Motorsport

Herlings gewinnt Hitzeschlacht

15.000 Zuschauer bei Motocross-WM-Premiere am Lausitzring

Jeffrey Herlings saß auf seiner KTM und war nicht in der Lage abzusteigen. Soeben hatte der erst 18 Jahre alte Niederländer auf dem Lausitzring auch seinen zweiten Lauf in der MX2-Klasse gewonnen. Sein insgesamt 24. Sieg im 26. WM-Rennen der Saison 2013. Doch so fertig wie auf dem Eurospeedway war der Ausnahmekönner aus Geldrop noch nie. „Brutal, absolut brutal die Hitze“, stammelte der überlegene Sieger, und dann zählte nur noch die von einem Helfer hingehaltene Wasserflasche.

Die Show, die Herlings zuvor in zweimal knapp 40 Minuten bei 37 Grad – ohne Schatten – geboten hatte, beantwortete die Frage nach dem künftigen Champion in der Kategorie bis 250 Kubikzentimeter. Nur technisches Pech oder eine Verletzung können den Titelverteidiger und Wunderknaben stoppen.

Ebenfalls souverän, wenn auch nach deutlich mehr Gegenwehr der Konkurrenz, zeigte sich mit dem Italiener Antonio Cairoli ein weiterer Titelverteidiger als die Nummer eins in der Lausitz. Der 28 Jahre alte KTM-Pilot musste sich in der MX1 (bis 450 Kubik) aber in Lauf eins dem belgischen Suzuki-Fahrer Clement Desalle beugen, ehe er in Durchgang zwei die Reihenfolge wieder zu seinen Gunsten ändern konnte. Für Maximilian Nagl aus Weilheim lief das Heimspiel nicht nach Wunsch. Der Vize-Weltmeister von 2009 musste sich mit zwei zwölften Plätzen zufrieden geben. Im zweiten Rennen musste der Bayer, der zuletzt durch einen Magenvirus geschwächt war, sogar an seine Box fahren, um sich mit einem Eimer Wasser eine Abkühlung zu verschaffen.

Pech für Räikkönen-Team

Insgesamt glimpflich verliefen in der Kategorie MX1-Lauf drei Unfälle. Der Italiener Davide Guarneri und der Franzose Gautier Paulin stürzten und wurden von der Strecke getragen. Bei Guarneri kam die Entwarnung direkt nach dem Rennen. Der WM-Zweite Paulin wurde mit dem Hubschrauber ins Klinikum nach Senftenberg geflogen. Dort wurden zum Glück nur Prellungen an Kopf, Schultern und Rücken diagnostiziert. Das bestätigte Marionna Leiva vom britischen Motocross-WM-Promoter Youthstream. Der Portugiese Rui Goncalves, Fahrer im Team von Formel-1-Star Kimi Räikkönen, musste nach einem Sturz auf Rang fünf passen.

Rundum zufrieden zeigte sich Lausitzring-Geschäftsführer Bert Poensgen, obwohl das angepeilte Ziel von 20.000 Zuschauern bei der WM-Premiere verfehlt wurde. Etwa 15.000 Fans tummelten sich rund um die aus 1000 LKW-Ladungen (Sand und Lehm) modellierte 1500-Meter-Piste. „Für uns war es ein Wagnis. Wir haben ja unsere Cross-Premiere als WM durchgeführt. Leider hat uns das Wetter geschadet. Aber viel wichtiger sind uns die Reaktionen der Fahrer und des WM-Promoters. Und die fallen richtig gut aus“, schwärmte Poensgen.

Man habe sowohl für die Gestaltung der Strecke als auch für die Einhaltung von Zeitplänen viel Lob erhalten. „Am besten hat den Piloten und den Mechanikern aber gefallen, dass wir hier ein paar tausend Quadratmeter asphaltiertes Fahrerlager und eine ausgezeichnete Infrastruktur bieten können“, gönnte sich Poensgen ein Quantum Eigenlob. Geht es nach ihm, gastiert der WM-Zirkus auch 2014 wieder in der Lausitz.