Bundesliga

Die Show des Spider-Man

Dortmunds Aubameyang spielt sich mit drei Toren beim Sieg in Augsburg in die Herzen der Fans

Nach dem sechsten Interview an diesem Tag hatte Pierre-Emerick Aubameyang die Lust verloren. Zum Rest der Fragesteller schickte er seinen Dolmetscher, der als sein Alter Ego antwortete. Wie Aubameyang sich fühle? Unbeschreiblich. Was war für den Bundesliganeuling anders als in der französischen Liga? Die Intensität sei größer gewesen, das Tempo höher, aber das habe ihm nichts ausgemacht. Ansonsten? „Ein super Tag.“ Wie wahr!

Jürgen Klopp hielt es in der 81. Minute sogar für angebracht, seinem Stürmer eine besondere Ehre zuteilwerden zu lassen: Der Dortmunder Trainer wechselte ihn aus. Ein Lächeln, ein Klaps auf den Po, Klopp war zufrieden, und Aubameyang konnte sich durch den Gang zur Bank Extraapplaus vom Publikum abholen. Hatte er sich auch redlich verdient, drei Treffer steuerte er zum 4:0 (1:0) des BVB beim FC Augsburg bei. Der Borussen-Zugang war der Mann des Spiels.

Mit seinen drei Debütanten-Toren stellte Aubameyang auch gleich mal den Bundesligarekord ein, den zuvor Spieler wie Hermann Ohlicher (VfB Stuttgart) oder Olaf Marschall (Dynamo Dresden) hielten. Er war der insgesamt sechste Akteur, dem das gelang. Keine Frage, es war ein großer Tag für ihn.

Dabei war ihm nach dem Pokalauftritt am vergangenen Wochenende beim SV Wilhelmshaven (3:0) schon die Effektivität abgesprochen worden. Nun aber zeigte der erste Gabuner in der Ligageschichte, dass er zu Außergewöhnlichem fähig ist – woran Dortmunds Boss nie Zweifel gehabt hatte. „Man muss sich doch nur seine Statistik aus seiner Zeit in Frankreich anschauen. 19 Tore und 14 Vorlagen in 37 Spielen. Aber das ist typisch, wie nach einem Spiel so ein Urteil gefällt wird“, sagte Borussias Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Gegen Augsburg schoss Aubameyang vier Mal auf das Tor – und traf drei Mal.

Mkhitaryan ist noch verletzt

Der 24 Jahre alte Offensivspieler war als einer derjenigen auserkoren worden, die im Kampf gegen die Übermacht der Münchner Abhilfe schaffen sollten. Dortmund ist ja als der große Bayern-Widersacher auserkoren worden, der einzig noch verbliebene. „Sie werden das wieder unter sich ausmachen, denn qualitativ kommt da keine andere Mannschaft ran“, sagte etwa Bundestrainer Joachim Löw. Für Klopp war das ein bisschen zu viel des Guten, er sprach den Münchnern eine „natürlichere Qualität“ zu: „Wir waren 25 Punkte hinten dran, obwohl wir nicht das Gefühl hatten, dass wir eine Katastrophensaison gespielt hatten. Also muss es dafür Gründe geben.“

Die Dortmunder gingen dem auf den Grund und gaben rund 53 Millionen Euro für neue Spieler aus. 13 waren es für Aubameyang, der von AS St. Etienne geholt wurde und als Einziger von den Neuen in der Startelf gegen Augsburg stand. Der hochgelobte Spielmacher Henrikh Mkhitaryan ist noch verletzt, Verteidiger Sokratis hat sich noch nicht durchsetzen können. Doch von dem verbliebenen Starensemble der Gäste ließen sich die Augsburger zunächst auch nicht einschüchtern. Sie spielten frech mit und verschafften sich mit giftigen Aktionen in den Zweikämpfen Respekt. Läuferisch macht ihnen ohnehin kaum eine andere Mannschaft etwas vor.

Dennoch gerieten sie in Rückstand, was etwas überraschend war. Marcel Schmelzer kam rechts frei zum Flanken, und Aubameyang nutzte die Freiheit, die ihm sein Bewacher Matthias Ostrzolek gewährte. 24 Minuten nach Beginn seines Bundesligadebüts traf er zum ersten Mal in der neuen Liga. In Frankreich hatte er das mal mit einer Spider-Man-Maske gefeiert, in Augsburg machte er beim Jubel einen Salto vorwärts. An der Seitenlinie lächelte Klopp zufrieden, Aubameyang hatte von ihm den Vorzug vor Jakub Blaszczykowski erhalten. „Ich bin nicht überrascht über das, was er anbietet. Darüber, dass alle Bälle reingehen, aber schon“, sagte Klopp.

Alles richtig gemacht, mag er sich gedacht haben und wurde von seinen Spielern nach Ende der Partie bestätigt. „Das ist ein Paradebeispiel, wie ein Einstand auszusehen hat. Jetzt müssen die anderen Neuen nachlegen, da bin ich mal gespannt“, sagte Verteidiger Subotic.

Lewandowski verwandelt Elfmeter

Augsburg verkaufte sich zwar teuer, kam aber insgesamt auf zu wenig torgefährliche Aktionen. Das alte Manko der Mannschaft. Dortmund dagegen überzeugte nicht, war dank Aubameyang aber effektiv. Klopp schaute zwar kurz vor Wiederanpfiff noch ziemlich finster drein. Doch dafür gab es wenig Grund.

Zwar mühte sich seine Mannschaft eher, als glänzen zu können. Doch in der 67. Minute war Aubameyang erneut zur Stelle. Er war Gegenspieler Paul Verhaegh, immerhin frischgebackener Nationalspieler der Niederlande, entwischt und erhöhte auf 2:0. Seine Schnelligkeit zahlte sich wieder aus. Es war die Vorentscheidung, die tapferen Augsburger waren geschlagen. Zumal Aubameyang noch zum 3:0 (79.) und Robert Lewandowski per Foulelfmeter zum 4:0 trafen (86.). „Es war ein super Auftakt für mich“, sagte Aubameyang. Das war, als er noch Lust auf Interviews hatte.