Motorsport

Ein 17-jähriger Russe spaltet die Formel 1

Sirotkin wurde ein Cockpit gekauft. Er hat aber keinen Führerschein

Der 25. August wird ein großer Tag für den Schweizer Sauber-Rennstall. Einerseits findet an dem Sonntag der Große Preis von Belgien statt, ein veritables Schicksalsrennen für das mit 100 Millionen Euro verschuldeten Formel-1-Team. Wenn die Schweizer bis dahin nicht genug Geld auftreiben, um ihre Schulden zu begleichen, könnte es sogar das letzte für sie sein. Andererseits feiert ihr künftiger Fahrer Sergej Sirotkin an jenem 25. August seinen 18. Geburtstag.

Seitdem eine Allianz aus einem russischen Investmentfonds, dem „staatlichen Fonds zur Entwicklung der Nord-Westlichen Russischen Föderation“ und das nationale Institut für Luftfahrt und Technologie beschlossen hat, mehr als 400 Millionen Euro in die Rettung des Privatteams zu investieren, steht der junge Russe im Fokus.

Seit Jaime Alguesuari vor vier Jahren hat kein so junger Fahrer mehr den Einstieg in die Königsklasse gewagt. Vor allem aber treibt Sirotkin, der Sohn des steinreichen Geschäftsleiters des russischen Luftfahrtinstituts, die Bezahlfahrer-Kultur in der Formel 1 auf einen neuen Höhepunkt. Zwar betont der junge Moskauer: „Ich bin kein Paydriver, sondern ein Rennfahrer, der von der russischen Föderation unterstützt wird.“ De facto kauft ihm jedoch sein Vater mit staatlichem Geld das Sauber-Cockpit.

Nach Informationen der Morgenpost wird es für Sirotkin etwa kompliziert, überhaupt eine Superlizenz zu bekommen. Der Formel-1-Führerschein wird nur vom Automobil-Weltverband Fia ausgestellt. Fia-Präsident Jean Todt jedoch hält sich derzeit extrem zurück. Dass er Sirotkin im Alleingang eine Superlizenz ausstellt, gilt als unwahrscheinlich. Nicht nur Todt weiß, zu welch großem Sicherheitsrisiko ein so junger Pilot werden kann. Zuletzt hatten Unfälle von Bezahlfahrern wie Sergio Perez oder Pastor Maldonado heftige Debatten ausgelöst.

Als die Fahrer zu Beginn des Grand-Prix-Wochenendes in Budapest (Rennen am Sonntag, 14 Uhr, RTL und Sky) nach Sirotkin gefragt wurden, antworteten sie alle mit Kopfschütteln. „Ich kenne ihn praktisch nicht“, sagte Kimi Räikkönen, der seine Superlizenz 2001 nur auf Bewährung erhalten hatte. Da hatte der Finne aber schon zweimal die Formel-Renault gewonnen. Sirotkin hingegen dreht sieglos seine Runden in einer zweitklassigen Nachwuchsserie.

Auch die Perspektive des Teams hängt an der Superlizenz. So soll der Deal zwischen Sauber und den russischen Geldgeber erst unterschrieben werden, wenn der Führerschein ausgestellt ist. Bis dahin fließen lediglich zehn Millionen Euro zur Tilgung der dringendsten Schulden. Erst wenn die Zukunft des Frischlings gesichert ist, geht es auch für den Rennstall weiter. Peter Sauber soll dafür sogar Ende des Monats zu Verhandlungen mit Russlands Staatspräsident Wladimir Putin nach Moskau fliegen.

Saubers Motorenlieferant Ferrari verfolgt die Entwicklung ebenfalls mit Argwohn. Hinter dem potenten Triumvirat soll mit Rostec eine der größten Technologie-Firmen Russlands stehen. Mit ihrem Investment haben sie nicht nur Sirotkins Platz gekauft, sondern auch den Zugriff auf alle Betriebsgeheimnisse des Formel-1-Boliden – inklusive des Ferrari-Motors. Als Sauber den Deal verkündete, war vielsagend von „gemeinsam entwickelten Technologien“ die Rede. Aus dem Umfeld der Scuderia heißt es nun, man fürchte Insider-Know-How nach Russland zu verlieren. In der kommenden Saison wird erstmals mit Sechs-Zylinder-Motoren gefahren; deren Entwicklung kostet die Teams schon jetzt viel Zeit und Geld.