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Woche des Wadenbeißers

Fabian Holland musste sich hinten anstellen, jetzt kann er sich wieder in Herthas Abwehr beweisen

Ein Interview vor der Kamera hier, Autogrammwünsche dort, viel Schulterklopfen. Hertha-Profi Fabian Holland ist gefragt nach dem Training. Er muss sich erst wieder daran gewöhnen, aber warum nicht? „Das ist natürlich normal in dieser Situation, aber klar: Es gefällt mir. Und in meinem Fall ist es auch nicht so extrem wie zum Beispiel bei Ronny“, sagt Holland in seiner zurückhaltenden Art, kann sich aber ein kleines Schmunzeln nicht verkneifen.

Es ist ja auch eine schöne Geschichte, die der 23-Jährige gerade erlebt. Am Sonntag ließ Jos Luhukay ihn beim 2:2 in Nürnberg über 90 Minuten spielen. Holland machte eine solide Partie, der Trainer war zufrieden. „Gegen den starken Kiyotake hat er das gut gemacht“, sagte Luhukay über das Duell mit dem japanischen Gegenspieler. Ähnlich sieht es Holland selbst: „Ich hatte ein paar Probleme reinzukommen, aber dann lief es sehr ordentlich.“

Es war erst sein viertes Bundesligaspiel – und so schnell hatte niemand damit gerechnet. Denn vor der Saison musste Holland sich erst mal hinten anstellen. Für seine Position auf der linken Abwehrseite verpflichtete Hertha BSC den erfahrenen Johannes van den Bergh. Recht schnell zeichnete sich ab, dass der Zugang aus Düsseldorf gesetzt sein würde. „Ich habe damit gerechnet, dass es schwierig wird. Ich musste mich im Training einfach zeigen“, sagt Holland

Nun profitiert der Blondschopf nicht nur von seinen Trainingsleistungen. Doch dass Luhukay sich nach van den Berghs Verletzung für Holland entschied, unterstreicht das Vertrauen des Trainers. Mit Levan Kobiashvili hätte auch die Erfahrung aus 336 Bundesligaspielen bereit gestanden. „Er spielt das, was er kann. Defensiv versucht er, Stabilität reinzubringen. Und offensiv will er sich hin und wieder mit einschalten“, sagt Luhukay und spricht den entscheidenden Punkt an.

Denn was Holland gut kann, ist vor allem verteidigen. Wegen seiner Hartnäckigkeit im Zweikampf bezeichnete Luhukay ihn einst als „Pitbull“. Was Holland nicht so gut kann, ist das Offensivspiel. Trotz seiner guten Technik. „Es ist nicht so, dass ich nicht nach vorn spielen kann“, sagt er zwar. Der Beweis dafür steht allerdings noch aus. In 22 Profispielen für Hertha brachte er es auf nur eine Torvorlage. Gegen Nürnberg schlug er keine einzige Flanke in den gegnerischen Strafraum. Dazu kommt, dass ihm die für einen Außenbahnspieler nötige Schnelligkeit abgeht.

Holland, das vergessen viele, ist eigentlich gelernter defensiver Mittelfeldspieler. Weil er aber auch links spielen kann, hat er sich auf ebendieser Position festgebissen. Und taugliche Linksverteidiger sind schwer zu finden. So ist Holland zwar kein kompletter Spieler, aber seine Flexibilität kommt ihm entgegen: Während Fanol Perdedaj bei Hertha keine Rolle mehr spielt, weil er nirgendwo anders als auf der Sechs spielen kann, wurde Hollands Vertrag im Dezember 2012 vorzeitig bis 2016 verlängert. Der gebürtige Berliner profitiert auch davon, dass er sich absolut in den Dienst der Mannschaft stellt und Organisationstalent zeigt. Das brachte ihm bereits zu Jugendzeiten den Ruf des Trainerspielers ein. Was nicht despektierlich gemeint ist, sondern als Lob.

Frühestens in einer Woche wird van den Bergh zurückkehren. Und so wird der fleißige Holland wohl auch gegen den Hamburger SV wieder in der Startelf stehen. „Der HSV ist ein schwierig einzuschätzender Gegner, aber wir können da positiv reingehen“, sagt er. Vielleicht wird Holland dann sogar die eine oder andere Offensivaktion wagen. Gegen die Abwehr der Norddeutschen war zuletzt vieles möglich.