Saison

Fußballer trotzen der Sommerhitze mit Trinkpausen

Traber starten heute in Mariendorf erst um 17 Uhr

Statistisch gesehen hat die Hitzewelle über Deutschland ihren Reiz – schließlich geht es um Rekorde. Höchste Temperatur, heißester Ort im Land und dergleichen mehr. Doch die tropischen Temperaturen sind lediglich für die Wetterfrösche interessant. Der Sportbetrieb leidet – mit Ausnahmen. Die deutschen Eisschnellläufer waren fein raus. In der extrem heruntergekühlten Halle in Inzell absolvierten sie ihre nationalen Mehrkampf-Meisterschaften. Und in Füssen bereiten sich die deutschen Eishockey-Frauen mit einem Trainingslehrgang auf die Olympischen Spiele in Sotschi vor. „Vorbereitung auf Olympia trotz 30 Grad“, lautete das Motto.

Weniger glücklich sind all jene, deren Sport nicht in eine Halle passt. Beispielsweise die deutsche Traber-Elite, die in Berlin den Auftakt zur Derby-Woche bestreitet. Auf der Bahn in Mariendorf wurde der erste Start zum heutigen Renntag, mit dem Highlight Matadoren-Rennen (dotiert mit 100.000 Euro) von 12.30 Uhr auf 17 Uhr verlegt. Dabei dachten die Verantwortlichen nicht nur an die Pferde, sondern auch ans Wohlbefinden der Zuschauer.

Noch einen Schritt weiter ging man in Halle. Um allen Risiken aus dem Weg zu gehen, wurde das Benefizspiel des Halleschen FC gegen Hannover 96 vom heutigen Sonntag auf Montag (18.30 Uhr) verschoben. „Dies ist eine Entscheidung der Vernunft und im Sinne der Spieler und aller Zuschauer“, sagte 96-Cheftrainer Mirko Slomka.

Beim Hamburg Masters trinken die deutschen Hockeyspieler zusammengerechnet pro Spiel rund 80 Liter. Auf der Bank liegen Eis-Handtücher zur Abkühlung parat. Ansonsten nehmen es die Hockey-Cracks entspannt. „Die Jungs kommen gerade aus Malaysia. Da waren die Bedingungen noch wesentlich extremer“, sagte Heino Knuf, Sportdirektor beim Deutschen Hockey-Bund (DHB).

Skispringer mit Pudelmütze

Malaysische Verhältnisse mit ähnlichen Temperaturen, aber einer extrem hohen Luftfeuchtigkeit sind die Fußballer von Energie Cottbus nicht gewohnt. Um 13.30 Uhr beginnt heute die Partie der Lausitzer. Am Spielfeldrand sollen ausreichend Wassereimer und Behälter mit Eiswürfeln stehen. „Unsere Spieler sind keine Kamele, die auf Vorrat Wasser aufnehmen können“, erklärte Co-Trainer Uwe Speidel. Coach Rudi Bommer sprach von afrikanischen Verhältnissen. Eine gute Idee, die zumindest für Linderung sorgt, haben die Fußballer dennoch parat. So unterbrach Schiedsrichter Daniel Siebert die Zweitligapartie VfR Aalen–SpVgg Greuther Fürth jeweils Mitte der Halbzeiten für eine Trinkpause. Diese praxisnahe Regelerweiterung fand auch in den anderen Zweitligaspielen ihre Anwendung.

Fatalismus scheint das Anti-Hitze-Rezept für die Skispringer beim Sommer-Grand-Prix in Hinterzarten zu sein. Ihre Schaumstoffanzüge sind fünf Zentimeter dick. Andreas Wank kam mit Pudelmütze. „Was im Winter vor Kälte schützt, hilft auch im Sommer vor Hitze“, sagte der Sieger von 2012.