Der ewige Eisbär sagt tschüs

1000 Spiele und sechs Meisterschaften: Sven Felski feiert im Wellblechpalast seinen Abschied

Einmal Eisbär, immer Eisbär – Sven Felski lebte dieses Motto wie kein anderer. Als Kind kam er in den Klub, verlassen hat er ihn noch immer nicht, er ist halt nur nicht mehr aktiv. Mit 38 Jahren zelebriert er heute den Abschied vom professionellen Sportlerleben, mit allem drum und dran (Wellblechpalast, 19.30 Uhr/20.15 Uhr, RBB). Felski hat viel erlebt in seiner Karriere, die unter anderem aus 1000 Profispielen bestand, in denen er 232 Tore erzielte und sechs Mal Meister wurde. Er bestritt 159 Länderspiele, war zweimal bei den Olympischen Spielen und wurde 2010 WM-Vierter. Einiges, was Felski widerfahren ist und wovon bestimmt nicht jeder weiß, stellt die Morgenpost zusammen.

Bürgermeister:In Hohenschönhausen ist Felski Kult. Jeder kannte ihn, und er kannte alles und jeden. Das fiel auch Jeff Tomlinson auf, der jetzt neuer Trainer der Eisbären ist und einst sein Mitspieler war. Der dachte sich damals, dass man ihn auch Bürgermeister nennen könnte. Der Spitzname blieb bis heute. Bei der Nationalmannschaft bestellte er sich als alter Ossi einst bei einer der ersten Berufungen einen „Kaffee komplett“. Ein paar alte Recken rufen ihn noch immer „Kaffee komplett“.

Waidmannsheil: Bei den Eisbären gab es viele skurrile Typen. Verteidiger Franz Steer, wie Tomlinson beim Abschiedsspiel dabei, war passionierter Jäger. Seinem Hobby ging er schon mal vor dem Training nach – und präsentierte dann die Beute in der Kabine. Einmal hing ein ganzer Rehbock da, der dann zum Rehbraten für das Team wurde. Wildschwein gab es auch. 1992 war das.

Schuh-Check: Von Mark Jooris, ebenfalls heute mit auf dem Eis, lernte Felski viele Tricks, aber dann doch nicht alles. Jooris prügelte sich schon mal mit gegnerischen Fans, ist mit Schlittschuhen in den Fanblock gestiegen. „Legendär aber war sein Schuh-Check. Beim Essen krabbelte er irgendwann unter den Tisch, und wer nicht aufpasste, hatte dann Ketchup auf dem Schuh.“

Wechselspiele: Gab es nie. Aber die Gedanken daran waren auch bei Felski ab und zu mal da, zumindest früher. Später „sagten noch welche, dass sie mich ja gern nehmen würden. Aber du bist eh in Berlin verwurzelt. Ernsthafte Angebote kamen zuletzt Ende der 90er Jahre.“ 1996 standen die Eisbären mal wieder kurz vor dem Aus, und Lokalrivale Preussen wollte ihn haben. Der Vertrag war unterschriftsreif, nur die im letzten Moment vom EHC aufgerufenen 250.000 D-Mark Ablöse verhinderten den Transfer. Zum Glück.

Kreuzverhör: Mit der Staatssicherheit hat auch Sven Felski seine Erfahrungen gemacht. Aber als Nachwuchsspieler, gemeinsam mit Vater Günter. „Ich sollte rausgeschmissen werden aus dem Verein, von der Kinder- und Jugendsportschule fliegen, weil mir der Schweizer Nationalspieler Felix Hollenstein zum Dynamo-Sommerturnier in Berlin mal Handschuhe und Schläger mitgebracht hat.“ Dabei hatten sie eigens versucht, die Übergabe zu verhindern und den ausgesprochenen Wunsch zurückzunehmen. Dem Vater schwante, dass nichts Gutes dabei herauskommen würde. Nutzte nichts, der Rapport war fällig. „Ich konnte dann doch bleiben, weil sie wohl gesehen haben, dass aus mir mal einer werden kann.“

Nichts von dem wäre so passiert, hätte Felski noch besser Schlittschuhlaufen können als ohnehin schon. Bekanntlich begann er sein Sportlerleben als Eiskunstläufer. Für ihn hat sich immer alles irgendwann gefügt, er blieb trotz trostloser Zeiten beim EHC, musste sogar mal vom Geld seiner Frau leben, weil der Klub nicht zahlte. Doch es ging immer weiter bei den Eisbären für den passionierten Angler mit der Nummer elf, die nicht mehr vergeben wird. „Ich bin ein Glückskind gewesen“, sagte Felski vor Kurzem einmal.