Saisonstart

Nur keine Panik

Trotz der schlechten Vorzeichen will Borussia Mönchengladbach beim Favoriten in München nicht mit Demut antreten

Die Mutmacher sind verständlich. Denn der Aufschrei wäre groß, würden sie sich im Vorfeld geschlagen gegeben. Sportdirektor Max Eberl etwa sagt, dass „wir natürlich eine Chance haben“. Granit Xhaka findet, „dass es durchaus möglich ist für uns, in München etwas zu reißen“. Beide haben recht. Doch der Glaube daran, dass es Borussia Mönchengladbach zum Saisonstart beim FC Bayern (heute, 20.30 Uhr, ARD und Sky) gelingt, fällt Außenstehenden schwer.

Warum, das liegt auf der Hand. Da wäre zum einen das direkte Duell vor zwei Wochen bei einem Testturnier in Mönchengladbach. Mit 1:5 ging die Borussia Bayern unter – und das bei einer Spieldauer von 60 Minuten. Na gut, könnte man meinen, das war ein Vorbereitungsspiel. Aber bei der Bundesliga-Generalprobe vor einer Woche lief es nicht viel besser: Da blamierte sich die Mannschaft von Lucien Favre im DFB-Pokal gegen Drittligist Darmstadt 98 und schied nach Elfmeterschießen aus.

Nun wäre die Borussia zwar völlig falsch beraten, in München mit voller Demut anzutreten. Aber zumindest wissen die Spieler um die Zugänge Raffael, Max Kruse und Christoph Cramer, dass harte Arbeit und viel mehr Ideen auf dem Platz gefordert sind. Sportdirektor Eberl hofft sogar, dass jetzt einige im Umfeld, die in letzter Zeit nur von Europa gesprochen hätten, auf dem Boden der Tatsachen gelandet seien. Die Erwartungshaltung sei nach seiner Auffassung viel zu hoch geschraubt worden. Die Pokal-Blamage sollte alle geerdet haben.

Den Saisonstart beim Meisterschaftsfavoriten will der ehemalige Verteidiger nicht überbewerten: „Wenn wir verlieren, sind wir genauso wenig Abstiegskandidat wie bei einem Sieg Titelaspirant. Für uns ist nicht ein Spiel wichtig, sondern positive Konstanz über 34 Spiele.“ Vielleicht hilft es seiner Mannschaft ja, wenn sie bei ihrer Vorbereitung auf das Spiel gegen die Bayern ein wenig zurückblickt. Auch in der Saison 2011/12 trafen die Bayern und Mönchengladbach am ersten Spieltag aufeinander. Die Borussia gewann und Manuel Neuer, der Münchner Torhüter, musste später leidvoll erfahren, dass sich die Geschichte auch im Fußball wiederholt – zum Glück für die Borussia. Denn Bayerns Nationalkeeper patzte beim Saisonstart, als er sich beim Herauslaufen verschätzte und so den 1:0-Siegtreffer von Igor de Camargo ermöglichte. Zum Rückrundenauftakt unterlief Neuer der Fehler vor dem 0:1 durch Marco Reus, als er dem Nationalspieler den Ball vor die Füße spielte. Die Borussia gewann 3:1. Es wurde quasi ihre Saison.

Denn nachdem sie im Jahr davor fast abgestiegen wäre, wenn sie Lucien Favre nicht noch davor bewahrt hätte, überzeugte die Borussia plötzlich mit Tempofußball und erreichte am Saisonende Platz vier. In der vergangenen Spielzeit landete die Mannschaft dann aber nur auf dem achten Platz und nicht – wie erhofft – im internationalen Geschäft.

Aber dorthin soll es nun wieder gehen. Auch wenn die Vorzeichen derzeit nicht die besten sind. Dass es schwer wird, das Ziel zu erreichen, wissen sie. Aber in Panik sind sie nach den zuletzt so schwachen Auftritten auch nicht verfallen. Die Aufmerksamkeit für die Partie, die in 180 Ländern übertragen wird, ist groß. „Etwas Besseres gibt es doch gar nicht“, sagt Cramer. Vorausgesetzt, er und seine Mitspieler blamieren sich nicht vor der großen Kulisse.