Nationalmannschaft

Im Dutzend ohne Schweinsteiger

Gegen Paraguay fehlen heute einige Stars, das wird Löw in der WM-Vorbereitung öfter passieren

Es ist das letzte Länderspiel im ungeliebten August – und das gegen den falschen Gegner. Eigentlich wollten Joachim Löw und die deutsche Fußball-Nationalmannschaft die WM-Saison mit einem echten Kracher gegen den Rekordchampion und WM-Gastgeber Brasilien eröffnen. Doch Vertrags-Querelen verhinderten das Prestigeduell. Statt Brasilien heißt der südamerikanische Proband am Mittwoch (20.45 Uhr/ZDF) nun Paraguay. „Es ist wichtig, dass wir mit dem Spiel gut in die Saison starten“, sagte der Bundestrainer zu der Ersatzlösung.

Robustes Spiel statt Samba

„Südamerikanischer Fußball ist nicht immer nur Samba-Fußball, das ist ein Irrglaube. Mannschaften wie Paraguay können auch wahnsinnig robust spielen, schonen weder sich noch den Gegner“, bemerkte Löw. Entscheidend sei, dass man sich nach vielen Duellen gegen Europäer in der Vorbereitung auf die WM im kommenden Sommer endlich wieder mit einer anderen Spielkultur messen könne, auch wenn es nicht Brasilien ist. „Sie gehen rigoros in die Zweikämpfe, sind auch technisch sehr gut“, sagte Löw zu dem Kontrahenten.

Dass der Länderspielauftakt sozusagen als Kaltstart erfolgt, da die Bundesliga gerade erst ihren ersten Spieltag hinter sich hat und die sieben Legionäre im 20-köpfigen Kader sogar noch ganz ohne Wettkampfpraxis sind, spielt für Löw nur eine untergeordnete Rolle. Zumal es seit 2006 nur eine Niederlage im August gab – im Vorjahr mit 1:3 gegen Argentinien. „Die Nationalmannschaft rückt wieder stärker in den Fokus, prophezeite der Coach für die kommenden Monate.

Ohnehin ist es das letzte Mal, dass die deutschen Stars um Philipp Lahm, Mesut Özil und Lukas Podolski zu dem frühen Saisonzeitpunkt einen Länderspiel-Kaltstart hinlegen müssen. Der Weltverband Fifa hat ab kommendem Jahr mit der Neuordnung des internationalen Spielkalenders den August-Termin gestrichen. „Wir haben bisher noch gar kein richtig hartes Spiel bestritten“, berichtete der Wahl-Engländer Podolski von seiner Vorbereitung mit dem FC Arsenal. Die Bayern-Profis Bastian Schweinsteiger (fehlt bereits beim zwölften Löw-Testspiel in Folge, kann so aber sein 100. Länderspiel am 6. September bei der WM-Qualifikation gegen Österreich in München bestreiten), Mario Götze und Toni Kroos und der Schalker Julian Draxler fehlen ohnehin, die Dortmunder Marco Reus und Ilkay Gündogan sind angeschlagen.

Dennoch will Löw seine Liebe zum attraktiven Offensivspiel nicht aufgeben, dank solcher Tests will er für mehr Konstanz im defensiven Bereich sorgen, nachdem der Durchschnitt der Gegentore im vorigen Länderspieljahr auch wegen ständig wechselnder Abwehr-Besetzungen auf 1,55 pro Partie gestiegen war: „Es ist mit das Schwierigste überhaupt, defensiv stabil zu stehen ohne Catenaccio und vorn drei, vier Tore zu erzielen.“ Den bisher einzigen Vergleich mit Paraguay gewann Deutschland übrigens im WM-Achtelfinale 2002 mit 1:0. In der laufenden WM-Qualifikation ist die Albirroja um den Ex-Münchner Roque Santa Cruz allerdings bereits raus.

Diesmal kein Familientreffen

Über Paraguay hinaus macht Löw sich bereits intensive Gedanken über die schwierige WM-Vorbereitung. „Es ist eine Überlegung, dass wir den Spielern ein paar Tage freigeben und dann möglichst gemeinsam in die Vorbereitung starten“, erwägt der Bundestrainer einen Verzicht auf den traditionellen gemeinsamen Familienurlaub der Nationalspieler. Vor der EM 2012 waren in dem Urlaubscamp auf Sardinien nur elf von 27 Spielern dabei. Alle Akteure von Bayern München, Borussia Dortmund und die Auslandsprofis aus Spanien und Italien stießen erst später zum DFB-Tross hinzu.