Schwimmen

Zwei Frauen in Weltrekordlaune

Spanierin Belmonte und Ungarin Hosszu glänzen beim Berliner Schwimm-Weltcup. Sechs deutsche Bestmarken verwundern

Die Rekordflut beim Berliner Kurzbahn-Weltcup hinterließ beim Chefbundestrainer Fragezeichen. „Wie kann das sein, dass das bei der WM nicht funktionierte?“, kommentierte Henning Lambertz sechs deutsche Rekorde nur eine Woche nach den vielen Enttäuschungen im WM-Becken von Barcelona. Während die internationale Schwimm-Spitze um Ungarns Katinka Hosszu und Spaniens Mireia Belmonte mit vier Weltrekorden beeindruckte, boten die deutschen Teilnehmer zwar keine Siege, aber immerhin ein halbes Dutzend nationale Bestmarken. Der WM-Zweite Marco Koch über 200 Meter und 100 Meter Brust sowie Hendrik Feldwehr (50 Meter Brust) unterstrichen mit Rekorden ihre gute WM-Form.

Hingegen überraschte die Bestmarke von Sarah Köhler über 800 Meter Freistil. Die Frankfurterin unterbot in 8:14,10 Minuten über 800 Meter Freistil den Uralt-Rekord von Astrid Strauss aus dem Jahr 1987. In Barcelona war Köhler wie so viele andere deutsche Schwimmer nicht einmal annähernd an ihre Zeit aus der WM-Qualifikation herangekommen und im Vorlauf „unterirdisch“ (Lambertz) gescheitert. Eine gute Woche später setzte Köhler im Sog der Weltrekordlerin Belmonte nun eine Bestmarke. „Die Frage stellt sich: Was war es? Fehlende Erfahrung oder Druck oder Trainingsmethodik?“, sagte Lambertz.

„Ich bin so ausgeruht wie noch nie in einen Wettkampf gegangen“, antwortete Köhler und wies darauf hin, dass nicht nur sie in der Halle an der Landsberger Allee plötzlich besser schwimme.

Druck auf Britta Steffen

Nach dem dreiwöchigen Sommerurlaub erwartet Lambertz beim ersten gemeinsamen Lehrgang im September in Zinnowitz weitere Antworten der Heimtrainer. In Vier-Augen-Gesprächen will er „ehrliche Meinungen einholen“.

Eine „klare Entscheidung“ erwartet Lambertz übrigens auch von der pausierenden Britta Steffen, die sich in ihrem derzeitigen Urlaub Gedanken über den weiteren Karriere-Weg macht. „Wenn sie sich für irgendwas entscheidet, dann ist diese Entscheidung zu 100 Prozent nötig“, sagte Lambertz. „Sie kann sich auch entscheiden, ich mache nur noch die EM 2014 und nur noch die 50 Meter Kraul, sonst nix. Aber ich will halt nicht dieses Wackeln“, erläuterte Lambertz.

Dabei sei es egal, ob es sich um Britta Steffen, Paul Biedermann oder einen anderen deutschen Schwimmer handele. Nötig sei eine „klare Entscheidung für das, was kommt. Ich glaube, das ist das, was uns teilweise auch fehlt“. Er versuche, allen Athleten zu vermitteln: „Entweder ganz oder gar nicht. Alles andere bringt uns nicht viel, bringt den Athleten nicht viel und uns als Verband nicht viel.“ Falls sich Steffen zu einer Karrierefortsetzung bis Rio 2016 entscheidet, wäre das für Lambertz „wunderbar. Ich freue mich über jeden Tag, den sie schwimmt.“

Unverblümt bekannte Marco Koch trotz gleich zwei deutscher Rekorde: „Ich bin froh, dass es rum ist.“ Der einzige deutsche Medaillengewinner im WM-Becken von Barcelona steigerte seinen erst drei Monate alten deutschen Rekord über 200 Meter Brust auf 2:02,50 Minuten. Über die halbe Distanz blieb er in 56,79 Sekunden ebenfalls unter seinem vier Jahre alten Rekord. „Solche Wettkämpfe machen immer Spaß“, erklärte Koch.

Hendrik Feldwehr steigerte über 50 Meter Brust beim Europarekord des Italieners Fabio Scozzoli (25,72) seine nationale Bestmarke auf 26,37. Franziska Hentke verbesserte ihren deutschen Rekord über 200 Meter Schmetterling auf 2:04,33 Minuten. Wenig später war Markus Deibler über 200 Meter Lagen in 1:53,24 Minuten eine Hundertstelsekunde schneller als seine bisherige persönliche Bestmarke.

Die Weltrekord-Show hatte dagegen internationale Hauptdarsteller: Die Spanierin Mireia Belmonte blieb über die 800 Meter Freistil als erste Frau überhaupt unter acht Minuten. In 7:59,34 verbesserte Belmonte am Sonnabend die bisherige Bestmarke der Französin Camille Muffat um 1,72 Sekunden. Über die halbe Distanz blieb Belmonte in 3:54,52 Minuten tags darauf ebenfalls unter Muffats alter Bestmarke.

80.000 Euro Prämie in einer Woche

Katinka Hosszu bot ihre Lagen-Weltrekorde fünf und sechs binnen fünf Tagen. Die Ungarin steigerte die Bestmarke über 100 Meter um fünf Hundertstelsekunden auf 57,45. Über 400 Meter verbesserte Hosszu in 4:20,85 Minuten ebenfalls die alte Bestmarke. „Ich fühle mich großartig“, sagte sie. Insgesamt gab es für Hosszu in dieser Woche Preisgeld und Weltrekord-Prämien von umgerechnet gut 80.000 Euro. Europarekorde erzielten zudem die Ukrainerin Daryna Zewina in 2:00,81 Minuten über 200 Meter Rücken sowie Rikke Møller Pedersen (Dänemark) in 2:15,93 Minuten über 200 Meter Brust.