Berliner Vereine

Zwei Klubs, zwei Wege (Eisbären)

Während die Eisbären erneut auf Kontinuität setzen, findet bei Alba der nächste Umbruch statt

Geduld ist eine Tugend. Nur verliert der Fan gern mal seine Tugendhaftigkeit, wenn er sieht, wie die Konkurrenz in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) schon um die Jahreswende den eigenen Anhang mit Kaderplanungen für die neue Saison beglückt. Ausgerechnet beim Branchenführer, dem EHC Eisbären, wird konträr verfahren. Der treue Fan muss warten können. In der Saison gibt es in vertraglichen Dingen keinerlei Offizielles. Schon gar nicht im Bezug auf neue Spieler.

Aber viel mitzuteilen ist ja auch nicht. Denn die Berliner heben sich nicht nur in ihrer Mitteilungspolitik vom Rest der Liga ab, sie verfolgen einen anderen Kurs, wechseln nur wenig Personal, während die anderen Jahr für Jahr das halbe Team auswechseln. Am Mittwoch verkündeten die Eisbären den dritten Zugang, Verteidiger Shawn Lalonde, 23, Kanadier, kommt von den Rockford IceHogs aus der AHL nach Berlin. Frisches Blut tut gut. Auch beim EHC. Doch der Schlüssel des Erfolgs liegt in der Kontinuität.

Sieben Meistertitel gewannen die Berliner in den vergangenen neun Jahren. Vier Spieler waren bei allen Titeln dabei, es sind Spieler, die als 18-Jährige in das Profiteam aufgenommen wurden mit dem klaren Ziel, sie zu Akteuren zu formen, die die Mannschaft irgendwann anführen – und das Niveau in Deutschland bestimmen. Mit Rankel, Busch, Baxmann und Hördler wurde ein Konzept geboren bei den Eisbären, es ging darum, etwas aufzubauen, das von Dauer ist.

Voraussetzung dafür war die Unterstützung herausragender ausländischer Profis, die Manager Peter John Lee in Steve Walker, Mark Beaufait oder Denis Pederson fand. Die blieben selbst bis zu zehn Jahre im Klub, brachten den Verein auf das Niveau, auf dem er ist und fungierten als Ausbilder für die Talente. Die haben nun das Ruder übernommen, sind Eisbären durch und durch, dazu perfekt vorbereitet auf ihre Aufgaben. Weshalb es ihnen möglich war, das Team vergangene Saison zum siebten Titel zu führen.

Aber es geht nicht nur darum zu gewinnen. Fans wollen feste Bezüge zu ihrem Klub, Fixpunkte, Helden. Woher sollen sie die nehmen, wenn jedes Jahr mehr neue als alte Gesichter auftauchen? Verweildauer bringt Identifikation, und für Fans ist nichts wichtiger, als sich identifizieren zu können. Für die Philosophie des EHC ist dieser Punkt strategisch bedeutsam gewesen beim Umzug vom kleinen Wellblechpalast in die große O2 World, wo das Zuschaueraufkommen verdreifacht werden musste. Ein Verein, bei dem alles austauschbar ist, hätte da Probleme bekommen.

Mit ihrer auf Langfristigkeit angelegten Ausrichtung fahren die Berliner seit zehn Jahren bestens, sie ist zum Markenzeichen des Klubs geworden und hat zu einer außergewöhnlichen Verquickung mit dem Anhang geführt. Der Fan kennt nicht nur die Oberfläche, er kann hinter die Fassade schauen, die Profis auf einer tieferen Ebene beurteilen, weil über die Jahre viel zu erfahren war über jeden.

Nachahmer für das Berliner Konzept gab es lange nicht, obwohl der Erfolg für sich sprach. Die Jungen von einst sind nun die alten Hasen und vermitteln den jungen Spielern, was ihnen mit auf den Weg gegeben worden ist. Harte Arbeit etwa, aber auch dieses unerschütterliche Selbstbewusstsein, das nur Sieger haben. Das Gefühl der Zusammengehörigkeit, das sich im Team einstellt, je länger es beieinander ist und Leistungen ermöglicht, die den Unterschied zwischen Gewinnen und Verlieren ausmachen können. In der nächsten Saison werden die Berliner mit 19 Spielern auflaufen, die bereits das Trikot der Eisbären trugen. Sie bleiben sich treu. Andere machen das inzwischen nach, am intensivsten kopiert Vizemeister Köln den Berliner Plan und startet auch mit 19 „alten“ Profis.