Hertha BSC

Sorgenkind Ronny tankt neues Selbstbewusstsein

Zweiter Kurzeinsatz, zweiter Treffer für den Brasilianer

Da mochten die Nürnberger Spieler mit dem Unparteiischen diskutieren. Sie gestikulierten, riefen zum Assistenten an der Seitenlinie herüber, die Fans pfiffen gellend – einen kümmerte die Aufregung im Grundig-Stadion nicht. Ronny hatte es gehalten wie in der vergangenen Saison. Wenn es Elfmeter für Hertha gab, griff sich der Brasilianer den Ball und damit die Verantwortung.

Ronny zeigte Nervenstärke. Kein Gedanke daran, dass seine Saisonvorbereitung eher ein Desaster gewesen war. Kein Gedanke, dass Ronny auch gegen Nürnberg zunächst nicht in der Startelf gestanden hatte. Kein Gedanke daran, dass Ronny seinen letzten Elfmeter verschossen hatte (am 25. Februar gegen Kaiserslautern). Als im Tohuwabohu von Nürnberg Schiedsrichter Guido Winkmann den Ball freigab, zögerte Ronny keinen Augenblick. Konzentriert lief der Brasilianer an, schaute, wie sich FCN-Torwart Raphael Schäfer für die linke Ecke entschied und jagte den Ball flach ins rechte Eck. Es war das 2:1-Führungstor.

Alle Kollegen stürmten heran, um Ronny zu gratulieren. Sie wissen, dass Herthas Nr. 12 eine schwierige Zeit durchlebt. Er, der herausragende Spieler der vergangenen Zweitliga-Saison, ist derzeit zweite Wahl. Alexander Baumjohann, der Neue aus Kaiserslautern, hat Ronny den Stammplatz abgejagt.

Aber wieder einmal zeigte sich, dass im modernen Fußball Schlagzeilen der Machart „Wie lange halten die Wackel-Stars noch still?“ keinen Sinn machen, Ronny war dort auch aufgezählt. In Nürnberg musste sich der Herthaner bis zur 66. Minute gedulden, ehe er eingewechselt wurde. Beim Kantersieg gegen Frankfurt in der Vorwoche kam er auf 14 Einsatzminuten. Doch im Fußball 2013 braucht es einen großen Kader – und Qualität auf der Bank. Bereits gegen die Hessen hatte Ronny etwas fürs Selbstbewusstsein getan mit seinem Treffer zum 6:1-Endstand.

Auch im zweiten Teilzeit-Einsatz dieser Bundesliga-Saison war Ronny erfolgreich, diesmal vom Punkt aus. „Ronny hat seine Qualitäten“, sagte Trainer Jos Luhukay über das Sorgenkind der vergangenen Wochen. „Er ist keine Geheimwaffe. Ronny hat in der vergangen Saison gezeigt, dass er für uns Spiele entscheiden kann. Diesmal hat es wieder mit einem Elfmeter geklappt. Die Einwechslung habe ich gemacht, weil ich der Meinung war, dass wir hoch überlegen waren und ich gewinnen wollte.“