Neuzugang

„Ich glaube an die Füchse-Familie“

Silvio Heinevetter unterschreibt beim Berliner Handballklub einen Vertrag bis 2018

Es passierte abends in der Spielbank. Gerade hatte Silvio Heinevetter bei der Teampräsentation der Füchse unter frenetischem Applaus die Bühne verlassen, da näherte er sich am Ausgang Bob Hanning und Frank Steffel. Der Torhüter reichte dem Geschäftsführer und dem Klubpräsidenten die rechte Hand und nickte einmal kurz, aber mit Nachdruck. Damit war die Entscheidung gefallen: Silvio Heinevetter bleibt den Füchsen treu, der 28-Jährige unterschrieb am Mittwoch unmittelbar vor dem Play-off-Spiel um den Einzug in die Champions League gegen den HSV Handball (30:30, siehe Text unten) einen Vertrag bis 2018.

„Ich habe von Anfang an gesagt, dass ich ein Teil des Ganzen sein möchte und etwas mit aufbauen will. Ich glaube an das Potenzial der Füchse-Familie, daher war auch für mich die lange Laufzeit die logische Konsequenz“, sagte Heinevetter und lächelte: „Und natürlich fühle ich mich in Berlin sauwohl.“

Entscheidung gegen Geld

Wochenlang war darüber spekuliert worden, ob Heinevetter in Berlin bleibt oder womöglich dem Lockruf des Geldes aus den Norden erliegt. Der HSV hatte seit Mitte Juni offen um die Dienste des deutschen Nationaltorhüters gebuhlt und dem gebürtigen Thüringer auch ein lukratives Angebot unterbreitet. Die Hamburger verfügen mit neun Millionen Euro über einen fast doppelt so hohen Etat wie die Füchse. Doch Geld ist für Heinevetter offenbar nicht alles. „Es ist normal, dass auch andere Vereine Interesse zeigen. Entscheiden muss man das jedoch selbst im engsten Kreis. Daher habe ich mir die Zeit für die Entscheidung genommen“, erklärte Heinevetter.

„Wir sind sehr stolz darauf, dass er sich für uns entschieden hat“, freute sich Manager Hanning über die Unterschrift des Torhüters. „Silvio passt perfekt in die Füchse-Familie, und man sieht an seiner Entscheidung, dass das im Sport auch eine Wertigkeit hat. Die Personalie ist für die Nachhaltigkeit der Füchse von enormer Bedeutung.“ Der Hauptstadtklub steht für eine kontinuierliche Entwicklung und seriöses Wirtschaften. Der Zahlung exorbitanter Gehälter, die schon so manchen Verein in die Insolvenz getrieben hat, verschließen sich die Füchse mit aller Konsequenz. Nachdem der Ton zwischen den Klub-Präsidenten der Füchse und dem HSV wegen des Gezerres um Heinevetter eskaliert war, waren nach der Vertragsunterschrift des Torhüters milde Töne zu vernehmen. „Ich finde es gut, wenn Spieler, die eine Strahlkraft für einen Verein haben, bei ihrem Klub bleiben. Das war ja früher im Fußball bei Uwe Seeler und Wolfgang Overath genauso“, sagte Hamburgs Klubchef Matthias Rudolph gelassen.

Seit 2009 steht Heinevetter im Tor der Berliner, er wuchs dort zur deutschen Nummer eins heran und spielte sich mit seinen spektakulären Paraden rasch in die Herzen der Fans. Und natürlich hat der Schlussmann, den Hanning einst als positiv-verrückt bezeichnete, maßgeblichen Anteil am sportlichen Aufstieg der Berliner. Die Füchse haben sich in der Beletage des deutschen Handballs als Spitzenmannschaft etabliert und sind auch im europäischen Vereinshandball eine feste Größe geworden.

Der gute Ruf ist auch ein Verdienst von Silvio Heinevetter. Er ist die zurzeit schillerndste Figur im deutschen Handball. Seine extravagante Art Handball zu spielen, aber auch die Art und Weise, wie er sich abseits des Felds gibt, lassen ihn aus der Masse herausragen. Es sind aber nicht nur die außergewöhnlichen sportlichen Leistungen, die Heinevetter so begehrt machen. Zusammen mit seiner Lebensgefährtin, der Schauspielerin und „Tatort“-Kommissarin Simone Thomalla, gehört „Heine“ inzwischen zum Jetset und ziert nicht selten die Klatschseiten der Regenbogen-Presse. Der Schlussmann mit den langen Haaren und dem Vollbart ist längst zu einer Marke geworden.

Große Liebe zur Stadt

Privat ist Heinevetter eher ruhig, aber mit dem Anpfiff kochen die Emotionen hoch. „Dann legt sich bei mir ein Schalter um, ich lebe meine Gefühle so richtig aus. Es ist bei mir so wie bei Dr. Jekyll und Mr. Hyde, im Spiel kenne ich weder Freund noch Feind, danach bin ich wieder ganz normal“, erklärt er. Für seine Emotionalität auf dem Feld macht Heinevetter das Adrenalin verantwortlich. Schmerzen spürt er nicht. Die kämen erst am Abend auf dem Sofa.

In der Beziehung mit Simone Thomalla ist Heinevetter gereift, der Rote Teppich macht ihm keine Angst. Sicher schreitet er Arm in Arm mit „seiner Frau“, wie er seine Lebensgefährtin bezeichnet, durch die Promi-Welt und gewährt auch private Einblicke. So gab er zu, ein Fan von Schlagersängerin Andrea Berg zu sein. Mit seinen Freunden klopft er gern auch mal Skat. „Eben ganz normal“, sagt der Schlussmann.

Trotz seiner Popularität kann Heinevetter in der Weltmetropole Berlin auch in der Anonymität untertauchen, ganz er selbst sein. „Silvio weiß, was er an Berlin hat“, sagt Füchse-Präsident Frank Steffel, „er passt in die Stadt – wie nur wenige andere Sportler. Er ist ein ostdeutscher Junge, er ist mittlerweile ein Berliner Junge.“ Das sieht auch Bob Hanning so. „Er hat hier mit Simone Thomalla seine große Liebe und mit Petr Stochl einen Torwartkollegen, mit dem er extrem gut klar kommt. Außerdem wohnt auch seine Familie nicht so weit entfernt“, sagte der Manager: „Wir hatten am Ende einfach die besseren Argumente.“