World Games

Gebrochene Finger sind keine Seltenheit

Kanupolo-Spielerin Alexandra Bonk hat vor vier Jahren bei den World Games in Taiwan schon einmal erlebt, wie es sich anfühlt, plötzlich im Rampenlicht zu stehen.

Als die Berlinerin im Hotel den Fernseher anschaltete, lief das Spiel der Nationalmannschaft in voller Länge. „Ich hatte Gänsehaut“, sagt die 24-Jährige vom Kajak-Club Nord-West Berlin. Wenn sie mit ihrer Akkreditierung um den Hals durch die Stadt bummelte, wurde sie von den Taiwanesen gefeiert wie ein Weltstar. Und das in einer Sportart, in der in Deutschland selbst bei Länderspielen manchmal bloß ein paar Dutzend Zuschauer vorbeischauen.

Kanupolo lässt sich kurz als eine Mischung aus Wildwasserslalom und Handball beschreiben. Zwei Mannschaften mit je fünf Spielern versuchen, im Kajak sitzend, einen Ball mit der Hand oder dem Paddel in die in zwei Meter Höhe angebrachten Tore zu befördern. Gespielt wird zweimal zehn Minuten. Auf dem Feld geht es rasant zu: Nach fünf Sekunden muss der Ball gepasst, nach spätestens 60 Sekunden aufs Tor geworfen werden. Blaue Flecken und selbst gebrochene Finger sind bei der Wasserschlacht keine Seltenheit.

Auch Bonk wurde in der Vorbereitung auf die diesjährigen World Games durch eine Ellenbogenverletzung außer Gefecht gesetzt, die sie sich allerdings bei einem Fahrradunfall zugezogen hatte. Sie hofft trotzdem auf ihren Einsatz. Zur Nationalmannschaft gehören zwei weitere Berlinerinnen: Fabienne Thöle und Antonia Scheidmann. Mit Stefanie Esser steht sogar noch eine vierte KC-Nord-West-Spielerin im Kader, doch sie wohnt eigentlich im Ruhrgebiet und stößt nur zu Turnieren zum Vereinsteam. Deutschland ist amtierender Weltmeister und peilt in Cali die Goldmedaille an. Konkurrenz kommt dabei vor allem aus Frankreich und Großbritannien.

Für Teamkollegin Fabienne Thöle ist die größte Herausforderung die Reise nach Südamerika. „Ich habe Flugangst“, gesteht die 22-Jährige. Wie fast alle Kanupolo-Spielerinnen ist sie eine Amateurin. Thöle absolviert gerade eine Ausbildung zur Sport- und Fitnesskauffrau, an manchen Tagen muss sie morgens um 4 Uhr aufstehen, um zur Arbeit zu fahren. Trainiert wird dann am Abend.

Auch Antonia Scheidmann muss Sport und Lehramtsstudium unter einen Hut bringen. Sie war früher im Kanurennsport aktiv, „aber auf Dauer wurde es mir zu langweilig, immer bloß geradeaus zu fahren“, sagt sie. Mit Kanupolo entschied sie sich für eine koordinativ äußerst anspruchsvolle Disziplin. „Es fängt schon damit an, dass es mit unserem Boot sehr viel schwieriger ist, geradeaus zu fahren als mit einem normalen Kajak. Es genügt schon ein kräftiger Paddelschlag und man dreht sich im Kreis.“ Bonk pflichtet ihr bei: „Und wenn man dann erst einmal geradeaus fahren kann, kommen der Ball und die Gegner hinzu.“

Wichtig sei es, seine Angst zu überwinden und aggressiv in die Zweikämpfe zu gehen, meint Fabienne Thöle, „auch auf die Gefahr hin, unter Wasser zu geraten.“ Das passiert beim Kanupolo häufiger. Zur Grundausstattung der Spielerinnen gehört deshalb auch eine Schöpfkelle, um das Boot nach dem Schlusspfiff wieder trocken zu bekommen.