Baustellen

HSV-Heimstart endet im Debakel

Herthas nächster Gegner geht gegen Hoffenheim mit 1:5 unter. Wutrede von Fink

René Adler stand im Kabinentrakt der Hamburger Arena und schüttelte immer wieder ungläubig den Kopf. „Das war eine Demontage, absolut katastrophal“, motzte der Nationalkeeper nach dem blamablen 1:5 (1:1) des Hamburger SV gegen 1899 Hoffenheim. „Man sieht, dass eine harte Saison vor uns liegt“, meinte Adler und legte nach: „Die Fans tun mir leid. Sie müssen für diese Scheiße auch noch Geld bezahlen.“ Fest steht: In dieser Form dürfte es der selbst ernannte Anwärter auf einen Europacup-Platz schwer haben in der Liga.

Auch Trainer Thorsten Fink ging mit seinem Team nach dem Heim-Debakel hart ins Gericht. „Das Defensivverhalten war sehr, sehr, sehr schlecht. Das war ein Lehrbeispiel, wie man es nicht macht“, sagte Fink gereizt und haderte mit der fast schon chronisch fehlenden Konstanz im Hamburger Spiel: „Die Mannschaft lässt mich seit eindreiviertel Jahren nicht einmal zwei bis drei Spieltage durchatmen.“

Die Defensive wird zunehmend zum großen Problem des HSV. Saisonübergreifend kassierten die Hanseaten nun schon zum elften Mal hintereinander ein Gegentor, allein acht in den bisherigen zwei Partien der Saison – und damit so viele wie seit 1987/1988 nicht.

Innenverteidiger Heiko Westermann sprach von einem „Scheißtag. Wir sind von der ersten Minute an nicht in die Zweikämpfe gekommen. Das Ergebnis tut weh“, so der ehemalige Kapitän. Am Ende hätte der Hoffenheimer Sieg sogar noch höher ausfallen können.

Doch auch der Hamburger Angriff gleicht nach zwei Spieltagen einer riesengroßen Baustelle. Das Experiment, ohne „echten“ Neuner zu spielen, dürfte von Trainer Fink nach dem lausigen Auftritt schnell wieder zu den Akten gelegt werden. Selbst als der Lette Artjoms Rudnevs, immerhin Hamburgs Top-Torjäger der vergangenen Saison, nach einer guten Stunde ins Spiel kam, verbreitete der HSV keinerlei Torgefahr. Eine äußerst löchrige Abwehr, ein harmloser Angriff: Eine Woche nach dem beachtlichen Remis auf Schalke (3:3) war der Bundesliga-Dino gegen den Fast-Absteiger der vergangenen Saison nicht wiederzuerkennen. Nichts war mehr zu spüren von dem „neuen Geist“, den Fink noch in der Vorwoche ausgemacht hatte.

Selbst der zwischenzeitliche Ausgleich durch Kapitän Rafael van der Vaart kurz vor der Pause (44.) durch einen verwandelten Handelfmeter gab dem Team keine Sicherheit – im Gegenteil: Im zweiten Abschnitt wurde der HSV von den agilen Gästen über weite Strecken sogar vorgeführt.

Die Hoffenheimer Spieler feierten den Überraschungscoup am 44. Geburtstag ihres Trainers Markus Gisdol mit einer zünftigen Kabinenfete. Bei Hip-Hop-Beats wurde zudem auf den höchsten Auswärtssieg der Bundesliga-Geschichte angestoßen, den der überragende Roberto Firmino (5., 77.), Kevin Volland (50.) und Anthony Modeste (67., 74.) mit ihren Treffern sicherstellten. „Ich bin sehr glücklich, denn das war ein sehr stabiler Auftritt meiner Mannschaft. Es gab wenig Phasen, in denen wir nachlässig waren“, meinte Gisdol und zollte seiner Mannschaft großen Respekt. Mit vier Punkten aus den ersten beiden Spielen gelang 1899 ein überraschend guter Bundesliga-Start.

Thorsten Fink hat in Hamburg nun jede Menge Arbeit vor sich: „Wir brauchen nichts zu beschönigen, müssen aber trotzdem nach vorn schauen und uns den Kredit bei den Fans zurückholen“, sagte der Hamburger Trainer kämpferisch. Ob das schon am nächsten Sonnabend gelingen wird, darf dennoch bezweifelt werden. Dann gastiert der Hamburger SV im Olympiastadion beim gut in die Saison gestarteten Aufsteiger Hertha BSC.