Fußball

„Hertha fährt nicht noch mal vor die Wand“

Martin Bader, Manager von Berlins nächstem Gegner Nürnberg, traut dem Team von Trainer Jos Luhukay in diesem Jahr Großes zu

– Wenn Hertha BSC am Sonntag (15.30 Uhr/im Liveticker bei morgenpost.de) beim 1. FC Nürnberg zu Gast ist, dann wird die Partie für Martin Bader keine ganz gewöhnliche sein. Denn Nürnbergs Sportvorstand hat eine Berliner Vergangenheit: Seine Managerkarriere begann der 43-Jährige 1998 bei Hertha. Bei den Blau-Weißen arbeitete Bader als Assistent des damaligen Managers Dieter Hoeneß und leitete später die Fußballabteilung. Seit 2003 ist er beim „Club“. Mit Lars Gartenschläger sprach Bader über Herthas fulminanten Saisonstart und die Solidarität unter Bundesligaklubs.

Berliner Morgenpost:

Herr Bader, hätten Sie Hertha den starken Auftakt zugetraut?

Martin Bader:

Wir freuen uns auf die Berliner. Ich habe schon vor dem Saisonstart gesagt, dass die Mannschaft gut ist. Sie sind zwar vom Papier her ein Aufsteiger, aber man nimmt Hertha ganz anders wahr. Jede Saison liefert die Bundesliga ja negative und positive Überraschungen. Und ganz ehrlich: Ich traue Hertha zu, eine ähnliche Saison hinzulegen wie Eintracht Frankfurt im Vorjahr.

Was macht Sie da so sicher?

Das liegt unter anderem an Trainer Jos Luhukay. Er ist richtig gut. Er weiß, wie die erste Liga funktioniert. Zudem hat Hertha gut eingekauft. Hajme Hosogai etwa ist exzellent, der hätte uns auch gut zu Gesicht gestanden. Die Mannschaft ist sehr gut zusammengestellt. Sie ist jung und entwicklungsfähig. Und dann habe ich das Gefühl, dass Hertha aus den vergangenen zwei, drei Jahren gelernt hat. Zumindest wird das verkörpert. Ich denke nicht, dass Hertha noch einmal so vor die Wand fährt. Da stimmt inzwischen sehr viel. Die Kombination mit Jos und Manager Michael Preetz passt. Es ist Ruhe im Verein, du hörst in der Ferne gar nichts mehr.

Schauen Sie da nicht neidisch auf Ihren ehemaligen Arbeitgeber?

Nein. Ich bin froh, dass ich nicht so viele Verbindlichkeiten habe wie Hertha. Und ansonsten ist es nun mal so, dass Hertha ganz andere Rahmenbedingungen hat als wir. Berlin ist eine Metropole. Wir hier in Nürnberg versuchen das so hinzubekommen und zu gestalten, dass man mit dem 1. FC Nürnberg in Deutschland etwas anfangen kann. Und ich denke, das kann man. Wir kommen über das Thema Tradition und leben heute auch noch vom Pokalsieg 2007. Dieser Gewinn war nicht selbstverständlich. Und dann ist es auch so, dass wir unsere Grenzen noch nicht ausgereizt haben.

Was meinen Sie genau?

Das heißt, dass wir ein Bundesliga-Verein sind, der noch nicht an seine natürlichen Grenzen gestoßen ist. Wir haben noch Wachstumspotenzial in einigen Bereichen, etwa in Bezug auf das Stadion. Und wenn da noch an uns arbeiten, werden wir als 1. FC Nürnberg weiter eine gute Rolle im deutschen Fußball spielen. Zweimal Platz zehn, einmal Platz sechs – das war kein Zufall in den vergangenen drei Jahren. Wir gehen demütig an alle Themen ran. Wenn die anderen Klubs ihre Hausaufgaben machen, müssen wir uns noch mehr anstrengen.

Das ist nicht immer einfach.

Aber so ist es. Wir haben den drittkleinsten Personaletat in der Liga. Nur Braunschweig als Aufsteiger und Augsburg sind noch hinter uns.

In Bezug auf das finanzielle Ungleichgewicht hat Eintracht Frankfurts Vorstandschef Heribert Bruchhagen gerade erst vorgeschlagen, dass Vereine wie der FC Bayern Teile der Champions-League-Gelder an die nationale Konkurrenz abgeben müssten. Was halten Sie davon?

Gar nichts. Ich halte nichts von Sozialismus. Es ist natürlich ein vernünftiger Ansatz, sich Gedanken zu machen, damit bestimmte Klubs nicht immer weiter wegrennen. Allerdings wird es immer eine Daseinsberechtigung für die Frankfurts, Gladbachs oder Nürnbergs dieser Erde geben. Möglicherweise wird es vielleicht nicht reichen, um ganz da oben einzubrechen. Aber ich finde es bemerkenswert, dass im Schnitt 40.000 Menschen zu unseren Heimspielen kommen, obwohl sie wissen, dass du höchstwahrscheinlich keine Chance hast, in die Spitzengruppe vorzupreschen. Trotzdem machen wir keinen schlechten Job. Und darum geht’s. Ich habe keine Lust, unrealistische Dinge zu formulieren, zumal es ja nicht mal sicher ist, ob ich in der Lage wäre, mit mehr Geld auch die großen Spieler zu bekommen. Für uns geht es darum zu untermauern, dass wir eine Berechtigung haben, ein Teil der Bundesliga zu sein. Wir begeistern die Leute auf eine andere Art und Weise, vielleicht über Spieler wie Wollscheid, Ekici oder Gündogan, die über Nürnberg den Weg zu höheren Aufgaben gefunden haben.

Und deshalb stört es Sie auch überhaupt nicht, dass Sie in der Liga unter anderem als der Verein wahrgenommen werden, bei dem Spieler mit Potenzial mal ein, zwei Jahre kicken und dann teuer weiterverkauft werden?

Dass ein Daniel Ginczek, der in der Zweiten Liga gespielt hat, für sich sagt, dass Nürnberg jetzt die richtige Adresse ist, spricht doch für uns. Er hatte auch andere Angebote. Das Gleiche gilt für Josip Drmic, der aus Zürich kam. Das hat für mich viel mehr Wert. Und wenn es so ist, dass sie bei uns besser und interessant für Top-Klubs werden, ist das eben so. Das betrifft doch alle Vereine bis auf die Bayern. Selbst der BVB konnte Mario Götze nicht mehr halten. Und auch Gladbach musste nach seinem vierten Platz vor zwei Jahren Reus, Dante und Neustädter ziehen lassen. Warum soll es bei uns anders sein? Das ist kein Makel auch im Hinblick auf die Vermarktung.