Entscheidung

Diplomat am Hertha-Steuer

Fabian Lustenberger von Trainer Luhukay zum neuen Kapitän bestimmt. Degradierter Peter Niemeyer: „Ich bin total enttäuscht“

Optisch hatte sich nichts verändert. Als Fabian Lustenberger am Freitagmittag auf das Podium des Medienraums von Hertha BSC trat, sah er spitzbübisch aus – wie immer. Ein schwarzes Basecap hatte sich der 25-Jährige verkehrt herum auf die blonden Locken gesetzt. Er lächelte. Auf seinem hellen T-Shirt war die Aufschrift „Everybodys Darling“ zu lesen. Als der Typ „Jedermanns Liebling“ gilt der Schweizer tatsächlich in Berlin, seit er vor sechs Jahren in die Hauptstadt gewechselt war. Seit Freitagmittag dürfte seine Beliebtheit bei den Hertha-Fans noch einmal gestiegen sein.

Denn Lustenberger wird den Berliner Bundesligaaufsteiger in der neuen Spielzeit als Kapitän aufs Feld führen. Das verkündete Herthas Cheftrainer Jos Luhukay auf der Pressekonferenz vor dem Erstrundenspiel im DFB-Pokal gegen den VfR Neumünster am Sonntag (16 Uhr/ im Liveticker bei www.immerhertha.de).

Dienstältester Profi im Kader

Der Niederländer hatte Lustenberger seine Entscheidung am Mittwochmorgen in einem persönlichen Gespräch mitgeteilt. Vizekapitän bleibt Peer Kluge. „Fabian hat in der Zweiten Liga eine hervorragende Saison gespielt. Die Ernennung zum neuen Kapitän ist eine Bestätigung seines Stellenwertes in der Mannschaft“, sagte Luhukay. Lustenberger sei ein Profi, der sich hundertprozentig mit dem Verein identifiziere, wie die vorzeitige Vertragsverlängerung bis 2017 im April bewiesen habe. „Fabian Lustenberger wird in Zukunft für Hertha BSC stehen“, sagte Luhukay.

Der neue Kapitän sagte: „Ich freue mich, dass mir der Trainer das Vertrauen schenkt und mir diese wichtige Aufgabe zutraut“, sagte Lustenberger. „Für mich ist es auch eine Bestätigung meiner Arbeit hier in Berlin.“

Lustenberger kam 2007 im Alter von 19 Jahren vom Schweizer Erstligisten FC Luzern zu Hertha, ist damit der dienstälteste Profi im Kader und geht nunmehr in seine siebte Saison mit den Blau-Weißen. Keine der Spielzeiten aber verlief so erfolgreich für den Blondschopf wie die vergangene Zweitligasaison. Auf ungewohnter Position in der Innenverteidigung stieg Lustenberger nicht nur zum unumstrittenen Stammspieler und Leistungsträger auf und hatte die meiste Einsatzzeit von allen Akteuren im Kader. Er wuchs auch in die Rolle als Führungsspieler hinein und trug in Abwesenheit des damaligen Kapitäns Peter Niemeyer und seinem Vertreter Peer Kluge bereits die Kapitänsbinde.

Doch nicht nur die konstant guten Leistungen der Vorsaison und die Verweildauer im Verein haben Luhukay davon überzeugt, dass Lustenberger zum Anführer seiner Mannschaft taugen würde. Der Schweizer ist vor allem auch im Umgang mit den Medien versiert und fiel in der Vergangenheit durch seine diplomatische Art auf. Die dürfte ihm in Zukunft nützlich werden, wenn es darum gehen wird, Konflikte im Team zu lösen. Diese nämlich könnten folgen, denn Luhukays Entscheidung für Lustenberger ist vor allem auch eine Entscheidung gegen den bisherigen Kapitän Peter Niemeyer, der seine Aufgabe im Zweitliga-Jahr tadellos gemeistert hatte und dafür von Luhukay immer wieder öffentlich gelobt wurde. Doch der Trainer traut Niemeyer nicht zu, den höheren sportlichen Anforderungen in der Bundesliga gewachsen zu sein und macht daraus auch keinen Hehl: „Peter hat das Amt im vergangenen Jahr hervorragend bekleidet. Er war ein echter Antreiber. Aber das war im letzten Jahr. Wir haben nun eine andere sportliche Situation“, so Luhukay. Im vergangenen Jahr sei Niemeyer im defensiven Mittelfeld gesetzt gewesen. „Dieses Jahr nicht mehr. Sportlich gibt es Zweifel“, sagte Luhukay ungewohnt deutlich und unterstrich damit die Demission Niemeyers. Dieser hat seinen Stammplatz in der Vorbereitung an den japanischen Zugang Hajime Hosogai verloren, und Luhukay favorisiert einen Kapitän, der nahezu immer spielt.

Niemeyer äußert sich auf Facebook

Zwar betonte Luhukay ebenso wie Herthas Manager Michael Preetz, dass Niemeyer weiterhin mit seinen positiven Charaktereigenschaften ein wichtiger Spieler bleiben werde. Doch zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung ist die Autorität des 29-Jährigen beschädigt.

Lustenberger, der mit Niemeyer befreundet ist, hat den Zündstoff erkannt und greift auf die bewährte Methode zurück: Diplomatie. „Es wird keine Konflikte zwischen mir und Peter geben. Die hätte es nicht gegeben, wenn er Kapitän geblieben wäre, und die wird es auch jetzt nicht geben“, sagte Lustenberger, der seine Kollegen zum Einstand in ein Restaurant einladen wird.

Dennoch ist Luhukays Entscheidung für Lustenberger und gegen Niemeyer auch riskant. Die Harmonie im Team war ein Faustpfand der vergangenen Saison und soll es in der kommenden Serie werden. Bleibt die Frage, wie der Ex-Kapitän mit der Zurücksetzung umgeht. Niemeyer äußerte sich auf Facebook: „Hallo Leute, heute war ein ereignisreicher Tag. Als erstes möchte ich dem neuen Kapitän Lusti gratulieren! Natürlich bin ich sehr enttäuscht!. Nichtsdestotrotz werde ich mich, wie in den letzten 3 Jahren, für die Mannschaft, für Hertha und für euch Fans auf dem Platz zerreißen und auch ohne die Binde alle meine Qualitäten einbringen! Euer Peter“