Formel 1

Nur Hamilton schneller als Vettel

Großer Preis von Ungarn: 38 Tausendstel entscheiden über Startplatz eins zu Gunsten des Briten

Von der Hitze gezeichnet und vom englischen Vorjahressieger Lewis Hamilton bezwungen, entstieg Sebastian Vettel seinem Red-Bull-Renner. Dennoch hat er seinen ersten Sieg beim Großen Preis von Ungarn weiter fest im Blick. „Ich bin ein bisschen angefressen, dass es nicht ganz gereicht hat, viel hat nicht gefehlt“, sagte der Weltmeister nach der Qualifikation: „Jetzt freue ich mich auf die Hitzschlacht morgen.“

Nur um 38 Tausendstelsekunden musste sich der Heppenheimer dem Mercedes-Piloten Hamilton geschlagen geben, der Engländer holte die 30. Poleposition seiner Karriere, die dritte in Folge und bereits die siebte im zehnten Saisonrennen für die Silberpfeile. Schon 2012 trumpfte Hamilton vor den Toren Budapests als Sieger auf. Vettel war damals Vierter.

Bremsen ärgern Rosberg

„Die Pole?“, hatte Hamilton unmittelbar nach der Zieldurchfahrt ungläubig via Boxenfunk gefragt, als er die sehr starke Zeit von Vettel im letzten Moment doch noch geschlagen hatte. „Ich war wirklich überrascht, damit hätte ich nicht gerechnet“, sagte der Brite. „Vielleicht war ich am Ende nicht aggressiv genug“, sagte der Deutsche: „Ich hätte gern die Pole gehabt, aber Mercedes war mal wieder unheimlich schnell und hat es verdient.“

„Wir sind auch überrascht. Wir waren bei der Zeit von den Socken. Das war eine perfekte Runde“, freute sich Mercedes-Motosportchef Toto Wolff. Fürs Rennen gibt sich der Österreich „vorsichtig optimistisch“. In das letzte Rennen vor der vierwöchigen Sommerpause (heute 14 Uhr RTL und Sky) geht Hamiltons Teamkollege Nico Rosberg (Wiesbaden) als Vierter. „Die Pole wäre heute nicht drin gewesen, es ist nicht optimal gelaufen. Mein Bremsbalance-System hat blockiert“, sagte Rosberg. Schneller als er war der französische Lotus-Fahrer Romain Grosjean.

Vizeweltmeister Fernando Alonso (Spanien/Ferrari) belegte auf dem 4,381 Kilometer langen Kurs Rang fünf vor Kimi Räikkönen im Lotus. Der als Nachfolger von Mark Webber bei Red Bull gehandelte Finne überraschte in Ungarn. „Vielleicht treffe ich eine Entscheidung, die manchen als blöd, mir aber als die beste vorkommt.“

Die Silberpfeile setzten ihre starken Auftritte in der Qualifikation damit fort, die geringe Erfahrung mit den neu entwickelten Reifen von Einheitshersteller Pirelli erwies sich nicht als Nachteil. Die Pneus, eine Kombination aus der Konstruktion des Vorjahres und der aktuellen Mischung, sind die Reaktion auf die Reifenplatzer von Silverstone vor knapp einem Monat. Wegen seiner illegalen Testfahrten im Mai hatte Mercedes als einziges Team nicht die Möglichkeit erhalten, diese neuen Reifen beim Young Driver Test in der vergangenen Woche zu fahren.

Vettels Teamkollege Mark Webber hatte im zweiten Qualifikationsdurchgang mit einem Ausfall des Energierückgewinnungs-Systems Kers zu kämpfen, der Australier holte nur den zehnten Platz. Force-India-Pilot Adrian Sutil (Gräfelfing) geht vom elften Platz in seinen 100. Grand Prix (Beste Platzierung: Rang vier 2009 in Monza). Neben ihm als Zwölfter startet heute Nico Hülkenberg (Emmerich) im Sauber.