Doping

Ex-Diskuswerfer Neu: „Jeder von uns hat Anabolika probiert“

Der frühere deutsche Diskuswerfer Hein-Direck Neu hat die Ausmaße des bundesdeutschen Dopings in den 60er- und 70er-Jahren geschildert.

„Praktisch jeder von uns Werfern, der sportlich weiterkommen wollte, hat damals mehr oder weniger regelmäßig zu Anabolika gegriffen oder es zumindest einmal probiert“, sagte der sechsmalige Deutsche Meister im Gespräch mit dem „Wiesbadener Kurier“.

Der 69-Jährige deutete an, dass zu seiner Zeit ohne Doping für deutsche Werfer keine Topplatzierungen möglich gewesen wären: „Wenn du die Werfer aus der DDR, vor allem aber aus Amerika gesehen hast, die mit dem Zeug ganz offen umgegangen sind und schon unter Profibedingungen trainiert haben, dann blieb dir doch gar keine andere Möglichkeit. Die Alternative wäre gewesen, mit dem Sport aufzuhören“, sagte Neu.

Zum Ablauf der Doping-Praktiken sagte Neu: „Zusammen mit unserem damaligen DLV-Trainer Karlheinz Steinmetz, der noch bis vor wenigen Jahren auch Lars Riedel betreute, sind wir regelmäßig zu Professor Armin Klümper in die Uniklinik nach Freiburg gefahren. Dort sind wir reichlich mit Spritzen, aber auch mit Tabletten versorgt worden. Ich hatte mich damals noch gewundert, dass die Krankenkasse das alles bezahlt.“