Weltmeisterschaft

Schwimmer diskutieren über verfälschte WM-Ergebnisse

Starke Strömungen sind bislang Privileg der Freiwasserschwimmer gewesen, nun soll es diese auch bei den Weltmeisterschaften im Pool von Barcelona gegeben haben.

Eine in der französischen Zeitung „Le Monde“ veröffentlichte Studie kommt zu dem Schluss, die Resultate seien „weitgehend verzerrt“ worden. Zehn bis 14 Medaillen, darunter drei goldene, gehörten demnach eigentlich in andere Hände.

Das klingt wie eine Verschwörungstheorie, als werde nach einer Ausrede für miese Leistungen gesucht. Dieser Erklärungsansatz fällt aber weg, denn es waren an vorderster Front die Franzosen, die aufmuckten – und die sammelten nach dem US-Team die meisten Medaillen im WM-Pool. An eine völlig unwahrscheinliche Theorie glaubt auch Bundestrainer Henning Lambertz nicht. „Nein, da ist was dran“, sagt er.

Die Berlinerin Dorothea Brandt, Aktivensprecherin der Deutschen und Achte über 50 Meter Freistil, erzählt: „Ab dem zweiten Tag war die Strömung Gesprächsthema unter den Athleten.“ Vor allem die Zwischenzeiten auf den Langstrecken ließen stutzen. Statt eines gleichmäßigen Rennverlaufs verlor der Athlet auf der einen 50-Meter-Bahn stets an Zeit, holte das aber auf der entgegengesetzten Bahn wieder auf. Das konnte nur an einer Strömung liegen, die schiebt oder bremst.

Auslöser soll die Filteranlage des portablen Schwimmbeckens gewesen sein. Auf der Startseite wurde auf den Bahnen fünf bis zehn Wasser eingepumpt, so dass die Athleten mit der Strömung schwammen. Auf der Wendeseite wurde auf den Bahnen null bis vier Wasser eingepumpt, dort hatte man es auf der ersten Bahn also schwerer. Ab 100 Metern glich sich das aus, bei den Sprintdistanzen aber wären die Starter auf den Bahnen null bis vier benachteiligt. Brandt schwamm auf eins. Und: Von den 24 Sprintmedaillen gingen 17 an Starter der Bahnen fünf bis acht. Das ist ungewöhnlich. Pro Bahn soll die Strömung bis zu zwei Zehntelsekunden ausgemacht haben. „Ich mochte nach dem Rennen nicht über das Thema sprechen, weil ich nicht wollte, dass es wie eine Ausrede klingt“, sagte Brandt.

Dennoch bleibt abzuwarten, was nun weitere Untersuchungen ergeben – vor allem mit Blick auf die EM 2014 in Berlin. Dort wird auch ein portabler Pool ins Velodrom eingebaut – wohl vom selben Hersteller.