Aufschwung

„Es steckt noch viel mehr in uns“

Für Herthas Angreifer Adrian Ramos ist der Berliner Aufschwung noch nicht beendet. Er selbst will mehr als elf Tore dazu beitragen

Während des Interviews hält Adrian Ramos ein Foto in den Händen. Es zeigt Herthas kolumbianischen Angreifer mit einem Zehnjährigen im blau-weißen Trikot. Ramos hat es nach dem Training von dem jungen Fan geschenkt bekommen. Bei den Berliner Anhängern steht der 27-Jährige wieder hoch im Kurs, seit es um ihn keine Wechselgerüchte mehr gibt und er sich mit starken Auftritten als Nummer eins im Sturm der Blau-Weißen festgespielt hat. Mit Chiara Behrens de Luna, Uwe Bremer und Jörn Meyn sprach Ramos über Herthas heutiges Auswärtsspiel gegen den 1. FC Nürnberg (15.30 Uhr/im Liveticker bei morgenpost.de), seinen Traum von der WM in Brasilien und Momente, in denen er alles um sich vergisst.

Berliner Morgenpost:

Herr Ramos, genießen Sie es, dass es endlich mal keine Wechselgerüchte um Sie gibt?

Adrian Ramos:

Es wurde in der Vergangenheit immer sehr viel über meine Person gesprochen, und das hat mich belastet. Jetzt ist es viel ruhiger. Das gefällt mir besser. Ich kann mich jetzt nur auf Hertha konzentrieren. Mehr will ich nicht.

Sie haben in der vergangenen Saison elf Tore in der Zweiten Liga erzielt. Eine gute, aber keine herausragende Quote. Nun sind es nach nur einem Spiel schon zwei Treffer auf Ihrem Konto. Haben Sie sich eine bestimmte Marke als Ziel gesetzt?

Ich will mehr als elf Tore schießen. Das wäre schön. Als Stürmer will man natürlich gern so viele Tore machen wie möglich. Aber es gehört im Fußball eben mehr dazu als nur die Anzahl der eigenen Tore. Wenn wir am Ende unser Ziel erreichen, dann haben wir alle etwas dazu beigetragen. Egal, wie viele Tore ich geschossen habe.

Wie schon in der vergangenen Saison zehn Mal, haben Sie auch gegen Eintracht Frankfurt vor einer Woche das erste Tor im Spiel für Hertha erzielt. Ist das „Türöffnen“ einfach Ihre Spezialität?

Ehrlich gesagt, kann ich mir das auch nicht erklären (lacht). Ich nehme mir das nicht extra vor. Ich gehe einfach raus und tue alles dafür, dass der Ball im Netz ist. Das ist auch ein bisschen Glück. Ich danke Gott dafür, dass es bisher oft geklappt hat.

Sie haben immer von einem Top-Klub geträumt. Sie sind jetzt 27 Jahre alt. Kommt der noch in Ihrer Karriere?

Es gibt immer Träume und Illusionen, aber ich muss in der Gegenwart leben. Die Gegenwart ist Hertha, und uns geht es gerade wieder richtig gut. Wir sind toll in die Saison gestartet, und wir hoffen, dass es gegen Nürnberg so weitergeht. Dann bin auch ich glücklich.

Ein weiterer Traum von Ihnen ist die WM auf Ihrem Heimatkontinent Südamerika 2014. Haben Sie derzeit Kontakt zu Ihrem Nationaltrainer José Pekerman?

Nein, derzeit gibt es zwischen uns keinen Kontakt.

Glauben Sie, dass Sie unter Pekerman eine realistische Chance auf die WM haben?

Das hoffe ich. Momentan denke ich aber nur darüber nach, mit Hertha erfolgreich zu sein. Treffe ich weiter, wird er sich melden.

Ihnen wird ein besonderes Verhältnis zu Ronny nachgesagt. Wie erleben Sie ihn in den vergangenen Wochen? Er ist nun ja nicht mehr Stammspieler.

Ich habe nicht das Gefühl, dass Ronny sich hängen lässt, wie es zum Teil berichtet wurde. Er trainiert hart und mit viel Freude. Dass er jetzt erst einmal auf der Bank sitzt, ist eine Entscheidung des Trainers. Die muss man respektieren. Ich bin aber sicher, dass er bald wieder spielen wird.

Ihr Trainer Jos Luhukay hat Ihr Zusammenspiel mit Ronny im vergangenen Jahr als außergewöhnlich beschrieben. Wie funktioniert es bisher mit Alexander Baumjohann, der Ronny verdrängt hat?

Hat sich Ihre Rolle auf dem Feld im Vergleich zur Zweiten Liga verändert?

Eigentlich hat es sich nicht so sehr verändert. Vielleicht habe ich im Offensivspiel nun ein bisschen mehr Platz, denn in der Bundesliga verteidigen die Mannschaften höher und stehen gegen uns nicht nur hinten drin.

Passt die erste Liga einfach besser zu der Art, wie Sie spielen?

Das Niveau in der Bundesliga ist natürlich viel höher. Hier wird viel mehr Fußball gespielt, und das kommt uns sehr entgegen. Wir müssen dennoch schauen, dass wir unsere Leistungen stabilisieren. Dann können wir auch eine gute Rolle spielen.

Ihr Vertrag in Berlin läuft noch bis 2015. Gibt es bereits Gespräche über eine vorzeitige Verlängerung?

Momentan bin ich nur auf die Gegenwart fixiert. Das sind ja immer noch zwei Jahre, bis der Vertrag ausläuft. Ich bin sehr zufrieden bei Hertha und sehr entspannt, was meine Vertragssituation angeht. Alles wird sich fügen.

Sie gelten als ruhiger, introvertierter Typ. Gibt es auch Momente, in denen Sie auch einmal voll aus sich herausgehen?

Ich weiß, dass die Leute mich als sehr ernst wahrnehmen. Aber die Menschen, die mich kennen, wissen, dass ich ein sehr, sehr glücklicher Mensch bin, der auch mal lustig sein kann. Aus mir heraus gehe ich natürlich beim Torjubel. Aber auch bei meiner Tochter kann ich sehr lustig sein. Da vergesse ich alles um mich herum. Und in der Kabine bei uns gibt es ja genug Spieler, die gerne Witze machen. Da kann ich mich vor Lachen manchmal gar nicht mehr halten.