Niederlage

Tennis-Maestro Federer hat seine Magie verloren

Nach der Fortsetzung seiner Pleitenserie blieb Roger Federer nur das Mitleid seiner Schweizer Landsleute.

„Es ist brutal, ihn so verlieren zu sehen. Ein Stich in das Herz aller Tennisfans, die ‚King Roger‘ seit Jahren bewundern“, schrieb die Zeitung 20 Minuten nach der 3:6, 4:6-Niederlage gegen Daniel Brands im Achtelfinale des ATP-Turniers in Gstaad. „Die Magie früherer Tage scheint verschwunden. Er spielte wie ein normaler Spieler“, kommentierte die Neue Züricher Zeitung den Auftritt des Schweizer Nationalheiligtums und Tennis-Maestro.

Nach einem Jahr zum Vergessen macht sich rund um den ehemaligen Weltranglistenersten und womöglich besten Tennisspieler aller Zeiten langsam aber sicher Ernüchterung breit. Die Leistungen Federers werfen mehr und mehr Fragen auf – vor allem nach der Zukunft des Grand-Slam-Rekordsiegers. Zwar plagten den bald 32-Jährigen beim Turnier im Berner Oberland heftige Rückenschmerzen, doch auch dies dürfte ein Anzeichen dafür sein, dass die große Zeit vorbei sein könnte.

Denn die Bilanz Federers in diesem Jahr ist für seine Verhältnisse mehr als durchwachsen. 30 Siegen stehen bereits neun Niederlagen gegenüber, nur einmal gewann er gegen einen Top-Ten-Spieler, und lediglich bei den Gerry Weber Open in Halle/Westfalen durfte er am Ende den Pokal in die Höhe recken. Zwar hatte der 17-malige Grand-Slam-Sieger das Jahr 2013 ohnehin eher als Übergangsjahr eingeplant, „dass es aber gleich so schlecht wird, damit habe ich nicht gerechnet“, hatte Federer schon vor seinem Ausscheiden erklärt: „Ich muss schauen, wie ich da wieder herauskomme. In den nächsten Tagen werde ich sicher einmal einen Plan organisieren, damit ich weiß, was ich für meinen Rücken und meine Kondition machen kann.“

Doch Federers Rückenprobleme sind nur ein Grund für die Negativserie. Vor allem sein Selbstvertrauen hat gelitten, die vielen überraschenden Niederlagen haben Spuren hinterlassen. Und bei den Gegner hat er den Nimbus der Unbesiegbarkeit längst verloren. Mittlerweile glauben seine Gegner daran, auch gegen Federer gewinnen zu können. Zudem bereitet dem Weltranglisten-Fünften offenbar immer noch die Umstellung auf seinen neuen Schläger mit größerer Schlagfläche Probleme. „Es braucht Zeit, bis man sich wieder traut, in die Ecken zu spielen“ sagte Federer. Noch ein Punkt, der sich mental nicht unbedingt positiv auswirken dürfte.

Von einem Rücktritt will Roger Federer aber nichts wissen. Erst vor wenigen Tagen veröffentlichte er seine ersten Planungen für das kommende Jahr. Kurzfristig könnte es jedoch erst einmal eine Pause geben. Der Start in die Hartplatzsaison in Montreal scheint zumindest gefährdet. „Ich lasse mir jetzt drei, vier Tage Zeit. Dann sehen wir weiter“, sagte Federer.