FC Union

Von der Waschküche in den Pool

Union ist nach schwachem Auftritt in Bielefeld über sich selbst erschrocken. Defizite gibt es noch in vielen Bereichen

Seinen Vergleich hat Torsten Mattuschka gefunden. Normalerweise wird Fußball ja auf dem grünen Rasen gespielt, das war in Bielefeld nicht anders. Aber angefühlt hat es sich „wie in der Waschküche – widerlich“. Die Hitze macht derzeit vielen zu schaffen, auch den Profis der Zweiten Liga. Als Entschuldigung für ein schwaches Spiel taugten die Umstände allerdings nicht, deshalb fielen beim 1.FC Union die Worte zum 1:1 beim Aufsteiger Arminia auch alles andere als versöhnlich aus. Trotz des ersten Punktes der Saison.

So ziemlich jeder schimpfte erst einmal. „Es war ein sehr, sehr schlechtes Spiel von uns“, sagte Trainer Uwe Neuhaus. Stürmer Adam Nemec, der den Berliner Treffer erzielte hatte, verspürte „Frust wie nie“. Außenverteidiger Michael Parensen bezeichnete die Leistung der Mannschaft als blutleer und viel „zu wenig für die Zweite Liga“. Die Frage danach, warum es überhaupt so weit kommen konnte, blieb allerdings offen. Alle sind gerade etwas erschrocken bei den Köpenickern, dass das zweite Spiel der Saison nach dem 1:2 gegen Bochum nun noch schlechter ausfiel als das erste. Obwohl das Gegenteil beabsichtigt war.

Ohne Biss, Geschick und Tempo

Union spielte eindimensional, ohne irgendwelche Varianten, absolut vorhersehbar und dazu noch ohne Biss, Geschick und Tempo. „Wir wollten ein ganz anderes Spiel machen, wollten Bielefeld unter Druck setzen, haben es aber nicht gemacht“, so der Trainer. Dabei gilt seine Mannschaft als die spielstärkste, die er seit dem Wiederaufstieg 2009 aufbieten kann. Derart wurde zuletzt oft argumentiert. „Wir haben auch eine gute Mannschaft, das habe ich selbst schon gesagt. Aber nur vom Reden kommen keine Punkte“, so Kapitän Mattuschka. Die Taten hinken den Ansprüchen eindeutig hinterher.

Warum? „Wir machen uns auch einen Kopf. Ist ja klar, dass man fragt, woran es liegt“, sagte der Mittelfeldregisseur. Er selbst war sowohl gegen Bochum als auch gegen Bielefeld nie im Spiel. Er vermisst die Lockerheit aus den Tests, bei sich und bei den anderen. Aber da wollte der Gegner oft mitmachen, einfach spielen. Jetzt stehen die Kontrahenten kompakt, machen alles sehr eng in der Mitte, weil sie wissen, dass Union dann Probleme bekommt. „Wir kommen nicht in die Schnittstellen und können unsere Bälle nicht nach vorn spielen. Im Moment kriegen wir es nicht richtig gebacken, haben keinen richtigen Zugriff auf unseren Gegner und unser Spiel“, sagte Mattuschka, „daran müssen wir arbeiten.“

Dass es allein damit nicht getan ist, schwant dem Spielmacher schon. Für Aggressivität und Tempo braucht es keine Taktik, sondern vor allem die richtige Einstellung. „Wir müssen mit den einfachen Dingen anfangen, erst kämpfen und Laufbereitschaft zeigen, dann finden wir auch wieder zu unserem Spiel“, forderte Mattuschka. Er will dabei vorangehen, als Chef. „Da nehme ich mich in die Pflicht.“ Helfen soll schon mal das für Dienstag kurzfristig vereinbarte Testspiel gegen den polnischen Zweitligisten Flota Swinemünde (18 Uhr, Alte Försterei). Ein bisschen was probieren, Selbstvertrauen holen.

Ansonsten bleibt viel Zeit zum Nachdenken, erst am 5. August ist das nächste Pflichtspiel. Im Pokal muss Union in der ersten Runde nach Regensburg reisen. „Der Trainer wird uns mit Sicherheit die Fehler knallhart aufzeigen“, sagte Innenverteidiger Fabian Schönheim, der zugibt, dass sich die Mannschaft schon etwas weiter wähnte, als sie ist. Das lässt unweigerlich die Erinnerungen an vorherige Fehlstarts aufflammen. „Wir werden alles tun, dass es nicht dazu kommt“, sagte Mattuschka, der jetzt erst einmal die Waschküche vergessen will. Dabei könnte es sich als nützlich erweisen, dass der 32-Jährige gut ausgerüstet ist, um Temperaturen dieser Art zu überstehen. Bei sich zu Hause hat er einen Pool.