Wettbewerb

Triathleten meiden unattraktive Strecken in Berlin

In den Morgenstunden dieses Sonntags stellen sich über 300 Athleten beim Berlin Triathlon XL einer anstrengenden Aufgabe.

Sie ermitteln über die Langdistanz (3,8 km Schwimmen/180 km Radfahren/42 km Laufen) und über die Mitteldistanz (2/90/20) ihre Besten und küren dabei auf der Langstrecke zugleich den Berliner Meister. Geschwommen wird im Müggelsee, die Radstrecke führt ins Brandenburger Land, gelaufen wird auf Waldwegen in der Umgebung des Sees.

„Jahr für Jahr kommen neue Wettbewerbe hinzu“, freut sich Sven Alex, Präsident der Berliner Triathlon Union (BTU), der von 6000 bis 8000 Startern pro Saison bei Veranstaltungen in der Hauptstadt spricht. Die teilnehmerstärkste war im vergangenen Sommer der BerlinMan mit mehr als 1500 Aktiven; in diesem Jahr zählten der Schultriathlon und der Ironman 70.3 (jeweils rund 1000 Teilnehmer) zu den zugkräftigsten Events. „Solche Zahlen“, sagt Alex, „wären vor ein paar Jahren schon etwas ganz Besonderes gewesen.“ Die 350 Startplätze für den Volkstriathlon Mitte Juni etwa waren innerhalb von nur zehn Stunden ausgebucht. Doch vor zwei Wochen beim ITU World Triathlon Hamburg waren rund 10.000 Starter unterwegs.

Solche Felder seien auch das Ziel in Berlin, „wenn wir unserem Ruf als Sportmetropole gerecht werden wollen“. Doch dieser Wunsch korrespondiere nicht mit der Politik in der Hauptstadt. „Wir wollen mehr ins Zentrum, in der City aktiv werden“, wünscht sich Alex. Denn mittlerweile zählt nicht mehr allein die sportliche Herausforderung, die Sportler bevorzugen auch attraktive Strecken. Bei der Premiere des Ironman 70.3 zum Beispiel habe es zwar zunächst 1300 Anmeldungen, aber später 300 Absagen gegeben, als die Route veröffentlicht worden war. Im Neuköllner Hafen zu schwimmen und fernab der City zu radeln und zu laufen, fanden offenbar viele Sportler nicht verlockend.

Skeptisch ist Alex, dass sich das im nächsten Jahr ändern werde – eine Verlagerung des Wettbewerbs in die City sei derzeit von den Verantwortlichen nicht gewünscht. „In Hamburg hat die Politik die Attraktivität von Triathlon besser erkannt, in Frankfurt auch“, findet der BTU-Präsident, „den Eindruck habe ich momentan in Berlin nicht.“ Dabei könne man zum Ironman 70.3 sicher auch 2000 Leute bewegen.