Schalke gegen HSV

Spektakel bis zum Schluss

In der letzten Partie des ersten Spieltags bieten Schalke und der HSV beim 3:3 Unterhaltung pur

Zu den 37 Toren, die an diesem ersten Bundesliga-Spieltag der Saison 2013/2014 fielen, haben Schalke 04 und der Hamburger SV in einer unterhaltsamen Partie sechs Stück beigesteuert. Zugang Adam Szalai bewahrte den Champions-League-Aspiranten aus Schalke dabei vor einem Fehlstart in die neue Spielzeit. Der eingewechselte Ungar, der für acht Millionen Euro vom FSV Mainz 05 gekommen war, erzielte den Ausgleich zum 3:3 (2:2) gegen die Norddeutschen.

Gleich zweimal traf Torjäger Klaas-Jan Huntelaar (2. und 45.+2) für die Königsblauen, die einen Traumstart verspielten und ihren Jungstar Julian Draxler früh verletzt verloren. Die Hamburger, die durch zahlreiche Querelen und peinliche Pleiten in der Vorbereitung von sich reden gemacht hatten, führten durch einen Handelfmeter von Rafael van der Vaart (12., Handelfmeter), ein Eigentor von Schalke-Keeper Timo Hildebrand (24.) und ein Kopfballtor des Ex-Dortmunders Lasse Sobiech (49.) nicht unverdient mit 3:2. Dann stach Joker Szalai (72.).

Schalker Führung kurz nach Anpfiff

Schalkes Coach Jens Keller hatte nach dem dürftigen 2:0 im Pokal gegen den Fünftligisten Nöttingen zum Liga-Start mehr Seriosität und Biss gefordert – sein Team tat ihm sofort den Gefallen. Es dauerte keine 90 Sekunden, da stand es bereits 1:0 für die Gastgeber: Draxler setzte mit einem mustergültigen Pass Huntelaar ein, der keine Mühe hatte, gegen seinen Lieblingsgegner sein erstes Saisontor zu erzielen. Für den Niederländer, der am heutigen Montag 30 Jahre alt wird und am vergangenen Dienstag zum dritten Mal Vater geworden war, war es der achte Treffer in den letzten fünf Duellen mit dem HSV. Der neunte folgte in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit.

Dazwischen lagen aus Schalker Sicht 45 ganz schwache Minuten, in denen offensiv überhaupt nichts gelang und die Defensive wackelte. Der Bilderbuchstart gab den Aktionen der Schalker nicht die erwartete Sicherheit. Im Gegenteil: Der HSV schüttelte sich kurz und schlug eindrucksvoll zurück. Den Ausgleich leitete ein Handspiel von Verteidiger Joel Matip ein. Den Elfmeter verwandelte van der Vaart souverän. Die Hamburger bemühten sich nach der turbulenten Anfangsphase, das Spiel zu beruhigen und kamen immer besser zurecht.

Schalke musste gleich den nächsten Schock verdauen: Draxler schied bereits in der 23. Minute wegen einer Achillessehnenprellung aus. Wenige Sekunden später gerieten sie durch ein kurioses Tor in Rückstand: Nach einem Kopfball von Maximilian Beister an die Latte sprang der Ball von Torhüter Hildebrands Rücken ins Netz. Glück hatte der Keeper, als der Kopfball von Milan Badelj wenig später an der Latte landete (28.).

Keller sauer über Standards

Der Ausgleich durch Huntelaar per Kopf nach einer Flanke von Christian Fuchs entsprang erst dem zweiten gelungenen Angriff der Gastgeber. „Ich bin enttäuscht vom Auftreten der Mannschaft. Wenn ich wüsste, woran es liegt, würde ich jetzt in die Kabine gehen und es sagen“, sagte Schalke-Manager Horst Heldt in der Halbzeit bei Sky unzufrieden: „Wir haben nach dem 1:0 aufgehört, Fußball zu spielen. Da müssen wir eine Schippe drauflegen. Wir spielen zu pomadig und zu langsam, habe keine Struktur im Spiel.“

Nach der Pause ging die Schalker Pannenshow weiter: Sobiech konnte völlig unbehindert aus kürzester Distanz einköpfen, Hildebrand und die Innenverteidigung sahen zu. Kurz zuvor hatte Beister nur knapp das Tor verfehlt (48.).

Keller hatte nur einen der Zugänge in der Startelf aufgeboten: Christian Clemens ersetzte den abgewanderten Michel Bastos auf der linken Außenbahn. Felipe Santana, Leon Goretzka und Szalai mussten zunächst auf der Ersatzbank Platz nehmen. Goretzka kam für Draxler, Szalai nach knapp einer Stunde als zusätzliche Offensivkraft. „Wir haben nach dem 1:0 keine Sicherheit bekommen. In der zweiten Halbzeit haben wir dann viel richtig gemacht, was vorher nicht funktioniert hat“, sagte Keller, „da haben die Hamburger nur noch lange Bälle nach vorn gespielt.“ Sehr unglücklich war der Coach über die beiden Gegentore nach Standardsituationen. Da habe das Abwehrverhalte4n nicht funktioniert.

HSV-Coach Thorsten Fink setzte in der Offensive auf einen Neuen: Weil Artjoms Rudnevs wegen einer Grippe noch nicht wieder 100-prozentig fit war, kam der vom FC Basel verpflichtete Jacques Zoua zu seinem Bundesliga-Debüt.

„Wir hätten vielleicht etwas mehr verdient gehabt. Wir haben sehr gut gespielt, aber in der ersten Halbzeit zweimal gepennt“, sagte van der Vaart. Das dritte Gegentor nahm Nationalkeeper René Adler auf seine Kappe: „Den muss ich festhalten, dann gewinnen wir das Spiel. Das war einfach schlecht.“ Auch Huntelaar war nicht richtig zufrieden. „Normalerweise müssen wir zu Hause gewinnen. Aber ein Unentschieden war heute das Maximum.“