Mannschaftsaufstellung

Luhukay baut Hertha um

Nach fünf Wochen Vorbereitung steht fest: In die Bundesliga startet eine neue Mannschaft

Mit einem Showtraining im Amateurstadion endet für Hertha BSC heute die Vorbereitungsphase für die Saison 2013/14. Die Mannschaft um das Trainerteam von Jos Luhukay wird bei der offiziellen Saisoneröffnung im Olympiapark ab 15 Uhr vorgestellt, ab 15.30 Uhr wird es eine leichte Bewegungseinheit geben. Anschließend erfüllen Ronny, Ramos, Lasogga und Co. Autogrammwünsche der Fans.

„Dann gebe ich der Mannschaft zwei Tage frei, damit sie sich erholen kann und den Kopf freibekommt“, sagte Trainer Luhukay. Ab Mittwoch beginnt die Vorbereitung auf das erste Pflichtspiel der Saison, die Partie im DFB-Pokal bei Viertligist VfR Neumünster am 4. August. Nach fünf Wochen Vorbereitung nimmt der Kader mehr und mehr Konturen an. Wenn man ein Motto für die Mission Klassenerhalt sucht, könnte es lauten: Hertha erfindet sich neu.

Alte Verdienste zählen nicht

Die souveräne Vorsaison mit Zweitliga-Meisterschaft und Punkterekord – abgehakt. Die Meriten der Vergangenheit zählen nicht mehr. Der Trainer hat seine 27 Spieler aufgefordert, das Kapitel zu schließen. Um in der Bundesliga zu bestehen, sind nicht nur sportliche Fortschritte gefragt, weil dort schneller gespielt wird. Vom Kopf her muss sich die Mannschaft weiterentwickeln. Hertha hat zwar nur vier Neue verpflichtet. Aber diese Vier verändern die Statik der Mannschaft tiefgreifend.

Nach heutigem Stand ist davon auszugehen, dass alle Zugänge – Sebastian Langkamp, Johannes van den Bergh, Hajime Hosogai und Alexander Baumjohann – spielen werden. Langkamp lobte die Stimmung im Team: „Wir wurden sehr gut aufgenommen, da kann ich für alle Neuen sprechen.“ Trainer Luhukay und Manager Michael Preetz loben, dass die Neuen charakterlich passen und sich sehr gut einfügen. Doch die Veränderungen führen dazu, dass Säulen der Aufstiegsmannschaft sich erst mal hinten anstellen anstellen müssen. So wird Kapitän Peter Niemeyer wohl keinen Platz in der Startelf haben. Auch einer aus dem Duo Peer Kluge oder Fabian Lustenberger wird draußen sitzen. Und FanLiebling Ronny ist (wieder einmal) sein Heimaturlaub nicht bekommen. Er wirkt seit Wochen müde. Der Brasilianer müht sich, ist aber längst nicht in der Verfassung, in der er im Vorjahr geglänzt hat. Das zeigte einmal mehr seine Leistung beim abschließenden Test gegen RAD Belgrad (1:1). Da erzielte Ronny zwar per Foulelfmeter das Hertha-Tor. Doch Trainer Luhukay beurteilte die Leistung seines Sorgenkindes so: „Bei Ronny gab es Licht und Schatten.“ Derzeit ist Ronny draußen, sein Kumpel Baumjohann spielt auf einem deutlich besseren Level.

Im einzelnen sieht es so aus: Im Tor ist die Stellung von Thomas Kraft als Nummer eins unangefochten. In der Vierer-Abwehrkette gibt es gleich drei neue Gesichter: Peter Pekarik hat derzeit seinen Platz an Marcel Ndjeng verloren. Dazu kommen die Neuen Langkamp im Abwehrzentrum und van den Bergh auf der linken Seite. Aus der erfolgreichen bisherigen Formation ist nur Youngster John Brooks weiter dabei.

Im defensiven Mittelfeld ist Hajime Hosogai gesetzt. Um den Platz an seiner Seite konkurrieren Lustenberger und Kluge. Die offensive Mittelfeldreihe heißt Sami Allagui, Baumjohann und, je nach der grundsätzlichen Ausrichtung, Änis Ben-Hatira (offensiv) oder Nico Schulz (defensiv). Im Angriff ist Adrian Ramos unangefochten. Dahinter hat in der Stürmer-Hierarchie Sandro Wagner seinen Platz vor Pierre-Michel Lasogga behauptet. Der U21-Nationalspieler ist nach seinem Kreuzbandriss immer noch nicht auf dem Niveau, das er vor seiner Verletzung hatte.

Bei dieser Aufstellung fällt auf, dass mutmaßlich sämtliche Spieler auf dem Platz stehen, die auf Empfehlung des Trainers in Berlin gelandet sind: Ndjeng, Langkamp, van den Bergh, Hosogai, (Kluge) und Baumjohann. Hertha als „Luhukay BSC“?

Ja und nein. Verkehrt ist dieser Eindruck, wenn gemeint ist, dass es da eine Gruppe innerhalb des Kaders gäbe, die vom Trainer anderen Spielern gegenüber bevorzugt würde. So steht etwa Luhukay-Zögling Ndjeng derzeit in der Startelf, weil der eigentliche Platzhalter Peter Pekarik nicht da ist, wo Luhukay den Slowaken haben möchte. Wenn Pekarik aber die Situation annimmt, wird er perspektivisch seinen Platz als Außenverteidiger zurückerobern. Andererseits ist Luhukay überzeugt, dass die Neuen zu Hertha passen. Insofern haben sie Kredit beim Trainer, den sie allerdings täglich mit Leistung bestätigen müssen.

Im Schatten dieser Bundesliga-erfahrenen Profis hat sich ein Trio erfreulich entwickelt. John Brooks (21), Nico Schulz (20) und Hany Mukhtar (18) stehen vor ihrem Erstliga-Debüt. Brooks spielt erneut mit dieser erstaunlichen Ruhe, die ihn schon in Liga zwei ausgezeichnet hat. Auch Schulz ist in guter Verfassung. Mukhtar schließlich sorgt mit einer für seine Jugend erfreulich abgeklärten und dabei leichtfüßigen Spielweise für anerkennendes Nicken der sportlich Verantwortlichen. Alle drei haben das Potenzial, Shooting-Stars der Saison zu werden.

Hertha hat in seinen neun Testspielen gegen zumeist unterklassige Gegner acht Siege und ein Unentschieden eingefahren. Der größte Widerstand war beim hart erkämpften 2:1 gegen US Palermo mit Trainer Gennaro Gattuso zu überwinden. Luhukay ist es jedoch wichtiger, dass nach acht intensiven Tagen in der Steiermark „alle 27 Spieler gesund in Berlin ankommen. Die Mannschaft hat Fortschritte gemacht. Jeder ist auf einem besseren Level als vorher.“

Reicht das für die Bundesliga?

Hertha erfindet sich neu. Das ist der Weg, den Trainer und Manager ausgetüftelt haben, den das Präsidium mitträgt. Die entscheidenden Fragen jedoch lassen sich derzeit nicht beantworten: Ob das alles reicht, um in der Bundesliga zu bestehen? Ob der Kader gut genug ist? Sind die Strukturen bei Hertha stark genug, damit sich nicht das wiederholt wie bei den beiden albtraumhaften vergangenen Bundesliga-Jahren, die jeweils im Abstieg endeten?

Bange machen gilt jedoch nicht. Die Stimmung im Team gibt Änis Ben-Hatira wieder: „Wir brauchen keine Angst zu haben. Ich freue mich total auf die Bundesliga.“