Bundesliga

Über berühmte Opas und Glatteis im Sommer

Der erste Bundesliga-Spieltag warf mehrere spannende Fragen auf. Die Morgenpost liefert die Antworten dazu

Erste Spieltage haben ja oft etwas von Chemie-Unterricht, siebte Klasse: Es wird viel experimentiert, wenig klappt, mit Glück raucht es mal ein bisschen. In dieser Saison aber preschte die Liga los wie ein Rennwagen. Mit Toren, vielen schönen Spielzügen und dem vielleicht ersten Trainer mit Einstecktuch im Sakko (Guardiola). Es gab auch reichlich offene Fragen. Die Morgenpost gibt die Antworten dazu.

War das ein Elfmeter-Rekord?

Klares Nein! Gladbachs Alvaro Dominguez hat der Liga ein Novum geschenkt. Gegen Bayern wehrte er erst einen Schuss von Philipp Lahm – versehentlich – mit dem Arm ab. Und als Marc-Andre ter Stegen den Elfmeter von Thomas Müller pariert hatte, lupfte ihm Arjen Robben die Kugel schon wieder gegen die Hand – und es gab binnen 80 Sekunden den zweiten Strafstoß. Den nutzte David Alaba zum 3:1. Statistiker fanden schnell heraus, dass der Kölner Geromel für eine solche Eselei einmal vier Minuten benötigt hatte. „Beide Szenen, die zu den Elfmetern geführt haben, waren sehr ungewöhnlich“, sagte Gladbach-Trainer Lucien Favre salomonisch. Er wird Dominguez vielleicht verzeihen, wenn er sich ins Gedächtnis ruft, dass der Dortmunder Wolfgang Paul im September 1965 gleich drei Elfmeter in einem Spiel verursacht hat. Bei der Partie gegen Mönchengladbach gab Referee Herbert Lutz übrigens gleich fünf Strafstöße – bis heute Rekord. Vier davon wurden übrigens zu Toren genutzt, und der arme Paul durfte sich damit trösten, dass der BVB trotz seiner drei verursachten Elfmeter 5:4 siegte.

Kommt der Chip im Ball nun früher?

Hoffenheims Kevin Volland überlupfte in der Nachspielzeit der ersten Hälfte erst Nürnberg-Torwart Raphael Schäfer, der Ball kam rund 20 Zentimeter hinter der Linie auf und sprang dann wegen des Dralls wieder aufs Feld. Weder Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer noch sein Assistent an der Linie erkannten den Treffer an. Muss jetzt sofort der Chip in den Ball? Ja, sagt Hoffenheim-Trainer Markus Gisdol: „So ein Ding muss gewertet werden. Es tut weh, wenn ich das sehe. Über den Chip im Ball müssen wir nach so einer Szene nicht mehr diskutieren. Die Einführung wäre einfach nur fair.“ Doch die Diskussion ist obsolet. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hat bereits festgelegt, dass die Torlinientechnologie nicht vor 2015 eingeführt wird. Ob sie überhaupt kommt, ist völlig offen. Die vier Hersteller wollen sich bislang nicht verpflichten, für eine geringere Toleranz von bis zu einem Zentimeter zu garantieren.

Wie jung dürfen Spieler sein?

Drei Minuten vor Schluss war Opa bestimmt stolz. Bei Bayer Leverkusen wurde Levin Öztunali eingewechselt und gab somit sein Bundesligadebüt. Uwe Seelers Enkel ist allerdings erst 17 Jahre alt. Darf ein so junger Mann überhaupt schon in der Bundesliga spielen? Ja. Warum, kann am besten Andreas Rettig erklären, Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL). „Alle Spieler der jüngeren und älteren A-Junioren-Jahrgänge dürfen eingesetzt werden“, sagt er. Das umschließt die, „die im Kalenderjahr, in dem das Spieljahr beginnt, das 17. oder das 18. Lebensjahr vollenden oder vollendet haben“. In der Saison 2013/2014 sind dies die Jahrgänge 1995 und 1996. Öztunali wurde am 15. März 1996 geboren. Allerdings wird die DFL bald beantragen, dass auch der ältere B-Jugend-Jahrgang eingesetzt werden darf. Hintergrund: Der HSV-Spieler Jonathan Tah war in der vergangenen Saison bereits auf dem Sprung zu den Profis. Da er aber ebenfalls Baujahr 1996 ist, hätte er nicht eingesetzt werden dürfen. Mittlerweile ist er im Profikader angekommen. Über die Neuregelung muss im Oktober der DFB-Bundestag befinden.

Warum sieht Wolfsburg so oft Rot?

Die Derbys gegen Hannover 96 sind Prestigesache, und das erste verlor Wolfsburg 0:2. Auch, weil gleich zwei Profis vom Platz flogen. Maximilian Arnold stieg nach 32 Minuten überhart ein und sah Rot, der neu verpflichtete Abwehrmann Timm Klose (für sechs Millionen Euro aus Nürnberg gekommen) hatte nach 52 Minuten Feierabend – Gelb-Rot. „Wir haben uns mitten im Sommer aufs Glatteis führen lassen“, sagte Manager Klaus Allofs. Trainer Dieter Hecking mäkelte nach dem Abpfiff herum: „Wir fühlen uns nicht ganz korrekt behandelt.“ Auch Spielgestalter Diego sagte: „Die meisten Entscheidungen des Schiedsrichters waren gegen uns. Das ist nicht normal und hat das Spiel entschieden.“ In der Tat war die Rote Karte gegen Arnold umstritten, aber vertretbar.