am Wochenende verloren. 0:1 gegen Valencia, die Rückkehr auf die Trainerbank hätte für den neuen Übungsleiter des FC Malaga durchaus besser verlaufen können. Vielleicht war Schuster deswegen nicht ganz bei der Sache, als er sich zu Fragen abseits des Spiels äußern sollte. Doping etwa. „Ich sage, solange es um die reine Regeneration geht, habe ich kein Problem damit“, sagte Schuster im vollen Ernst der „Sport-Bild“. „Wenn ein Spieler nach einer Verletzung zwei, drei Wochen schneller wieder fit ist, dann macht das doch sogar Sinn. Es geht dann also nicht um Leistungssteigerung.“

Schuster, Europameister 1980 und dreimal spanischer Meister, fügt sich mit dieser Sichtweise ins Bild einiger unbedarfter Ex-Fußballprofis. Doping zur Regeneration – das sei in Ordnung, lautet deren Tenor. Franz Beckenbauer sagte neulich erst im ZDF-„Sportstudio“, er habe während seiner aktiven Zeit bisweilen auch medizinische Hilfe ohne akute Beschwerden angenommen. Was die Spritzen enthielten? „Keine Ahnung, der Doktor hat gesagt: Das ist eine Vitaminspritze.“ Bayern-Kollege Paul Breitner ließ bei „Servus TV“ wissen: „Es wäre vermessen, wenn wir Fußballspieler sagen würden, dass das Thema Doping, und ich rede von 1986/1987, also von den Jahren, in denen ich ein bisschen was mitbekommen habe, keines war. Wer das wegwischt, ist ein Pharisäer für mich.“

Die Mär vom dopingfreien Fußball, der noch immer manch einer das Wort redet, mögen nicht einmal mehr einige der Protagonisten von einst bestätigen. Dabei geht es gar nicht um Mittäterschaft, sondern vor allem um die Einstellung zu Doping.

Die durch die Studie „Doping in Deutschland von 1950 bis heute“ bekannt gewordenen drei Fälle positiv getesteter deutscher Spieler während der Weltmeisterschaft 1966 wird vom Verband ähnlich milde beurteilt. Seinerzeit soll die Einnahme des Stimulans Ephedrin, enthalten in Schnupfen- und Asthmamitteln, nachgewiesen worden sein. Drei WM-Helden von 1966 gedopt? „Damals war Doping nicht zwangsläufig dadurch gegeben, dass bei einem Spieler eine bestimmte Substanz gefunden wurde, sondern lag erst dann vor, wenn diese Substanz dazu eingesetzt wurde, um unerlaubte Leistungssteigerungen hervorzurufen“, sagte Rainer Koch, der Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und Vorsitzende der Antidopingkommission. Die Substanz sei „dazu genutzt worden, einen Schnupfen zu bekämpfen. Glücklicherweise konnte das ja aufgeklärt werden“.

Aufputschmittel bei WM 1966

Aufgeklärt ist die Sache damit aber wohl nicht vollständig. Denn im Abschlussbericht ihrer Studie schrieben die Wissenschaftler der HU Berlin, dass „kein Zweifel“ bestehe: Ephedrin habe damals unter Punkt zwei („Drogen der Amphetamin-Gruppe“) auf der „Liste der verbotenen Medikamente“ gestanden, die seinerzeit allen Delegationen vor dem Turnier bekannt gemacht worden sei. Ein vom DFB in Auftrag gegebenes eigenes Gutachten kam hingegen zu dem Schluss: kein Doping.

Dass der DFB nach der Veröffentlichung der Studie rund zwei Wochen benötigte, um sich durch den Antidopingchef erstmals konkret zu äußern, verfestigte das Bild, der weltgrößte Fußballverband verdränge eines der zentralen Probleme des Leistungssports. Erst nach der Rückkehr aus seinem Jahresurlaub habe er sich umfassend äußern wollen, begründete Koch nun der Morgenpost. Auch zu Schusters Sichtweise. „Seine Äußerungen stehen nicht in Einklang mit der Sichtweise des DFB. Wir legen ein klares Bekenntnis zum Antidopingkampf ab. Es ist unter keinen Umständen diskussionsfähig, dass man auf der Dopingliste stehende Substanzen zu Regenerationszwecken einsetzt.“

Seit er das Amt des Kommissionschefs 2007 übernommen habe, sei das Kontrollsystem stetig ausgebaut worden, sagte Koch weiter: „Im gesamten deutschen Mannschaftssport sind wir die Strengsten, haben mit Abstand die meisten Wettkampfkontrollen, sind in Deutschland ganz klar im Dopingkampf in der Vorreiterrolle.“

Nach Ansicht internationaler Experten reicht dieses Engagement nicht aus. Deutschland brauche im Antidopingkampf ein von Sportverbänden unabhängiges Überwachungssystem, meint etwa der Chef der US-Antidopingagentur, Travis Tygart. Es gehe „überhaupt nicht, dass der DFB für die Tests in der Bundesliga mitverantwortlich ist. Da passt der Fuchs auf die Henne auf“, kritisiert Tygart im „Stern“.