Rücktritt

Fußballstar Rost bei HSV Handball schnell gefeuert

Eklat beim Füchse-Rivalen nach nur sechs Wochen

Alles sollte so sein wie in den Tagen zuvor. Frank Rost erschien auch am Dienstagmorgen auf der Geschäftsstelle des HSV Handball, ging in sein Büro und machte sich an die Arbeit. Dass er manch staunendes Gesicht bei seinen Kollegen hinterließ, schreckte den Geschäftsführer nicht weiter, im Laufe seiner Karriere hatte der 40-Jährige schließlich schon einige Mitstreiter mit seiner Art überrascht. Doch diesmal war ja alles ein bisschen anders: Rost hatte nach Medienberichten am Abend zuvor um Auflösung seines Vertrages gebeten – warum erschien er dann nur Stunden später, als sei nichts gewesen?

Das vermeintlich falsche Spiel machte der frühere Fußball-Nationaltorhüter gekonnt mit. „Ich sitze hier in meinem Büro und habe ein bisschen Arbeit vor mir“, sagte Rost noch am Dienstagmorgen. Über die Berichterstattung um seine Demission beim Champions-League-Sieger wollte er sich nicht weiter äußern. „Wer hat erzählt, dass ich zurückgetreten bin?“, fragte er nur provozierend und verwies an den Präsidenten des HSV Handball: „Wir müssen gar nichts bereden, das müssten Sie mit Herrn Rudolph bereden.“

Herr Rudolph ist Präsident des Klubs, Matthias mit Vornamen und neben Mäzen und Bruder Andreas Rudolph wichtigster Mann beim hanseatischen Bundesligaklub. Doch von einem Rücktritt vom Rücktritt mochte Matthias Rudolph nichts wissen. Weil sich Rost in Transferfragen offenbar übergangen sah, habe der Geschäftsführer selbst um Auflösung seines Vertrages gebeten – und das nur sechs Wochen nach seinem Amtsantritt. „Wir haben uns in Frank Rost getäuscht, und ich bin sehr erstaunt über sein Verhalten“, sagte Rudolph am Dienstagmorgen. „Wenn da einer ist, der sich beleidigt fühlt und gleich wieder hinschmeißen will, dann ist das eine Sache, die wir uns nicht bieten lassen können.“

Offenbar aber hatte Rost nur um Auflösung seines Geschäftsführervertrages gebeten, aber weiter für den HSV arbeiten wollen. Doch Rudolph entsprach der Bitte nicht. Konfrontiert mit der Tatsache, dass der vermeintlich Demissionierte Dienstag an seinem Arbeitsplatz erschien, sagte der HSV-Chef: „Sein Verhalten ist eine Frechheit. Mir hat er gestern gesagt, dass er sein Amt niederlegt und ich ihn beurlauben soll. Aber warum soll ich ihn dann beurlauben? Der will doch jetzt nur Geld haben.“ Am Nachmittag stellte der HSV dann Rost mit sofortiger Wirkung frei. Das vorläufige Ende einer Ehe, die nie glücklich war, weil Rost mit seiner unverblümten Art einigen Unmut erzeugt hatte. „Es hat menschlich nicht gepasst“, so Rudolph. „Wir wollten mit seiner Verpflichtung Probleme lösen und nicht neue schaffen.“ Denn schon am 21. und 23 August geht es für den Titelverteidiger gegen die Füchse Berlin im Play-off-Duell um den Einzug in die Champions League. Unruhe kann da keiner gebrauchen.