Berliner Vereine

Zwei Klubs, zwei Wege (Alba)

Wer als eingefleischter Fan von Alba Berlin auf dem neuesten Stand sein will, muss schon wieder in den Geldbeutel oder zur Scheckkarte greifen.

Trikots mit aufgeflockten Namen wie Morley, Idbihi oder auch Schaffartzik sind out. Zach Morley, Yassin Idbihi oder Heiko Schaffartzik werden künftig nicht mehr für den Berliner Basketball-Bundesligisten spielen. Bald werden Shirts mit Timor, Logan oder Hammonds im Angebot sein. Bar Timor, David Logan oder Clifford Hammonds gehören zu den Profis, die in der kommenden Saison für Alba auf den Korb werfen werden.

Die Verpflichtung von Spielmacher Hammonds wurde gestern offiziell gemeldet. Der 27 Jahre alte US-Amerikaner kommt vom bosnischen Meister BC Igokea Aleksandorvac und unterschrieb bei Alba einen Zweijahresvertrag. Er ist damit die neunte Verpflichtung der Berliner für die Saison 2013/2014.

Bisher schon neun Neue – es gibt einen kompletten Umbruch, zum momentanen Stand bleibt keiner der Stammkräfte. Die einzige feste Größe ist Trainer Sasa Obradovic, der mit einem großen Vertrauensbonus sein Amt vor einem Jahr angetreten hatte. Verkörpert er doch noch so richtig das erfolgsverwöhnte Alba aus der Vergangenheit. Mit ihm holten die Berliner 1995 den Korac-Cup und 1997 die erste von insgesamt acht Meisterschaften. Doch unter dem Strich blieb zum Saisonende trotz des Pokalsieges und des Erreichens des Top 16 in der Europaliga vor allem das frühe Aus im Play-off-Viertelfinale hängen.

Jetzt also alles auf Null. Wieder einmal. Denn in den vergangenen etwa zehn Jahren ist es Alba kaum gelungen, Kontinuität über längere Zeit zu schaffen. Spieler kamen und gingen oft nach einem Jahr wieder. Und nachdem zwischen 1993 und 2005 in Svetislav Pesic und Emir Mutapcic gerade einmal zwei Trainer das Sagen hatten, waren es seitdem fünf (Henrik Rödl, Luka Pavicevic, Muli Katzurin, Gordon Herbert, Sasa Obradovic). Untrügliche Zeichen dafür, dass die Klub-Führung bei der Personalauswahl nicht immer glücklich agierte.

Alba-Nostalgiker sind sich sicher, dass früher alles besser war. Doch Vergleiche führen in die Irre. Es haben sich die Bedingungen komplett verändert: Einst, als Alba siebenmal hintereinander Meister wurde (1997-2003), hatte man unbestritten das höchste Budget und konnte sich die besten Ausländer leisten, von denen damals überhaupt nur zwei erlaubt waren. Und in Sachen Nachwuchsarbeit (Kooperation mit TuS Lichterfelde) war man der Konkurrenz um Lichtjahre voraus.

Gerade hat Alba von der Bundesliga (BBL) 18.000 Euro bekommen, der Lohn für die Auszeichnung „Vorbildlicher Jugendstandort“. Seit etlichen Jahren hat Alba die Nachwuchsarbeit auf eigene Beine gestellt, fast eine Million Euro gibt man inzwischen jährlich dafür aus, mit Preisen und Anerkennung für das soziale Engagement wurde der Klub seitdem überhäuft.

Bisher ist allerdings aus der Masse in der Spitze noch keiner angekommen, der wie einst ein Mithat Demirel, Ademola Okulaja oder Jörg Lütcke zu einer festen Größe werden konnte.

Nicht heute und nicht morgen wird aus der Alba-Jugend ein neuer Nationalspieler herauskommen, aber beim Klub ist man sich sicher, dass langfristig das Programm junge Basketballer mit großer Qualität hervorbringen wird. Deutsche Spieler sind seit Einführung der Quote (sechs Einheimische müssen im Zwölferkader stehen) sowieso zu einem noch wertvolleren Gut geworden. Alba scheint gelernt zu haben: Fünf Deutsche, alle noch nicht am Ende ihrer Entwicklung, wurden jetzt mit längerfristigen Verträgen an den Klub gebunden.

Zumindest ein erster Schritt auf dem Weg zu neuer Kontinuität.